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Kletterschuhe
Passende Kletterschuhe gehören zur unverzichtbaren Ausrüstung im Klettersport. Woran du einen guten Kletterschuh erkennst und was du beim Kauf beachten solltest, erfährst du in diesem Ratgeber.
1. Einsatzbereiche von Kletterschuhen
Der Klettersport erfreut sich großer Beliebtheit. Dies ist nicht verwunderlich, handelt es sich hierbei doch um einen vielseitigen Ganzkörpersport, der sowohl Kraft als auch Beweglichkeit voraussetzt und dem Sportler darüber hinaus Konzentrationsfähigkeit, Kreativität und Mut abverlangt.
Der sportliche Erfolg hängt dabei maßgeblich von den geeigneten Kletterschuhen ab. Schließlich sorgt das passende Schuhwerk für einen guten Grip an der Wand und für das notwendige Feingefühl in den Zehen. Sie sind insbesondere bei Kletterpartien auf kleinen Tritten und schmalen Leisten unverzichtbar.
Aus reiner Muskelkraft hinauf in luftige Höhen: Nur mit den richtigen Kletterschuhen wird der Trip in die Vertikale zu einem Erfolg. [Quelle: vitaliymateha – stock.adobe.com]
Welche Kletterschuhe die passenden sind, hängt dabei in erster Linie von der Art des Kletterns sowie dem persönlichen Erfahrungsgrad ab. So werden für anspruchsvolle Kletterrouten am Fels in der Regel andere Schuhe benötigt als für einen einfachen Boulder in der Halle.
- Alpinklettern: Klettern am Fels in alpinem Gelände mit einer Sicherung per Kletterseil. Alpine Klettertouren sind in der Regel in mehrere Seillängen unterteilt. Hier werden neben Kletterschuhen häufig zusätzlich Zustiegsschuhe benötigt.
- Sportklettern: Klettern in der Halle oder am Fels, bei dem die sportliche Leistung im Vordergrund steht. Je nach Ausformung mit oder ohne Seilsicherung; kürzere Routen als beim Alpinklettern (im Normalfall eine Seillänge).
- Bouldern: Unterart des Sportkletterns bei der auf Seil und Klettergurt verzichtet wird. Das Klettern erfolgt in Absprunghöhe, abgesichert durch spezielle Matten (Crashpads). Bouldern wird in Hallen und im Freien praktiziert.
- Eisklettern: Besteigen einer gefrorenen Wand. Hier wird Spezialausrüstung wie Steigeisen und Eispickel benötigt.
- Klettersteig: Auf einem Klettersteig wird sich an fest verankerten Sicherungspunkten wie Stahlseilen oder Leitern hochgearbeitet. Es handelt sich daher um einen Mix aus Wandern und kürzeren Kletterpartien. Hier sollten in der Regel keine Kletterschuhe, sondern Zustiegs- oder Klettersteigschuhe getragen werden. Bei schweren Klettersteigen kann es Sinn machen, zusätzlich Kletterschuhe für anspruchsvolle Passagen in der Vertikalen mitzuführen.
In der vielseitigen Welt des Klettersports ist für viele Geschmäcker etwas dabei. Die Entscheidung hinsichtlich der passenden Kletterausrüstung und hierbei insbesondere der Schuhe kann jedoch vor allem für Anfänger schwierig sein. Im Folgenden erfährst du, auf welche Aspekte du bei der Anschaffung von Kletterschuhen achten solltest.
2. Kaufkriterien
Der Schuh trägt beim Klettern maßgeblich zu einem sicheren Stand und gutem Halt an der Wand bei. Ist der Kletterschuh zu groß oder passt die Sohle nicht zum Untergrund, ist häufig ein Abrutschen die Folge. Du solltest beim Kauf von daher insbesondere darauf achten, dass der Schuh gut sitzt und zu deinem sportlichen Vorhaben passt. Worauf es bei der Auswahl sonst noch zu achten gilt, erfährst du in den folgenden Kapiteln.
