
Ratgeber Fliesenschneider
Das Verlegen von Fliesen ist längst nicht mehr nur dem Fachmann vorbehalten: Mit etwas handwerklichem Geschick und dem richtigen Werkzeug können auch Sie Ihre Küche, Terrasse oder Ihr Bad selbst fliesen. Unentbehrliches Hilfsmittel ist dabei ein Fliesenschneider. Welches Modell für Sie das Richtige ist und wie Sie beim Fliesenlegen vorgehen sollten, erfahren Sie in diesem Ratgeber.
1. Arten von Fliesenschneidern
Um eine Fliese mit einer sauberen Kante zu brechen und sie so in die passende Form zu bringen, benötigen Sie einen Fliesenschneider. Dabei haben Sie generell die Wahl zwischen zwei Varianten: handgeführt und elektrisch. Wie die Geräte funktionieren und welche Vor- und Nachteile sie mit sich bringen, erfahren Sie im Folgenden.
1.1 Handgeführte Fliesenschneider
Manuelle Fliesenschneider werden vor allem von professionellen Fliesenlegern verwendet. Sie bestehen lediglich aus einer Schneidespitze mit einem Hartmetallrad, das mit etwas Druck entlang einer Führungsschiene über die Fliese geführt wird. Dabei entsteht ein feiner Schnitt auf der Oberfläche, der eine Sollbruchstelle darstellt. Anschließend können Sie die Fliese an dieser Stelle brechen. Achten Sie bei der Wahl eines handgeführten Fliesenschneiders auf folgende Punkte:
- Stabile Führungsschiene
- Gute Brechvorrichtung
- Verstellbarer Anschlagwinkel
- Große Maßskala
Handgeführte Fliesenschneider erinnern an eine Papierschneidemaschine.
1.2 Elektrische Fliesenschneider
Die elektrische Variante ähnelt im Funktionsprinzip eher einer Kreissäge: Sie besteht aus einem Arbeitstisch mit Winkelanschlag und einer Trennscheibe. Die Fliese wird über den Arbeitstisch gezogen und durch eine rotierende Diamanttrennscheibe vollständig durchtrennt, ohne Brechvorrichtung. Bei den meisten Geräten handelt es sich um eine Nassschneidemaschine, sodass die Staubentwicklung äußerst gering ist. Alternativ können Sie auch zu einem Radial-Fliesenschneider greifen.
- Fliese wird über das Sägeblatt bewegt
- Geeignet für Küchen-, Bad-, Terrassen- und Balkonfliesen
- Ungeeignet für Naturstein- und Mosaikfliesen
- Da Wasser umherspritzen kann, sollte das Gerät im Freien aufgestellt werden
- Geeignet für Mosaik-, Wand-, Terrassen-, Bad-, Spiegel-, Balkon- und Marmorfliesen
- Unterschied zu Fliesennassschneider: Motor mit rotierender Trennscheibe wird über die Fliese gezogen
- Präzisere Schnittstelle
Radial-Fliesenschneider eignen sich auch für große Bodenplatten.
1.3 Trennscheiben
Bei der elektrischen Variante spielt vor allem die Trennscheibe eine wichtige Rolle. Dabei haben Sie die Wahl zwischen kunstharzgebundenen und Diamant-Trennscheiben.
Kunstharzgebundene Trennscheiben:
Für diese Variante werden verschiedene Rohstoffe wie Flüssigharz, Pulverharz, Korund und Siliciumcarbonid zusammengepresst. Dabei wird je nach gewünschter Dicke mit unterschiedlich starkem Druck gearbeitet. Zur Verstärkung werden zusätzlich Glasfasern eingearbeitet. Die Trennscheiben gibt es mit Durchmessern zwischen 115 und 350 Millimetern.
Diamant-Trennscheiben:
Diamant-Trennscheiben bestehen aus einem Stahlblatt, auf dem Diamantsegmente befestigt sind.
Beachten Sie, dass sich Diamant-Trennscheiben während der Arbeit erhitzen. Bei günstigeren Modellen müssen daher regelmäßig Kühlpausen eingelegt werden. Hochwertigere Geräte verfügen hingegen über Trennscheiben mit speziellen Zusatzstoffen, sodass keine Abkühlzeit nötig ist.
Beschaffenheit der Ränder:
Trennscheiben können sich zudem durch die Beschaffenheit ihres Randes unterscheiden.
Geschlossener Rand: Fliesen und Keramik können sauber geschnitten werden
Turborand:
- Riffelung ermöglicht schnelle Schnitte
- Geeignet für Sandstein, Klinker und Marmor
Segmentierter Rand:
- Geriffelte und glatte Elemente für schnelles Durchtrennen von extrem harten Materialien
- Bearbeitung von Beton
2. Die Wahl des passenden Fliesenschneiders
Die Wahl des richtigen Fliesenschneiders hängt einerseits von Ihrem handwerklichen Geschick und den Eigenschaften der Fliese, andererseits aber auch von bestimmten Kennzahlen ab. Entscheidend ist in erster Linie, wie häufig Sie das Gerät verwenden und wie groß die Fläche ist, die Sie fliesen möchten. Bei großen Flächen fallen umfangreiche Schneidearbeiten an, sodass Sie auf ein entsprechend hochwertiges Gerät zurückgreifen sollten. Da langwierige Arbeiten mit einem handgeführten Schneider anstrengend werden können, empfiehlt sich zudem ein elektrischer Schneider. Für kleine Flächen mit geringerem Arbeitsumfang ist die handgeführte Variante hingegen ausreichend. Für professionelle Fliesenleger kann überdies eine lasergeführte Fliesenschneidemaschine infrage kommen.
