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Nachhaltig gefragt / 29. Juli 2020

Mikroplastik: Was es ist und wie es sich vermeiden lässt

Mikroplastik – dabei handelt es sich um kleinste Kunststoffpartikel. Enthalten sind sie in diversen Produkten, die uns den Alltag erleichtern sollen. Das Problem: Über verschiedene Quellen gelangen die Partikel in unsere Umwelt und damit auch direkt in unseren Ernährungskreislauf. Wir haben Nachhaltigkeits-Expertin Anna Schunck nach den wichtigsten Fakten zum Thema gefragt.

Hand hält Sieb mit Mikroplastikteilchen aus Gewässer

Über Anna Schunck

Nachhaltigkeits-Influencerin und Menschenfreundin

Porträt Anna Schunck
© Michi Schunck

Anna Schunck, geboren 1981, ist freie Journalistin, Moderatorin, Menschenfreundin und Expertin für Nachhaltigkeit. Seit 2016 berichtet sie auf ihrem Online-Magazin „Viertel \ Vor” mit Spaß und Stil über verschiedene Aspekte von Klima- und Ressourcenschutz. Nebenbei betreibt sie diverse Podiumsdiskussionen über Fair Fashion, Zero Waste, Verkehrswende, Minimalismus sowie verschiedene passende Podcasts. Außerdem berät Anna Marken, Unternehmen und Medien, konzipiert und bearbeitet Text- und Bewegtbild-Inhalte und schreibt unabhängig für Magazine wie stern.de, Brigitte, Emotion, Couch, Grazia und viele mehr. Anna hat eine Tochter und lebt abwechselnd in Berlin und Brandenburg.


Zum Interview

Wir alle nutzen täglich Plastik – welche Nachteile gibt es?

Klar, Plastik ist praktisch, das wissen wir alle – und nutzen es deshalb bewusst oder unbewusst jeden Tag. Nicht nur als Verpackung, sondern auch in Autos oder Computern zum Beispiel. Im Medizinbereich sind wir als Bestandteil von Herzschrittmachern und Co. sogar auf Kunststoff angewiesen. Er ist vielfältig einsetzbar, leicht und robust. Und: Plastik hält lange. Genau das ist, neben endlichen Ressourcen, aber leider auch das Problem.

Fast das gesamte Plastik, was jemals produziert wurde, existiert in irgendeiner Form noch heute. Auf Erdöl basierender Kunststoff und seine teils giftigen und hormonell wirksamen Bestandteile sind unglaublich langlebig. Als sogenanntes Mikroplastik schleichen sie sich über die Jahrzehnte in unseren Ernährungskreislauf ein. So nehmen wir laut einer aktuellen Studie des WWF über die Luft, das Wasser und über unsere Lebensmittel jede Woche durchschnittlich etwa fünf Gramm Plastik auf. Bildlich übersetzt heißt das: Wir könnten genauso gut alle sieben Tage eine Kreditkarte essen. Wir schaden also nicht „nur“ der Umwelt, sondern vermutlich auch uns selbst. Umso wichtiger, dass wir unseren (Mikro-)Plastikkonsum erkennen, überdenken – und verändern.

Was und wie groß genau ist dieses Mikroplastik?

Feste, wasserunlösliche Kunststoffpartikel, die fünf Millimeter und kleiner sind – das ist die Definition vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und dem Umweltbundesamt (UBA). Außerdem wird zwischen zwei Arten unterschieden. Die erste ist das für das menschliche Auge eher schwer erkennbare, primäre Mikroplastik, das beispielsweise aus dem Abrieb von Autoreifen, Sportplatz-Böden und Schuhsohlen entsteht. Zusätzlich wird es als feines Granulat oder filigranstes Pulver auch extra für Kosmetik- oder Reinigungsprodukte hergestellt. Die zweite Form ist das sekundäre, oft offensichtliche Mikroplastik, das sich aus alten, größeren Teilen entwickelt. Diese zersetzten Reste können wir mittlerweile oft am Strand oder im seichten Wasser sehen.

Klärwerke sind nicht in der Lage, die kleinen Mikroplastik-Partikel ausreichend aus dem Abwasser herauszufiltern. Laut Weltnaturschutzunion (IUCN), BUND und Heinrich-Böll-Stiftung gelangen jedes Jahr neben Unmengen von großem Kunststoffmüll auch 3,2 Millionen Tonnen Mikroplastik in die Umwelt, etwa 1,5 Millionen Tonnen davon in die Ozeane. Andere Quellen nennen noch höhere Werte. Seit einigen Jahren schon ist klar: Es gibt mehr Plastik in den Weltmeeren, als Plankton. Die Mikropartikel werden von Meeresorganismen aufgenommen, gelangen in Meeresfrüchte, Meersalz, Mineral- und Gießwasser – und sind aus dem Kreislauf nicht mehr zu entfernen. Die Verschmutzung von Böden und Binnengewässern ist je nach Umgebung zwischen vier- und 23-mal so hoch wie im Meer.

Mikroplastik beim Einkauf: In welchen Produkten finden wir es?

Besonders häufig eingesetzt wird Mikroplastik in scheuerndem oder polierendem Putzzeug und anderen Reinigungsmitteln. Aber auch Deo, Duschgel, Shampoo, Sonnencreme, Lipgloss, Rouge und Puder können Kunststoffe als unsichtbares Bindemittel enthalten. Darüber hinaus sind Massageperlen in Peelings und Zahnpasta oft aus Plastik. Im Gegensatz zu anderen Staaten wie England, Schweden, Neuseeland und den USA gibt es in Deutschland keine verbindlichen Gesetze dagegen – was es gibt, sind die Übersicht der Inhaltsstoffe und praktischerweise auch Siegel-Zertifizierungen für Produkte ohne Plastik.

Wie lässt sich Mikroplastik als Inhaltsstoff erkennen?

Mit der guten alten Formel: Umdrehen, hinsehen! Es hilft nichts. Um sicher zu gehen, müssen wir das Kleingedruckte checken. Hier gibt es eine Liste der synthetischen Polymere, die für Mikroplastik im Produkt stehen. Alternativ lässt sich mit den kostenlosen Smartphone-Apps „Code Check“ oder „Beat The Microbead“ direkt beim Einkaufen der Strichcode auf der Packung scannen und überprüfen. Noch einfacher machen es die Naturkosmetik-Zertifikate BDIH oder Natrue. Und seit kurzem gibt es dankenswerterweise auch im Einzelhandel sinnvolle Bemühungen, es den Kunden leichter zu machen: Kaufland zum Beispiel kennzeichnet alle entsprechenden Angebote der Eigenmarken-Produktpalette seit Februar 2020 mit dem Siegel „Rezeptur ohne Mikroplastik“, um Kunden eine bewusste Kaufentscheidung zu erleichtern.

Was kann jeder Einzelne zum Reduzieren von Mikroplastik tun?

Sich über all das bewusst werden. Wir sind nicht einfach nur Konsumenten, sondern können auch aktiv dazu beitragen, Lösungsansätze für mehr Nachhaltigkeit im Alltag und beim Einkauf voranzutreiben. Wir können nein sagen zu Plastiktüten und Einwegbechern. Wir können planen, was wir wirklich brauchen und so Geld und noch mehr Müll sparen. Wir können es uns leicht machen, indem wir zum Beispiel mit Zucker und Öl oder Kaffeesatz peelen, mit Essig oder Natron und Zitrone putzen. Wir können auf die besagten Siegel achten. Und wir sollten insbesondere Plastik ganz unbedingt richtig trennen und recyceln. Lasst uns damit anfangen! Jetzt.