2.1 Passform
Je kleiner, desto besser: Diese Formel wird häufig angewendet, wenn es um die richtige Passform von Kletterschuhen geht. Kletterschuhe sollten eng anliegen, denn nur so können ein guter Halt, eine ideale Kraftübertragung sowie eine ausreichende Sensibilität für den Untergrund gewährleistet werden. Du kannst Schuhe zum Klettern daher häufig 1,5 bis zwei Größen kleiner als deine normale Straßenschuh-Größe wählen. Wie ein Kletterschuh ausfällt, ist von Hersteller zu Hersteller verschieden. Es kann daher zielführend sein, vor dem Kauf verschiedene Marken zu testen, um die ideale Passform für dich zu finden.
Hierbei solltest du allerdings berücksichtigen, dass sich Kletterschuhe je nach Obermaterial im Laufe der Zeit mehr oder weniger stark weiten. Daher macht es Sinn, beim Kauf die spätere Weitung bereits zu bedenken und zu Beginn eine besonders enge Passform in Kauf zu nehmen, um nach mehreren Einsätzen schließlich den idealen Sitz zu erreichen.
Damit an der Wand jeder Tritt sitzt, kommt es auf die richtige Fußtechnik an – und auf die passenden Kletterschuhe. [Quelle: vitaliymateha – stock.adobe.com]
Das Tragen von Kletterschuhen wird gemeinhin als unbequem beschrieben, es empfiehlt sich daher, die Schuhe in Pausen regelmäßig auszuziehen. Bereiten dir die Kletterschuhe jedoch bereits nach kurzer Zeit deutliche Schmerzen oder Druckstellen, sind sie unter Umständen zu klein gewählt. Ein zu enger Schuh kann die sportliche Leistung deutlich mindern und Verletzungen an den Füßen begünstigen.
2.2 Obermaterial
Hinsichtlich des Obermaterials lassen sich Kletterschuhe in zwei Kategorien unterteilen: Synthetik- und Ledermodelle. Jede Variante hat eigene Vor- und Nachteile, wie du den folgenden Tabellen entnehmen kannst.
Kletterschuhe aus Leder
Vorteile
- sehr strapazierfähig
- vergleichsweise atmungsaktiv (Vorteil bei ausgeprägter Schweißneigung)
- angenehmes Tragegefühl
Nachteile
- nicht vegan
- dehnt sich nach mehrmaligem Tragen (Unterschied von 1,5 bis 2 Schuhgrößen möglich)
Kletterschuhe aus Synthetik-Material
Vorteile
- Material dehnt sich nicht deutlich (in der Regel maximal 0,5 Schuhgrößen)
- auch als vegane Variante erhältlich
Nachteile
- häufig größere Schweißbildung
- Geruchsbildung aufgrund geringerer Atmungsaktivität ausgeprägter
Nicht alle Synthetikschuhe sind vegan, da bei der Herstellung häufig Klebstoff mit tierischen Bestandteilen genutzt wird. Bei veganen Kletterschuhen wird hingegen bei allen Teilen des Schuhs auf Produkte tierischen Ursprungs verzichtet. Diese Modelle sind als vegan gekennzeichnet.
2.3 Sohle
Weich oder hart – das ist die zentrale Frage, wenn es um die Sohle von Kletterschuhen geht. Welche Variante passend ist, lässt sich dabei zumeist grob an folgender Faustregel ableiten:
- Weiche Sohlen bieten einen besonders guten Grip: Ideal für steile Routen etwa bei der Plattenkletterei; einer Unterart des Alpin-Kletterns.
- Harte Sohlen gewähren Stabilität im Vorderfuß und ermöglichen präzisen Antreten: Perfekt, um in der Senkrechten auch auf kleinsten Tritten am Fels zu bestehen.
Du benötigst für die Halle im Grunde keinen besonderen Schuh, da die Anforderungen an die Fußtechnik auf Klettersteinen häufig geringer sind als am Fels. Da sich die Sohle in der Halle jedoch schnell abnutzen kann, ist hier unter Umständen ein Modell mit verstärkter Sohle eine gute Wahl. Manche Schuhmodelle verfügen zudem über eine farbige Zwischensohle, um den Grad der Abnutzung ersichtlich zu machen.
