
Wissenswertes über Nistkästen
Mit einem Nistkasten leisten Sie einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz. Viele Vögel finden in der freien Natur keine oder nur schlecht geeignete Brutstätten, weshalb ihre Population zurückgeht. In folgendem Ratgeber erhalten Sie einen Überblick über die verschiedenen Formen und Größenverhältnisse von Nistkästen. Außerdem verraten wir Ihnen Tipps und Tricks zu Standort, Montage und Instandhaltung.
1. Überblick über Nistkästen
Indem Sie einen Nistkasten aufstellen, tragen Sie zum Schutz der Umwelt bei: Die meisten Vögel suchen sich Nistplätze im Totholz alter Bäume oder in den Löchern und Rissen von Mauerwerk. Da abgestorbene Bäume und baufällige Mauern oftmals entfernt beziehungsweise abgerissen werden, fehlen natürliche Nistplätze für die Brut und Aufzucht der Jungvögel. Nistkästen füllen diese Lücke und leisten im Winter einen hervorragenden Dienst als Übernachtungsmöglichkeit. Wenn Sie auch Marienkäfern, Schmetterlingen und Co. helfen möchten, sollten Sie sich unsere Insektenhotels ansehen.
Nistkästen unterscheiden sich durch ihre Funktion und hinsichtlich der Optik von klassischen Vogelhäusern, die der Futteraufnahme dienen. Sie bestehen in der Regel aus fünf Bestandteilen: dem Innenraum (= Brutraum), den Wänden, Boden und Dach sowie einem Einflugloch (oder Flugloch) an der Front. Je nach Art des Nistkastens kann die Front alternativ bis zur Hälfte offen liegen. Eine Anflug- oder Sitzstange vereinfacht zwar das Landen, ist aber meist unnötig und erleichtert Nesträubern, die Brut zu erreichen.
Als Material dient entweder Holz oder Holzbeton (= ein äußerst haltbarer Werkstoff aus Sägespänen und Zement), wobei das Dach zum Teil aus Zink gefertigt wird. Sehr selten wird auf einem Holzaufsatz ein Nestbeutel aus Kokos oder ähnlichen Fasern angebracht.
Von links nach rechts: Nestbeutel aus Kokosfasern sowie Nistkästen aus Holz und Holzbeton
Die unterschiedlichen Größen der Vögel finden sich in den verschiedenen Durchmessern des Einfluglochs wieder. Zudem bieten manche Bruträume nur kleinen Vogelarten ausreichend Raum.
Wenn Sie schon wissen, welche Vogelarten möglicherweise Hilfe benötigen, können Sie sich Nistkästen mit entsprechendem Platzangebot anschaffen. Falls Sie über die nötige Fläche verfügen, ist die Anschaffung von zwei oder mehreren Nistkästen mit unterschiedlich großen Öffnungen empfehlenswert.
Hier finden Sie eine Übersicht über gängige Vogelarten und die dafür geeigneten Formate der Nistkästen:
| Größe der Öffnung | Größe des Nistkastens | Vogelarten (Auswahl) |
|---|---|---|
| Ø 26 bis 28 mm | 140 x 140 x 250 mm | Blaumeise, Tannenmeise, Haubenmeise, Sumpfmeise |
| Ø 32 bis 34 mm | 140 x 140 x 250 mm | Kohlmeise, Trauerschnäpper, Haussperling, Feldsperling |
| Ø 45 bis 50 mm | 160 x 160 x 320 mm | Gartenrotschwanz, Kleiber, Star, Sperlingskauz* |
| Schlitz von 50 mm | 140 x 140 x 160 mm | Bachstelze, Hausrotschwanz, Grauschnäpper |
| Ø 65 bis 70 mm | 220 x 220 x 350 mm | Wiedehopf, Zwergohreule |
| Ø 80 bis 85 mm | 250 x 250 x 350 mm | Hohltaube, Dohle, Rauhfußkauz |
*Der Sperlingskauz benötigt in der Regel eine weitläufige Brutstätte: Die Maße sollten daher etwa 220 x 250 x 350 Millimeter betragen.
Diese Angaben sind als Empfehlung mit möglichen Abweichungen zu verstehen. Schließlich weisen auch die natürlichen Brutstätten von Vögeln keine genormten Idealwerte auf.
