
Allwetterreifen
Der halbjährliche Reifenwechsel ist vielen Menschen lästig: Während der Nichtbenutzung müssen Sommer- beziehungsweise Winterreifen eingelagert werden und es fallen Kosten für den Austausch an. Eine gute Alternative sind Allwetterreifen, die das ganze Jahr auf den Felgen bleiben dürfen. Wir informieren Sie über die Vorteile von Ganzjahresreifen und verraten Ihnen, was Sie im Winter beachten müssen.
1. Vorteile von Ganzjahresreifen
Allwetterreifen sind ideal, wenn Sie nur kurze Strecken fahren.
Allwetterreifen sind eine Mischung aus Winter- und Sommerreifen. Der größte Vorteil ist der günstige Preis: Statt zwei kompletten Reifensätzen müssen Sie nur vier Reifen erwerben.
Weitere Vorteile
- Gute Fahreigenschaften
- Reifen muss nur bei Abnutzung gewechselt werden (etwa 35.000 bis 50.000 Kilometer Laufzeit)
- Lagerkosten entfallen
- Keine Kosten für den Reifenwechsel in der Werkstatt
- Kalibrierung der Reifendrucksensoren entfällt (bei Autos mit Reifendruckkontrollsystem)
Allerdings sind Allwetterreifen immer eine Kompromisslösung, sodass sich bei extremen winterlichen Temperaturen die Bodenhaftung verschlechtern kann.
Gründe für die guten Fahreigenschaften sowohl im Sommer als auch im Winter sind die besondere Profilstruktur und die Materialmischung. Das Gummi besitzt eine mittlere Härte, sodass sich der Reifen auf verschiedene Temperaturen einstellen kann. Dabei weist ein Allwetterreifen unterschiedliche Profilarten auf: Die speziellen Lamellen, die sich bei Winterreifen über die gesamte Fläche verteilen, finden sich bei Ganzjahresreifen nur im mittleren Teil der Fläche. Dadurch lässt die Effizienz bei stark vereister oder verschneiter Straße merklich nach. Zudem ist das Material deutlich weicher als bei Sommerreifen, sodass sich ein längerer Bremsweg ergibt – egal bei welcher Witterung. Außerdem transportieren Allwetterreifen weniger Wasser ab, sodass es bei starkem Regen Probleme mit Aquaplaning geben kann.
Anhand der folgenden Abbildung lassen sich die Unterschiede zwischen den verschiedenen Reifentypen erkennen:
Profilvergleich: Sommerreifen – Winterreifen – Ganzjahresreifen
Ganzjahresreifen eignen sich vor allem dann, wenn Sie…
- … hauptsächlich in Großstädten fahren, in denen die Straßen auch im Winter gut geräumt sind.
- … in einer Gegend wohnen, in der es nur selten schneit.
- … Gelegenheitsfahrer sind.
Aufgrund des weichen Gummis, verschleißen Ganzjahresreifen recht schnell. Für Vielfahrer eignen sie sich deswegen weniger.
2. Allwetterreifen im Winter
Laut geltendem Straßenverkehrsrecht besteht im Winter die Pflicht, das Auto mit Reifen auszustatten, die auf winterliche Straßenverhältnisse ausgelegt sind. Dazu zählen beispielsweise Glatteis, Schneematsch und Schneeglätte.
Wer im Winter mit Sommerreifen fährt, muss mit Strafen bis zu 120 Euro und einem Punkt in Flensburg rechnen.
Aus rechtlicher Perspektive sind Allwetterreifen Winterreifen gleichgestellt. Voraussetzung ist jedoch, dass die Anforderungen im Rahmen der Winterreifenpflicht eingehalten werden: Allwetterreifen müssen den Aufdruck M+S (oder in einer Variante: M*S, M&S) aufweisen. Die Kennzeichnung steht für Mud and Snow (deutsch: Matsch und Schnee) und garantiert eine gute Haftung des Reifens auch bei winterlichen Wetterbedingungen.

Schneeflockensymbol (Bergpiktogramm)
Damit ein Ganzjahresreifen als Winterreifen gilt, muss er neben dem M+S Kennzeichen auch das Alpine-Symbol besitzen. Reifen mit diesem Piktogramm durchlaufen einen Bremstest auf Schnee. In Zukunft soll das Schneeflockensymbol die M+S Kennzeichnung ablösen, da zweitere nicht rechtlich geschützt ist.
In Österreich gilt eine weitaus schärfere Winterreifenpflicht als in Deutschland. Zwar sind Ganzjahresreifen mit der entsprechenden Kennzeichnung (M+S, Schneeflockensymbol) erlaubt, die Profiltiefe muss dabei aber mindestens noch vier Millimeter aufweisen (Deutschland: 1,6 Millimeter). Informieren Sie sich zusätzlich über die Schneekettenregelung.
Ganzjahresreifen sind am weitesten verbreitet in Regionen, in denen keine allzu hohen Klimaveränderungen im Laufe des Jahres zu erwarten sind. In schneereichen Gebieten raten wir Ihnen vom Gebrauch von Allwetterreifen ab.