Je nach Klettertechnik solltest du auch auf die Gummierung der Sohle achten: Für Spezialtechniken wie den häufig angewandten Heel Hook (das Verhaken der Ferse an einer Kante oder einem Griff) benötigst du einen Schuh mit gummiertem Fersenbereich.
2.4 Verschluss
Kletterschuhe sind als
- Schnürschuhe,
- Modelle mit Klettverschluss und
- Slipper
erhältlich. Für welches Verschlusssystem du dich entscheiden solltest, ist nicht zuletzt deinen persönlichen Vorlieben geschuldet. Es gibt jedoch Aspekte, die für und gegen eine bestimmte Verschlussart sprechen.
| Schnürschuhe | Schuhe mit Klettverschluss | Slipper |
|---|---|---|
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| Kletterschuhe mit Schnürung bieten einen hervorragenden Kraftanschluss und können sehr gut auf den Fuß abgestimmt werden. Du benötigst für das An- und Ausziehen jedoch mehr Zeit und – insbesondere dann relevant, wenn du die Schuhe an der Wand wechseln willst – beide Hände. | Schuhe mit Klettverschluss bieten ebenfalls einen guten Sitz und sind schnell an und ausgezogen, können jedoch keine gleichwertige Stabilität am Fuß gewähren wie Schnürmodelle. | Slipper sind immer dann eine gute Wahl, wenn die Kletterschuhe sehr häufig an- und ausgezogen werden sollen – dies ist etwa häufig beim Bouldern der Fall. In der Regel musst du bei dieser Variante jedoch Abstriche hinsichtlich der Stabilität und Passgenauigkeit machen. |
Kletterschuhe verfügen in der Regel über eine Anziehschlaufe, die das Überziehen erleichtert. An dieser kann der Schuh zudem an einem Karabiner befestigt und am Körper mitgeführt werden.
2.5 Konstruktion
Vorspannung, Downturn und Asymmetrie: Wenn du einen Kletterschuh kaufen möchtest, solltest du wissen, was es mit diesen Begriffen auf sich hat, denn sie sagen etwas darüber aus, wie der Schuh aufgebaut ist, wie er am Fuß sitzt und wie die Kraftübertragung zwischen Fuß und Untergrund ausfällt.
Falls du dir unsicher bist, findest du hier die Erklärung:
- Vorspannung: Spannung, die mit einem Gummizug an der Ferse im Schuh aufgebaut wird. Einen stark vorgespannten Schuh erkennst du daran, dass die Rückenpartie nach vorne gezogen ist. Kletterschuhe mit starker Vorspannung sind ideal, um viel Kraft im Vorderfuß zu erzeugen.
- Downturn: Bei einem Kletterschuh mit Downturn ist der Vorderfußbereich nach unten gerichtet. Dies erleichtert das Anziehen des Fußes in einem Areal mit Überhang.
- Asymmetrie: Der Begriff Asymmetrie beschreibt, wie stark die Sohle eines Kletterschuhs seitlich gebogen ist. Diese Biegung führt dazu, dass die Zehen Richtung Fußspitze gedrückt werden. Dies ermöglicht ein präzises Antreten kleinerer Tritte, da der Druck besser auf einen Punkt konzentriert werden kann.
Kletterschuhe mit Downturn
2.6 Kletterschuhe für Damen und für Herren
Kletterschuhe für Damen unterscheiden sich nicht wesentlich von Herrenmodellen. Häufig findest du Kletterschuhe in einer großen Bandbreite an Größen, sodass sie sowohl von Herren als auch von Damen getragen werden können (Unisex-Modelle).
Einige Hersteller führen jedoch auch spezielle Damenschuhe zum Klettern, die in kleinen Größen erhältlich sind und eine schmalere Passform aufweisen.
