
Der große Kompressor-Ratgeber
Druckluftkompressoren machen zahlreiche Arbeiten auf der Baustelle, in der Garage und bei Reinigungsarbeiten einfacher. So eignen sich die Geräte nicht nur für Aufpumparbeiten, sondern können auch an unterschiedliche Druckluftwerkzeuge angeschlossen werden, welche die Leistung herkömmlicher Elektrowerkzeuge übertreffen. Da für die verschiedenen Aufgabenbereiche entsprechende Kompressor-Modelle angeboten werden, erfahren Sie in diesem Ratgeber, welches Gerät Ihren Bedürfnissen am ehesten entspricht. Dazu erklären wir Ihnen die grundlegenden Eigenschaften und mögliche Unterschiede zwischen den Ausführungen.
1. Verwendungszwecke von Kompressoren
Kompressoren sind Maschinen, die das Volumen von Gasen verkleinern und in verdichtetem Zustand im Druckluftbehälter speichern. Wird die Luft ausgegeben, geschieht dies unter einer hohen Abgabe von Energie, mit der beispielsweise zum Antrieb von Werkzeugen verwendet werden kann. Daher stellen Kompressoren wichtige Maschinen für die Baustelle, die Werkstatt und für Reinigungszwecke dar.
Ein handelsüblicher Kompressor
1.1 Baustelle
Besonders beim Innenausbau von Häusern werden Kompressoren häufig eingesetzt. Hier wird die entstehende Kraft für Druckluftnagler und Drucklufttacker genutzt, um Elemente mit Nägeln und Klammern zu fixieren. Auch Meißelhämmer, die der Bearbeitung von Wänden und Böden dienen, werden mit Druckluft betrieben.
1.2 Werkstatt
Mechaniker können die Kraft eines Kompressors für ihre Zwecke einsetzen: Beispielsweise zum schnellen Lösen und Anbringen von Radmuttern beim Reifenwechsel. Mit entsprechenden Aufsätzen kann zudem der Reifendruck getestet und gegebenenfalls verändert werden. Bei Lackierarbeiten sorgt der Luftdruck für die gleichmäßige Ausgabe des Lacks. Selbstverständlich eignen sich Kompressoren auch für sämtliche Aufpumparbeiten von Reifen bis hin zu Wasserspielzeugen und Luftmatratzen.
1.3 Reinigung
Mit einem Hochdruckreiniger ersparen Sie sich enormen Kraftaufwand bei Reinigungsarbeiten. Im Garten wird der hohe Druck beispielsweise auf der Terrasse zum Entfernen von Ablagerungen verwendet. Auch beim Autowaschen dient der Hochdruckreiniger dazu, festsitzenden Schmutz zu entfernen. Mit einem Sandstrahler gelingt selbst das Lösen extrem hartnäckiger Beläge wie Farbe oder Rost. Im Haushalt wird der Luftdruck zum Ausblasen von Staub an schwer erreichbaren Stellen verwendet.
Mit einem Wasserstrahler-Aufsatz verwandeln Sie Ihren Kompressor zu einem Hochdruckreiniger.
2. Kompressoren – mit und ohne Öl
Bei Arbeiten mit einem Kompressor spielt es eine wesentliche Rolle, ob Sie ein Gerät mit oder ohne Ölschmierung verwenden. So wirkt sich diese Eigenschaft erheblich auf die Leistung des Geräts und die damit verbundenen Einsatzbereiche aus.
2.1 Kompressoren ohne Öl
Ölfreie Kompressoren bieten im Gegensatz zu ölgeschmierten Geräten einige Vorteile, sind allerdings nur für bestimmte Arbeiten geeignet. So fallen ölfreie Kompressoren wartungsarm aus, da der jährliche Ölwechsel wegfällt. Außerdem gelangt bei diesen Modellen kein Öl in die ausgegebene Druckluft, wie es bei Geräten mit Schmierung der Fall ist. Weil die Substanz Lacke verfälscht und die Hafteigenschaften beeinträchtigen kann, sind Kompressoren ohne Schmierung daher besonders gut für Lackierarbeiten geeignet.
Nachteilig wirkt sich hingegen der hohe Verschleiß der Geräte aus. Aufgrund der fehlenden Schmierung entstehen mehr Reibung und Hitze, welche die Leistung (Liefermenge) und Lebensdauer beeinträchtigen. So bringen ölfreie Geräte generell weniger Drehzahlen und damit eine geringere Ausgabeleistung auf als ölgeschmierte Geräte. Werte ab 200 Litern pro Minute, die beispielsweise für Bohrer oder Tacker benötigt werden, erreichen nur sehr teure Geräte.
