
Alles über Fullys
Für lange und anspruchsvolle Touren bietet sich ein besonderer Mountainbiketyp an – das sogenannte Fully. Dieses Offroad-Bike besitzt neben einer Federgabel auch eine Hinterraddämpfung. Welche Vorteile ein vollgefedertes Rad bietet und was Sie beim Kauf beachten müssen, erklären wir Ihnen im folgenden Ratgeber.
1. Was ist ein Fully
Weist ein Mountainbike zusätzlich zur Federgabel eine Hinterbaudämpfung auf, dann handelt es sich um ein vollgefedertes Mountainbike. Umgangssprachlich wird es Fully genannt (von englisch „full suspension“). So unterscheidet es sich maßgeblich von einem Hardtail, welches sich durch einen starren Rahmen auszeichnet.
Fullys sind zudem als E-Bike und als Fatbike erhältlich. Das Fatbike besitzt noch breitere und grobstolligere Reifen als ein normales Mountainbike, und lässt sich somit ideal auf Schnee oder Matsch fahren.
Von links nach rechts: Fully Mountainbike mit Hinterraddämpfung, Reifen eines Fatbikes, Fully als E-Bike
2. Die Dämpfung
Die Hinterradfederung funktioniert im Wesentlichen genauso wie die Federgabel. Während sich an der Federgabel die Lenkung und das Vorderrad befinden, ist die Hinterbaudämpfung am hinteren Rahmenteil platziert. Beide Komponenten besitzen sowohl Federung als auch Dämpfung und sind dafür zuständig Erschütterungen auf unwegsamen Gelände abzudämpfen. Schläge und Stöße werden somit nicht an den Fahrer weitergegeben, wodurch das Rad sicher und stabil in der Spur bleibt.
Damit der optimale Grad der Dämpfung eingestellt werden kann, gibt es häufig mindestens drei Einstellungen, die Sie am Dämpfer vornehmen können: Luftdruck, Druckstufe und Zugstufe.
Mithilfe einer Dämpferpumpe kann der Luftdruck auf das Gewicht des Fahrers angepasst werden. So verkürzt sich die Federung dementsprechend bei Unebenheiten. Wie weit sie sich maximal einfedert, gibt der Federweg an. Je mehr Federweg gegeben ist, desto gröbere Schläge und Stöße werden abgedämpft.
Bei Erschütterungen reagiert die Feder auf Druck. Mit der Druckstufe kann deshalb die Härte der Einfederung eingestellt werden. Sie sollte so weich wie möglich aber so hart wie nötig eingestellt sein.
Mit der Druckstufe wird die Geschwindigkeit des Ausfederns der Federelemente reguliert. Wenn die Einstellung ausgeschaltet ist, schnellt die zusammengepresste Feder nach der Druckbelastung mit voller Wucht wieder aus. Das kann zum Verlust der Fahrstabilität und Bodenhaftung (Traktion) führen, sodass unter Umständen das Rad beginnt unkontrolliert zu wippen. Ist die Feder zu träge eingestellt, kann sie auf Erschütterungen nicht ideal reagieren. Die Einstellsschraube für die Zugstufe ist bei vielen Herstellern mit rot oder blau gekennzeichnet.
Bei der Abstimmung des Fahrwerks ist es wichtig, dass die Einstellungen zu Luftdruck, Druckstufe und Zugstufe aufeinander abgestimmt sind. Auch die Federgabel und der Rahmendämpfer sollten miteinander harmonieren.
Von links nach rechts: Mountainbike Federgabel, Hinterraddämpfer, eingebaute Hinterradfederung bei einem Fully-MTB
3. Einsatzgebiete und Vorteile
Ein Fully wird vorzugsweise auf mittlerem bis schwerem Terrain gefahren und bietet Ihnen einige Vorteile gegenüber einem Mountainbike mit starren Rahmen. Wo die Stärken des Fullys liegen, haben wir Ihnen im Folgenden zusammengetragen:
- Bessere Traktion des Hinterrads durch die Hinterbaufederung bei Bergauffahrten
- Höhere Kontrolle und Stabilität bei tiefen Schlaglöchern oder Stößen
- Gelenk- und Rückenschonend
- Komfortabel bei langen Touren
- Bei sehr anspruchsvollen Fahrten (Freeride, Downhill, Enduro) sind Sprünge möglich
- Hohe Geschwindigkeiten erreichbar, da Erschütterungen besser absorbiert werden
Tragen Sie zu Ihrer eigenen Sicherheit immer einen Helm beim Fahrradfahren. Das beugt Verletzungen bei Unfällen vor. Sollten Sie auf schwierigem Terrain oder steilen Bergabfahrten unterwegs sein, empfehlen wir Ihnen zusätzlich entsprechende Protektoren zu tragen.
