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Nachhaltig gefragt / 18. Februar 2021

Warum Einkaufen nach Saison nicht nur der Umwelt guttut

Erdbeeren im Winter? Können eigentlich gar nicht nachhaltig sein, oder? Warum es Sinn macht, Lebensmittel nach Saison zu kaufen und wieso das nicht nur der Umwelt, sondern auch uns selbst guttut – Nachhaltigkeits-Expertin Anna Schunck hat die wichtigsten Fakten zum Thema.

Kohlkopf auf Feld mit Frost
© ahavelaar - stock.adobe.com

Interview

Das Allgemeine: Was bedeutet saisonal?

Anna Schunck: Saisonalität ist die Ableitung des Worts „Saison“ und bezeichnet naturgegebene, jahreszeitliche Anbaubedingungen in der Landwirtschaft wie Temperaturen, Niederschläge oder auch unterschiedliche Tageslängen. All diese Gegebenheiten legen fest, wann welche Pflanzen natürlicherweise in unser Klimazone und in unserem Land wachsen können. Saisonal einzukaufen bedeutet also, einfach möglichst das zu kaufen, was es gerade wirklich draußen gibt. Durch Importe im großen Stil und Frischetheken, in denen es fast immer fast alles gibt, haben wir Konsumenten dafür in den letzten Jahrzehnten allerdings mehr und mehr das Bewusstsein verloren.

Das Spezielle: Bei welchen Lebensmitteln spielt die Anbauzeit eine Rolle?

Anna Schunck: Bei allem, was frisch ist. Die besagten Erdbeeren im Winter, aber auch Möhrchen zu Ostern und Orangen im ganzen Jahr sind in unseren Breitengraden alles andere als natürlich. Sämtliche Obst- und Gemüsesorten, die es außerhalb der ursprünglichen Anbauzeit bei uns zu kaufen gibt, mussten entweder über Monate energieintensiv gekühlt oder gut gedüngt in beheizten Gewächshäusern und unter Plastikplanen hochgezogen werden. Oder sie kommen sogar mit dem Schiff oder Flugzeug aus Übersee.

Der Sinn: Welchen Einfluss haben saisonale Produkte auf Umwelt und Klima?

Anna Schunck: Einen hohen! Intensiver Anbau und Import bedeuten Ressourcenverbrauch und Freisetzung von Nitrat, Pflanzenschutzmitteln und Kohlendioxid. Und weil wir uns mittlerweile komplett an die Verfügbarkeit von allem immer und sofort gewöhnt haben, ist die Nachfrage nach sämtlichen Sorten ganzjährig so hoch, dass ein Großteil auch noch in Monokulturen angebaut wird. Diese laugen die Böden aus – bis mittelfristig gar nichts mehr darauf wachsen kann.

Obwohl ein Wandel vor allem politische Entscheidungen braucht, ist jeder Kassenbon ein Stimmzettel. Unsere Nachfrage beeinflusst das Angebot. Mit reflektierten und verantwortungsbewussten Kaufentscheidungen können wir uns die Probleme der industriellen und intensiven Landwirtschaft vor Augen führen – und beispielsweise mit einem Speiseplan, der zur Saison passt, selbst etwas gegen den Einsatz von synthetischen Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, die schwindende Artenvielfalt und die Verschmutzung des Grundwassers tun.

Darüber hinaus formt die Art der Landwirtschaft auch unsere Landschaft. Je unnatürlicher wir unsere Lebensmittel anbauen lassen, desto mehr Flächen müssen für die Produktion geschaffen und künstlich verändert werden.

Der eigene Benefit: Haben wir auch selbst etwas von saisonaler Ernährung?

Anna Schunck: Ja, denn saisonale Ernährung hilft uns beim Erhalt unseres Lebensraums. Und führt gleichzeitig dazu, dass wir auch gesünder essen, wenn wir mit der Saison gehen. Schließlich entwickeln Obst und Gemüse ihre vollen Vitamine und Antioxidantien besonders dann, wenn sie wirklich reif und vollständig entwickelt sind.

Interessanterweise passen die Jahreszeiten darüber hinaus nicht nur zum Wachstum der frischen Lebensmittel – deren Inhaltsstoffe passen auch immer genau zu uns und liefern dem menschlichen Organismus genau das, was er gerade braucht. So steckt im herbstlichen Apfel alles, was uns gesund durch den nahenden Winter bringt. Im Frühling wiederum sorgt die Vielfalt an Blattgrün dafür, dass unser Körper die Gifte ausschwemmt, die sich über die dunklen Monate angesammelt haben. Weiterer Pluspunkt: Frische Lebensmittel sind fast immer günstiger, wenn sie Saison haben.

Und wenn uns dann doch mal außerplanmäßige Gelüste packen?

Anna Schunck: Dann gibt’s unsere Lieblingsobst- und gemüsesorten dankenswerter Weise ja trotzdem in jedem Supermarkt – eingelegt, fermentiert oder tiefgefroren.   

Und wenn wir unseren Favoriten nicht finden?

Anna Schunck: Können wir selbst aktiv werden! Für unsere Großeltern war das Haltbarmachen schließlich auch ganz normal.


Über Anna Schunck

Nachhaltigkeits-Influencerin

Porträt Anna Schunck
© Michi Schunck

Anna Schunck, geboren 1981, ist freie Journalistin, Moderatorin, Menschenfreundin und Expertin für Nachhaltigkeit. Sie hat eine Tochter und lebt abwechselnd in Berlin und Brandenburg. Seit 2016 berichtet sie in ihrem Online-Magazin „Viertel \ Vor” mit Spaß und Stil über verschiedene Aspekte von Klima- und Ressourcenschutz.

Nebenbei betreibt sie diverse Podiumsdiskussionen über Fair Fashion, Zero Waste, Verkehrswende, Minimalismus sowie verschiedene Podcasts. Außerdem berät Anna verschiedene Marken, Unternehmen sowie Medien. Des Weiteren konzipiert und bearbeitet sie Text- sowie Bewegtbildinhalte und schreibt unabhängig für diverse Magazine wie stern.de, Brigitte, Emotion, Couch und Grazia.