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Getränke / 15. Mai 2016

Mai Tai – Ein Rum-Cocktail geht um die Welt

Der Mai Tai ist einer der bekanntesten Cocktails der Welt und zweifelsohne der berühmteste Rum-Cocktail überhaupt. Mai Tai – das klingt nach Südsee, Palmen, Hula-Mädchen. Und so verkehrt sind diese Assoziationen auch nicht! Alles zur Geschichte dieses Drinks lest ihr hier.

Mai Tai – Ein Rum-Cocktail geht um die Welt
© Brent Hofacker – Fotolia.com

Tiki-Bars folgen auf „Speakeasys“

Der Rum-Cocktail Mai Tai stammt aus der Ära der sogenannten Tiki-Bars, die in den USA nach Ende der Prohibition populär wurden. 1933 hatten die Nordamerikaner genug von der Trockenheit, die ihnen mehr statt weniger Kriminalität eingebracht hatte. Die „Speakeasys“, die illegalen Flüsterkneipen, wurden wieder ersetzt durch legale Bars.

Zu dieser Zeit öffnete Donn Beach (tatsächlich: Ernest Raymond Beaumont-Gannt) in Hollywood eine Bar namens „Don the Beachcomber“. Der Laden war in Südseeinsel-Manier gestaltet: Exotische Hölzer wie Bambus verkleideten die Wände, dazu sorgten Pflanzen, Blumengirlanden, Bananenstauden und Kokosnüsse für tropische Atmosphäre. Für schwüle Erotik waren barbusige „eingeborene“ Mädchen zuständig, während die männlichen Angestellten grelle Hawaii-Hemden trugen. Und überall standen „Tikis“, aus Holz geschnitzte Ahnen- oder Götterfiguren. „Don the Beachcomber“ entwickelte sich binnen kurzer Zeit zur Lieblingsbar von bekannten Ortsgrößen wie Filmstar Charlie Chaplin oder Milliardär Howard Hughes, bevor dieser zum wirren Eremiten wurde. Überall schossen Tiki-Bars aus dem Boden – viele von ihnen entwickelten eigene Rum-Cocktails mit Südsee-Flair.

Geburtsstunde des berühmtesten Rum-Cocktails

Eine solche Bar war das „Trader Vic’s“ in Oakland, Kalifornien. Betrieben wurde es von Victor Bergeron, der heute als der Erfinder des Mai Tai gilt. Bergeron selbst erzählte folgende Version: „Ich stand 1944 hinter dem Tresen meines Restaurants in Oakland, holte eine 17 Jahre alte Rumflasche heraus, einen J. Wray & Nephew aus Jamaica. Ich nahm eine frische Limette, fügte etwas holländischen Curacao Orange, einen Schuss Kandiszuckersirup und einen Tropfen französisches Orgeat hinzu, um einen leichten Mandelgeschmack zu bekommen. Eine gute Portion geschabtes Eis und ein kräftiges Durchschütteln bewirkte die Verbindung, die mir vorschwebte. Die Hälfte der Limettenschalen fügte ich wegen der Farbe hinzu. Ich steckte einen frischen Minzezweig hinein und gab Ham und Carrie Guild, zwei Freunden aus Hawaii, die an diesem Abend bei mir zu Gast waren, zwei Becher. Carrie nahm einen Schluck und sagte: ,Mai Tai – Roa Ae‘, was im Tahitianischen ,nicht von dieser Welt‘ bedeutet. Tja, so war das. Den Drink taufte ich ,Mai Tai.‘“

Auch Donn Beach, der immerhin den Rum-Cocktail-Klassiker Zombie kreiert hatte, wollte den Mai Tai erfunden haben, und das schon 1933. Diese Behauptung lässt sich allerdings nicht verifizieren. Möglich ist, dass Beach zwar einen Mai Tai, aber eben nicht den Mai Tai entwickelt hat. Und die Betreiber der Bar im Hotel „Royal Hawaiian“ in Waikiki – die heute natürlich „Mai Tai Bar“ heißt – vertreten gar den Standpunkt, schon in den Zwanzigern den Mai Tai angeboten zu haben. Bergeron jedenfalls meinte in seinem „Bartender’s Guide“ von 1972, in dem sein Rezept erstmalig abgedruckt wurde: „Wer auch immer behauptet, ich hätte den Mai Tai nicht erfunden, ist ein schmutziger Stinker!“

Mai Tai ist nicht gleich Mai Tai

Unabhängig von seinem Erfinder trat der Rum-Cocktail einen Siegeszug um den Globus an. In dem auch in Deutschland erfolgreichen US-Film „Blaues Hawaii“ (1961) mit Elvis Presley wird zum Beispiel reichlich Mai Tai genossen. Heute existieren wahrscheinlich so viele verschiedene Arten, einen Mai Tai zu mixen, wie es Barkeeper auf der Welt gibt. Ein Mai Tai nach Originalrezept ist heute nur zu Liebhaberpreisen zu bekommen, wenn überhaupt – der Rum ist so gut wie nicht mehr erhältlich. Ein Hotel im nordirischen Belfast konnte vor einigen Jahren eine Flasche siebzehnjährigen J. Wray & Nephew-Rum ergattern und schenkte daraus in zwei Jahren zehn Mai Tai aus – zu 750 Pfund je Cocktail!