4. Kaufaspekte
Bevor Sie sich für ein vollgefedertes Mountainbike entscheiden, sollten Sie auf einige Aspekte achten:
Die Rahmen eines Mountainbikes können aus unterschiedlichen Werkstoffen bestehen. Sie haben häufig die Wahl zwischen Aluminium, Stahl, Carbon und Titan. Die verschiedenen Materialien unterscheiden sich in Bezug auf (Bruch-)Festigkeit, Elastizität, Gewicht, Steifigkeit und Korrosionseigenschaften voneinander.
Es gibt im Wesentlichen zwei Bremssysteme bei Mountainbikes: Felgen- oder Scheibenbremsen. Während die Scheibenbremse eine auf der Radnabe aufgebrachte Scheibe abbremsen, sitzen die Bremsklötze der Felgenbremse direkt an der Radfelge, die sie stoppen.
Sie haben die Wahl zwischen einem Plattformsystem, bei dem der Schuh beim Treten einfach auf der Oberfläche des Pedals aufliegt, und einem Klicksystem. Bei Klickpedalen verfügt ein speziller Fahrradschuh über eine an der Sohle befestigte Platte (Cleat), mit der Sie die Sohle in eine Bindung auf dem Pedal einklicken können. Der Schuh ist dann fest mit dem Pedal verbunden, sodass Sie nicht nur die Tritt- sondern auch die Zugkraft nutzen.
Bei einem Mountainbike möchten Sie in der Regel so viele Gänge wie möglich fahren können. Dabei können Sie zwischen einer Kettenschaltung wählen, die Ihnen bis zu 33 verschiedene Gänge bietet, und einer Nabengangschaltung, die bis zu 14 Gänge bereithält.
Mountainbikeräder sind grundsätzlich mit drei verschiedenen Laufradgröße verfügbar: 26 Zoll, 27,5 Zoll und 29 Zoll (Twentyniner). Während größere Räder stabile und ruhige Fahreigenschaften bieten, sind kleine Räder wendiger.
Sie finden ausführliche Informationen zu den verschiedenen Komponenten wie Rahmenmaterialien, Sättel, Pedale, Bremsen, Laufräder und Gangschaltung in unserem Mountainbikeratgeber.
5. FAQ
Wieso sollte ich mich für ein Fully entscheiden?
Letztlich hängt diese Entscheidung von Ihrem Einsatzzweck und den persönlichen Vorlieben ab. Wenn Sie lange und anspruchsvolle Touren fahren und dabei Wert auf Komfort legen, ist ein vollgefedertes Mountainbike eine gute Wahl. Es ist bei Erschütterungen schonend für Gelenke und Rücken, weil es durch die doppelte Federung Schläge und Stöße besser absorbiert. Auch für Downhill, Freeride oder Enduro bietet sich ein Fully an.
Warum brauche ich viele Gänge beim Mountainbikefahren?
Gerade bei Bergauffahrten kann Ihnen eine große Gangvielfalt helfen. Die Abstufungen zwischen den Gängen sind dabei wesentlich feiner und ermöglichen Ihnen auch bei extrem steilen Auffahrten eine angenehme Trittfrequenz.
Kann ich ein vollgefedertes Mountainbike auch auf ebenem Gelände fahren?
Da sich die Dämpfer in den meisten Fällen vollständig sperren lassen, ist das Fahren auf flachem Terrain genauso möglich wie bei einem Hardtail mit starrem Rahmen.










