2. Formen von Nistkästen
Vogelarten lassen sich nach ihrer jeweiligen Brutpflege in Frei-, Höhlen- und Nischenbrüter unterteilen. Während Freibrüter ihre Nester in Baumkronen, in Hecken oder auf dem Boden anlegen, suchen sich die beiden anderen entsprechende Hohlräume.
Höhlenbrüternistkästen
Die bekannteste Form des Nistkastens ist der Höhlenbrüternistkasten. Hierbei bildet ein Einflugloch die einzige Möglichkeit, in das Innere zu gelangen. Daher ist die Variante relativ sicher vor Nesträubern, vor allem, wenn der Brutraum nach hinten ausgelagert ist. Zu den Höhlenbrütern zählen verschiedene Arten aus der Familie der Meisen, weshalb der Nistkasten häufig als Meisenkasten bezeichnet wird. Solche Brutstätten werden außerdem von einigen Schnäppern sowie Sperlingen und Wendehälsen genutzt.
Halbhöhlennistkästen
Halbhöhlennistkästen weisen einen breiten Schlitz auf, der sich meist über die gesamte Front erstreckt. Da etwa die Hälfte der vorderen Wand offenliegt, ist kein zusätzliches Einflugloch nötig. Besonders Grauschnäpper und Hausrotschwänze sowie Zaunkönige und Bachstelzen bevorzugen diese Variante des Nistkastens.
Nischenbrüternistkästen
Nischenbrüter wie das Rotkehlchen bevorzugen als Brutplatz Nischen in Felswänden, Mauern und Bäumen. Sie nehmen verschiedene Formen des Nistkastens an, so auch die Halbhöhlenkästen. Die weite Öffnung von Halbhöhlen ist jedoch gefährlich für die Jungvögel, da sich Nesträuber auf einfache Weise Zugang verschaffen können. Daher gibt es spezielle Modelle, die eine Mischung aus den oben genannten Varianten darstellen. Sie verfügen entweder über ein sehr großes oder mehrere Einfluglöcher.
Von links nach rechts: Nischenbrüternistkasten, Halbhöhlennistkasten und Höhlenbrüternistkasten
3. Aufstellung
Zu manchen Nistkästen werden Pflöcke mitgeliefert, auf denen Sie die Brutplätze stecken können. Achten Sie darauf, dass Sie dabei eine Mindesthöhe von etwa 1, 5 Metern erreichen, da andernfalls Jäger den Brutraum sehr leicht erreichen können.
Nistkästen mit einem Einflugloch von bis zu 50 Millimetern sollten in einer Höhe von 1,5 bis 3,5 Metern befestigt werden. Ausführungen für große Vögel wie den Wiedehopf bringen Sie am besten in einer Höhe von drei bis zehn Metern an.
Am besten eignen sich alte Bäume zur Aufhängung von Nistkästen. Der Marderschutz hilft gegen Nestjäger.
Bei der Befestigung an Bäumen sollten Sie einen rostfreien Nagel wählen, den Sie nur zum Teil einschlagen und mit einer Manschette aus Gummi versehen, da der Nistkasten beim Wachstum des Baums andernfalls beschädigt werden könnte.
Sorgen Sie bei der Aufhängung von Nistkästen an Bäumen, Hauswänden oder freistehenden Mauern immer für einen stabilen, schaukelfreien Halt. Das Einflugloch sollte sich in Richtung Südosten befinden sowie wind- und regengeschützt sein.
Um Ihren Nistkasten vor Katzen und Mardern zu sichern, können Sie das Gestell mit Maschendrahtzaun umgeben oder den Baum mit Ranken, zum Beispiel von Hecken-Rosen, umwickeln. Ein steiles Dach verhindert überdies, dass Katzen sich dort auf die Lauer legen. Vorgelagerte Einfluglöcher (= Marderschutz) erschweren ebenfalls den Zugriff von jagenden Tieren, da sie den Weg zum Brutraum erheblich verlängern. Alternativ können manche Nistkästen nachträglich mit einem Marderschutz ausgerüstet werden. Hierbei wird die alte Vorderseite gegen eine Front mit einem entsprechenden Schutz ausgetauscht.