3. Reifenkauf – Kennzahlenentschlüsselung
Bevor Sie sich für einen Allwetterreifen entscheiden, sollten Sie sicherstellen, dass dieser auch auf Ihr Auto passt. Genauere Auskunft über den Reifen gibt die folgende Kennzeichnung:
Kennzahlen eines Allwetterreifens
Nennbreite
Die erste Zahl gibt die Breite des Reifens in Millimeter an. Standard-Reifen für PKWs reichen von 125 Millimetern bis hin zu 325 Millimetern. Die richtige Reifenbreite ist abhängig vom Fahrzeugtyp und den Felgen. Auskunft über die zulässige Nennbreite eines Allwetterreifens erhalten Sie über die Typschlüsselnummer oder den Herstellerschlüssel.
Höhen-Breiten-Verhältnis
Der Querschnitt beschreibt das Verhältnis zwischen Nennbreite und Flankenhöhe in Prozent. Mit zunehmender Reifenbreite nimmt das Verhältnis ab.
Reifenbauart
Der Buchstabe gibt Auskunft über die Bauweise des Reifens. Es ist nicht gestattet, Reifen unterschiedlicher Bauarten an ein Fahrzeug zu montieren.
| R | Radial |
|---|---|
| RF | Run-Flat (Notlaufreifen) |
| D | Diagonal |
Felgen-Nenndurchmesser
Die Zahl hinter der Angabe der Reifenbauart bezeichnet den Durchmesser der Felge in Zoll. Gemessen wird dabei von Felgenrand zu Felgenrand.
Tragfähigkeitskennzahl
Der Lastindex kennzeichnet die Belastbarkeit des Ganzjahresreifens. Dieser ist vom vorgegebenen Luftdruck abhängig, sodass dessen Minderung auch zu einer Verringerung der Reifentragfähigkeit führt. Zudem gibt der Lastindex das maximale Gewicht an.
Ausgewählte Kennzahlen und die entsprechende Last in kg
| 67 | 325 |
|---|---|
| 71 | 345 |
| 79 | 437 |
| 83 | 487 |
| 114 | 1.180 |
Maximale Geschwindigkeit
Der letzte Buchstabe kennzeichnet den Speedindex des Reifens. Wird die zulässige Geschwindigkeit überschritten, verschlechtert sich die Tragfähigkeit des Reifens prozentual.
Ausgewählte Geschwindigkeitssymbole und die maximale Geschwindigkeit in km/h
| Q | 160 |
|---|---|
| S | 180 |
| U | 210 |
| H | 210 |
| W | 270 |
Weitere Kennzahlen/Abkürzungen:
UTQG (Uniform Tire Quality Grade)
Diese Abkürzung gibt Aufschluss über die Qualität des Reifens, die Bodenhaftung auf nasser Fahrbahn, den Erwärmungswiderstand und die Verschleißgeschwindigkeit.
Herstellerinformationen
Auf der Außenseite des Reifens befindet sich eine DOT-Nummer, die den Monat und das Jahr der Herstellung angibt.
Reifenlabel der EU
Alle ab 2012 in der europäischen Union produzierten Reifen weisen ein Energielabel auf, welches Informationen zur Kraftstoffeffizienz, Nasshaftung und zum externen Rollgeräusch (in Dezibel) liefert.
Eine detaillierte Beschreibung aller wichtigen Merkmale, die bei der Anschaffung eines Reifens eine Rolle spielen, finden Sie in unserem Reifenratgeber.
4. FAQ
Sind Allwetterreifen genauso gut wie Winterreifen?
Nein. Zwar erreichen die meisten Ganzjahresreifen in einschlägigen Untersuchungen durchweg gute Ergebnisse, die Fahreigenschaften von Winterreifen erreichen sie jedoch nicht. Da das Profil bei Allwetterreifen von weniger Lamellen durchzogen ist als bei speziellen Reifen für den Winter, ist die Bodenhaftung schlechter. Das ist vor allem bei starker Glätte und Schneefall problematisch.
Was sind die Vorteile von Ganzjahresreifen?
Die Anschaffung von vier Allwetterreifen ist preiswerter als der Kauf zweier Bereifungssets. Zudem entfällt der lästige halbjährliche Reifenwechsel, der nicht selten auch mit Kosten verbunden ist.
Wie lange halten Allwetterreifen?
Da das Gummi eines Ganzjahresreifens recht weich ist, nutzen sich diese verhältnismäßig schnell ab. Die Lebensdauer eines solchen Reifens liegt bei etwa 35.000 bis maximal 50.000 Kilometern.
Gilt der Versicherungsschutz auch beim Fahren mit Ganzjahresreifen?
Allwetterreifen mit M+S sowie dem Schneeflockensymbol gelten rechtlich als Winterreifen. Von daher gilt im Falle eines Unfalles der Versicherungsschutz.




