Kletterschuhe sind häufig als Unisex-Variante erhältlich, die für Herren und Damen passend sind. [Quelle: xartproduction – stock.adobe.com]
2.7 Bekannte Marken
In der Welt der Kletterschuhe gibt es eine Vielzahl verschiedener Hersteller, die für Qualität und Performance stehen. Diese solltest du kennen:
3. Beratung: Kletterschuhe für Anfänger
Du fragst dich, welche Kletterschuhe für Anfänger geeignet sind? Diese Punkte bieten dir beim Kauf deiner ersten Kletterschuhe Orientierung:
- Setze auf einen Schuh aus dem mittleren Preissegment: Wenn du erst mit dem Klettersport anfängst, musst du nicht sofort auf ein teures Spezialmodell zurückgreifen. Ein Allzweckschuh zu einem moderaten Preis ist häufig ausreichend. Dies ist zudem sinnvoll, da viele Kletteranfänger hauptsächlich in der Halle trainieren und daher von einem schnellen Verschleiß des Schuhwerks auszugehen ist.
- Wähle ein Modell ohne Downturn und starke Vorspannung: Zu Beginn einer Kletterkarriere ist es wichtig, viele unterschiedliche Routenarten und Kletterstile kennenzulernen. Ein Schuh für einen speziellen Untergrund ist hier meist noch nicht notwendig. Besser ist ein Kletterschuh mit gerader Sohle.
- Achte darauf, dass der Schuh eng sitzt, aber keine Druckstellen erzeugt: Drückt der Schuh an einer Stelle unangenehm oder löst beim Tragen bereits nach kurzer Zeit Schmerzen aus, ist er nicht der richtige für dich. Ein allgemeines Engegefühl ist hingegen bei Kletterschuhen normal.
Aller Anfang ist schwer: Kletteranfänger machen ihre ersten Versuche in der Vertikalen häufig in der Halle. [Quelle: DragonImages – stock.adobe.com]
4. FAQ
Wie finde ich die richtigen Kletterschuhe?
Welche Kletterschuhe für dich geeignet sind, hängt davon ab, in welchem Gelände und auf welchem Niveau du kletterst. Während Einsteiger zu einem preisgünstigen Modell mit gerader Sohle greifen können, lohnt es sich für Fortgeschrittene den Kletterschuh an ihr Klettervorhaben anzupassen. Soll etwa in sehr steilem Gelände geklettert werden, kann ein Kletterschuh mit Downturn Sinn machen.
Welche Kletterschuhe benötige ich zum Bouldern?
Es gibt keine speziellen Boulderschuhe. Entscheidend ist, in welchem Stil und auf welchem Niveau der Sport betrieben wird. Für Fortgeschrittene, die auch auf kleinsten Tritten Halt finden möchten, kann ein Schuh mit Vorspannung sinnvoll sein. Allgemein lässt sich darüber hinaus sagen, dass sich Kletterschuhe in der Halle schneller abnutzen. Möchtest du häufig in der Boulderhalle klettern, kann es daher sinnvoll sein, auf ein Modell mit verstärkter Zehenpartie zurückzugreifen. Da viele Boulderer ihre Schuhe nach jeder Route ausziehen, bietet sich zudem ein Modell mit Klettverschluss oder Slipper an.
Wie eng sollten Kletterschuhe sitzen?
Kletterschuhe sollten so eng am Fuß sitzen, dass keine Luftbereiche frei bleiben. Diese schmälern die Empfindsamkeit des Fußes für den Untergrund und erschweren es, Tritte präzise anzutreten. Zu eng sollten die Schuhe jedoch auch nicht ausfallen. Hast du bereits nach kurzer Zeit Schmerzen oder bilden sich beim Tragen Druckstellen, sind die Schuhe zu eng.
Wie sehr weiten sich Kletterschuhe?
Wie sehr sich Kletterschuhe weiten, ist vom Obermaterial abhängig. Lederschuhe können sich bis zu zwei Schuhgrößen weiten. Synthetikmodelle werden durch regelmäßiges Tragen häufig nur bis zu 0,5 Schuhgrößen größer.

