Ideale Aufgaben für ölfreie Kompressoren:
- Lackierarbeiten
- Aufpumparbeiten
- Sandstrahlen
- Airbrushen
2.2 Kompressoren mit Öl
Diese Modelle weisen aufgrund der Ölschmierung einen vergleichsweise geringen Verschleiß sowie eine lange Lebensdauer auf und ermöglichen eine höhere Ausgabeleistung von rund 200 Litern pro Minute und mehr: Genug Druck, um Werkzeuge wie Schlagschrauber, Bohrmaschine oder Tacker zu betreiben.
Ölbetriebene Kompressoren weisen generell eine längere Lebenszeit auf als Geräte ohne Öl.
Um einen ordnungsgemäßen Betrieb zu gewährleisten, sollte das Gerät regelmäßig gewartet werden, wozu die Überprüfung des Ölstandes und der Ölwechsel gehören. Da durch das Schmiermittel Schmutz entsteht, fallen außerdem eine regelmäßige Reinigung des Kompressors und das Ablassen des Ölkondensats an, welches während des Betriebs als Abfallprodukt entsteht.
Bei dem entstehenden Kondensat handelt es sich um Sondermüll, weshalb es nicht im Restmüll entsorgt werden darf.
Ideale Aufgaben für ölbetriebene Kompressoren:
- Für den Einsatz von schlagenden und drehenden Werkzeugen
2.3 Kompressoren Vergleich
Ölfreie und ölbetriebene Kompressoren im Vergleich:
| Ölfreier Kompressor | Ölbetriebener Kompressor | |
|---|---|---|
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| Leistung | 100- 200 l/min | ca. 300 l/min. |
| Geeignete Arbeiten | Lackier- und Aufpumparbeiten | Für Hochdruck-Werkzeuge |
| Pflege und Wartung | Wartungsfrei | Ölstand prüfen, Öl wechseln, Dichtungen und Ventile regelmäßig reinigen, Öl-Kondensat entleeren |
3. Ausschlaggebende Kennzahlen
Die Leistung eines Kompressors lässt sich durch das Volumen des Druckluftbehälters, die Ansaugleistung sowie die Abgabeleistung bestimmen. In diesem Kapitel erfahren Sie, was diese Werte aussagen.
3.1 Fassungsvermögen
Neben der Leistung eines Kompressors spielt die Größe des Druckluftbehälters eine ausschlaggebende Rolle. Grundsätzlich gilt: Je größer der Behälter, desto mehr Luft kann verdichtet werden und desto länger hält der Druckluft-Vorrat ohne Zuschaltung des Verdichters. Zudem steigt die Liefermenge, also der ausgehende Druck, mit der Größe des Behälters. Möchten Sie Werkzeuge mit dem Kompressor betreiben, sollten Sie sich für einen möglichst großen Druckluftbehälter entscheiden.
Kleine Druckbehälter eignen sich für den portablen Einsatz. Zum Anschluss von Werkzeugen sollte der Kompressor allerdings ein Volumen von 100 Litern aufweisen.
Tipp: Ein Kompressor für die mobile Nutzung sollte ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Größe des Druckluftbehälters und Liefermenge aufweisen. Hierbei gilt: So viel wie nötig, so wenig wie möglich.
3.2 Ansaugleistung
Dieser Wert gibt die Menge der Luft in Litern an, welche der Kompressor pro Minute ansaugt und zu Druckluft kompensiert. Bei Kolbenkompressoren fällt der Wert allerdings höher aus, als die Abgabemenge. Daher gibt die Ansaugleistung keinen konkreten Aufschluss über die tatsächliche Leistung der Luftdruck-Maschine. Der Wert dient lediglich zur Orientierung über die Leistung für kleine Kompressoren und Kolbenkompressoren.
3.3 Abgabeleistung/Liefermenge
Über die tatsächliche Leistung gibt die Liefermenge Auskunft. Hieran können Sie erkennen, ob der jeweilige Kompressor für die Verwendung mit Druckluftwerkzeug geeignet ist. Beachten Sie, dass die Liefermenge vom Luftdruck abhängt. Je höher Sie den Druck einstellen, desto weniger Luft gibt der Kompressor aus.
Die für Sie passende Liefermenge ermitteln Sie, indem Sie zu dem benötigten Wert des anzuschließenden Luftdruckwerkzeugs ungefähr 30 Prozent hinzuzählen. So haben Sie während der Nutzung einen Puffer, damit der Kompressor nicht unter Volllast steht.
3.4 Luftdruck
Der auszugebende Luftdruck wird in bar angegeben und bewegt sich bei Kompressoren in der Regel zwischen sechs und zehn bar. Einige Geräte weisen einen noch höheren Luftdruck auf.