Planen Sie genügend Platz zwischen einzelnen Nistkästen ein, wenn Sie mehrere davon aufstellen oder aufhängen möchten. Je nach verfügbarer Fläche und sonstiger Bebauung beziehungsweise Bepflanzung sind sechs bis zehn Meter eine gute Wahl.
4. Pflege und Instandhaltung
Bei vielen Nistkästen können Sie das Dach entweder gänzlich abnehmen oder zumindest verschieben, um den Brutraum zu reinigen. Öffnen Sie das Dach nicht, solange der Nistkasten noch bewohnt wird. Je nach Vogelart beginnt das Nisten zwischen März und Mai und endet im Juni.
Hohe Spezialvariante für Spechte: Das Flugloch wurde nur vorgebohrt und muss vom Specht mit dem Schnabel aufgeklopft werden.
Einige Meisen brüten mehrmals pro Jahr: Am sichersten ist die Reinigung eines Meisenkastens im Herbst, bevor ein anderes Tier dort Schutz vor dem Winter sucht.
Andere Nistkästen sollten Sie im Spätsommer säubern. Wenn Sie sich vergewissert haben, dass Ihr Nistkasten nicht belegt ist, können Sie das darin gebaute Nest entfernen. Kehren Sie den Brutraum sorgfältig aus, um Milben oder Vogelflöhe zu entfernen, die sich möglicherweise dort niedergelassen haben.
Verzichten Sie bei der Reinigung auf den Einsatz von Chemikalien – dies ist nicht nur unnötig, sondern könnte auch die Neuansiedlung von Vögeln verhindern oder die Tiere schädigen.
Nach einigen Jahren der dauerhaften Nutzung können Sie etwaigen angetrockneten Schmutz im Inneren des Nistkastens mit Wasser und einer Stahlbürste entfernen.
Einen Spezialfall stellen die Nistkästen von Mauerseglern dar: Sie sind relativ groß, benötigen ein ovales Einflugloch und stellen besondere Anforderungen an den Nistkasten. Da sie ihre Nester ein Leben lang benutzen, sollten Sie den Nistkästen fernbleiben. Überlassen Sie die Säuberung und Instandhaltung der Nistkästen den Vögeln selbst.
Schwalbennester werden mehrfach genutzt und sind zudem nach dem Bundesnaturschutzgesetz vor der eigenmächtigen Entfernung geschützt. Hier gilt ebenfalls: Belassen Sie das Nest in seinem ursprünglichen Zustand und verzichten Sie auf die Reinigung des Nistkastens.
5. FAQ
Wann sollte ich einen Nistkasten aufhängen?
Die Hauptbrutzeit von Vögeln liegt zwischen März und Juni. Allerdings fungieren zahlreiche Nistkästen auch als Winterstätte von Vögeln und anderen Tieren wie Siebenschläfer und Eichhörnchen, weshalb die ganzjährige Aufhängung eines Nistkastens besonders dem Umweltschutz dient.
Aus welchem Material sollte mein neuer Nistkasten bestehen?
Nistkästen sind dazu gedacht, als geschützter Raum über lange Zeiträume im Freien zu sein. Das Material muss daher enorm wetterbeständig sein und eine hohe Dämmeigenschaft aufweisen, weshalb Massivholz und Holzbeton die beste Wahl für Nistkästen sind. Bei einigen Modellen wird das Dach zum Schutz gegen starken Regen aus Zink gefertigt oder mit Zink überzogen.
Gibt es Nistkästen aus Baumstämmen?
Einige Nistkästen werden aus Baumstämmen gefertigt und zum Teil unter dem Namen Naturstamm-Nistkästen angeboten. Durch das Ausfräsen des Baumstamms entsteht der Brutraum, der von einer Decke – ebenfalls Teil des Stamms – begrenzt wird. Decken- und Bodenteil werden manchmal mit einer Schicht aus Bienenwachs versehen, um den Nistkasten und seine Bewohner besser vor Regen zu schützen. An der Seite ist der Stamm mit einem beliebig großen Einflugloch versehen.






