4. Das richtige Öl für einen Kompressor
Wenn Öl nachgefüllt oder gewechselt werden muss, sollten Sie unbedingt mit speziellem Kompressor-Öl, anstatt Motoröl, nachfüllen. Grund hierfür liegt in der Betriebsart eines Kompressors. Diese unterscheidet sich zu der eines Motors erheblich, weswegen Motoröl und Kompressor-Öl unterschiedliche Eigenschaften aufweisen. So besteht ein deutlicher Unterschied in der Zähigkeit (Viskosität). Motoröl weist eine dickflüssigere Konsistenz als Kompressor-Öl auf, was bei einem Kompressor zu einer hohen Reibung führt, wodurch der Verschleiß stark zunimmt und die Lebensdauer des Geräts drastisch sinkt.
Achten Sie darauf, ausschließlich spezielles Kompressor-Öl zu verwenden.
Ihre Garantieansprüche können verloren gehen, wenn Sie normales Motoröl in Ihrem Druckluftkompressor benutzen. Hierbei gilt es die Angaben des Herstellers zu beachten.
5. Zubehör und Werkzeuge
Einen Kompressor können Sie ganz einfach mit zahlreichen Werkzeugen und Aufsteckmöglichkeiten erweitern um möglichst viele Anwendungsbereiche abzudecken. Neben Adaptern für Luftmatratzen und Reifenfüller stehen Ihnen mit einem Kompressor eine ganze Reihe an Luftdruckwerkzeugen zur Verfügung. Diese haben gegenüber elektrisch betriebenen Geräten die Vorteile günstig, langlebig, leise und höchst effizient zu sein.
Einsatz eines Meißelhammers mit Druckluft
Während Sie für Lackier- und Aufpumparbeiten bereits kleine Kompressoren mit wenig Leistung nutzen können, erfordern schlagende und drehende Werkzeuge eine hohe Liefermenge, um ordnungsgemäß zu funktionieren.
In der folgenden Übersicht sehen Sie, wieviel Ausgangsleistung und Luftdruck einzelne Werkzeuge benötigen:
Druckluftbohrer
- Benötigter Luftdruck: 6 bar
- Benötigte Lierfermenge: 240 l/min

Sandstrahler
- Benötigter Luftdruck: 2-8 bar
- Benötigte Lierfermenge: 300 l/min

Tacker
- Benötigter Luftdruck: 6 bar
- Benötigte Lierfermenge: 300 l/min

6. FAQ
Wozu benötige ich einen Kompressor?
Mit einem Kompressor können Sie unterschiedliche Druckluftwerkzeuge betreiben wie beispielsweise Bohrer, Tacker, Meißel und zahlreiche andere Schlag- beziehungsweise Drehwerkzeuge. Außerdem eignet sich ein Kompressor zum Befüllen von Luftmatratzen, Bällen und Reifen.
Wie groß sollte ein Kompressor sein?
Möchten Sie mit dem Gerät Werkzeuge betreiben, sollte das Füllvolumen des Druckbehälters groß ausfallen, um möglichst lange ohne Unterbrechungen arbeiten zu können. Bei zu kleinen Behältern muss der Verdichter außerdem ständig Luft komprimieren, wodurch der Verschleiß zunimmt. Beachten Sie, dass nur große Druckbehälter ausreichend Liefermenge erzeugen können, um Werkzeuge mit genug Leistung zu versorgen.
Wie viel bar benötige ich?
In der Regel können Kompressoren einen Druck zwischen sechs und zehn bar ausgeben. Viel entscheidender ist allerdings die Liefermenge, also der Luftausstoß in Litern pro Minute. Wenn Sie mit Ihrem Kompressor Werkzeuge betreiben möchten, sollte dieser bei mindestens 200 Litern pro Minute liegen.
Kompressor mit oder ohne Öl? Worin liegt der Unterschied?
Kompressoren mit Ölschmierung weisen generell eine höhere Leistung auf als Geräte ohne Öl. Der Grund liegt im niedrigeren Verschleiß, da weniger Reibung entsteht. Allerdings sind diese Modelle auch wartungsintensiver, da ein regelmäßiger Ölwechsel stattfinden und Ölkondensat abgelassen werden muss. Kompressoren ohne Öl haben zwar weniger Leistung, eignen sich dafür aber zum Lackieren, da hierbei kein Öl in die ausgegebene Luft gelangen und den Lack verfälschen kann.


















