2.1 Welche Fliesen können mit welchem Gerät bearbeitet werden?
Je nachdem, welche Art von Fliesen Sie schneiden wollen, eignen sich unterschiedliche Geräte. Im Folgenden verschaffen wir Ihnen einen Überblick:
Steingutfliesen
- Leicht zu bearbeiten
- Bei kleineren Formaten kann das Anritzen reichen
- Bei größeren Fliesen wird die Brechvorrichtung des Fliesenschneiders benötigt
Steinzeugfliesen
- Härter als Steingutfliesen
- Gängige handgeführte Fliesenschneider genügen
Feinsteinzeugfliesen
- Besonders hart, lassen sich schlechter bearbeiten als Steinzeugfliesen
- Fliesenschneider muss für Feinsteinzeugfliese geeignet sein
- Besser: Verwendung einer Schneidemaschine mit Diamanttrennscheibe und Wasserkühlung
Glasmosaik & Mosaikfliesen
- Mosaikfliese: kleiner Nassschneider
- Glasmosaik: Diamant-Bandsäge oder Glasmosaikzange
Marmor & Granit
- Können nur mit einem Nassschneider geschnitten werden
Grundsätzlich gilt: Fliesen mit einer durchschnittlichen Dicke von acht Millimetern können mit einem manuellen Fliesenschneider bearbeitet werden. Für dickere Bodenplatten bis zu 20 Millimetern aus festeren Materialien kommen hingegen nur Nassschneidemaschinen infrage.
2.2 Kaufkriterien
Wenn Sie sich für einen Fliesenschneider entscheiden, gilt es, gewisse Kriterien zu berücksichtigen.
- Leistung: Die Nennaufnahmeleistung sollte bei mindestens 600 Watt liegen.
- Größe des Sägeblattes: Je größer der Durchmesser, desto stärkere Fliesen können durchtrennt werden. Wichtig bei Treppen- oder Feinsteinzeugfliesen.
- Schnittlänge und -stärke: Da die Tendenz hin zu größeren Fliesen geht, muss ein handgeführter Schneider entsprechend ausgelegt sein. Üblich ist eine Kantenbreite von 60 Zentimetern. Fliesennassschneider sind aufgrund ihrer Bauart für Fliesen jeder Länge geeignet.
3. Tipps zum Fliesenlegen
Nicht nur ein Fliesenschneider ist ein wichtiges Utensil beim Fliesenlegen. Wir verraten Ihnen, was Sie noch dafür benötigen und wie Sie dabei richtig vorgehen.
| Materialien | Werkzeuge |
|---|---|
| Nivellierspachtel oder Fließestrich | Bohrmaschine mit Rührquirl |
| Haft- /Sperrgrund | Mörteleimer |
| Fliesen | Fliesenschneider |
| Fliesenkleber | Zahntraufel |
| Fugenmasse /-silikon | Fugbrett oder Gummiwischer |
| Fugenkreuze | Fugenkratzer |
| Silikonspritze | |
| Holzspatel | |
| Gummihandschuhe zum Verfugen | |
| Knieschoner beim Bodenfliesenverlegen |
Vorbereitungen
- Der Untergrund muss sauber, trocken, staubfrei und eben sein.
- Glätten Sie alle Unebenheiten mit einer selbstverlaufenden Bodenausgleichmasse.
- Rühren Sie die Spachtelmasse in einem Mörtelkübel mit sauberem Wasser an. Beachten Sie dabei die Herstellerangaben. Zum Anrühren eignet sich eine Bohrmaschine mit Rühraufsatz.
- Masse auf den unebenen Stellen ausgießen und mit einem Gummiwischer verteilen.
- Lassen Sie die Oberfläche trocknen (beachten Sie die angegebene Trocknungszeit).
- Grundieren Sie saugende Untergründe (z.B. Zement-Estriche) mit Sperrgrund.
- Auf nicht saugfähigen Untergründen (z.B. Beton) oder sehr glatten Flächen verwenden Sie besser einen Haftgrund.
- Grundieren Sie in Nassräumen (z.B. im Bad) den Boden mit einer Abdichtung.
Fliesen legen
Die häufigste Variante ist die Parallelverlegung. Dabei arbeiten Sie vorzugsweise in der Mitte beginnend von innen nach außen. Zur Ermittlung der Raummitte messen Sie die Mittelpunkte der Seitenwände aus und ziehen eine Richtschnur durch den Raum. Orientieren Sie sich beim Verlegen der ersten Fliesen an dieser Linie. Beim Verlegen gehen Sie wie folgt vor:
Achten Sie beim Fliesenlegen auf den Fugenabstand.
- Mischen Sie den Fliesenkleber mit Hilfe einer Bohrmaschine und Rührquirl im angegebenen Verhältnis ins Wasser an.
- Tragen Sie den Kleber mit einer Kelle oder Traufel in einer fünf bis zehn Millimeter dicken Schicht gleichmäßig auf.
- Kämmen Sie anschließend den Kleber mit einem Zahnspachtel. Je größer die Fliesen, desto größer sollte die Zahnung sein.
- Tragen Sie den Kleber dabei immer nur in kleinen Abschnitten auf, sodass Sie die Fläche bearbeiten können, bevor der Kleber anzieht.
- Gegebenenfalls können Sie auf der Rückseite der Fliesen ebenfalls Kleber auftragen und diesen quer zu den Furchen am Boden durchkämmen.
- Zum Einhalten der Fugenabstände können Sie Fugenkreuze verwenden.
- Drücken Sie die Fliesen leicht in den Kleber ein und klopfen Sie sie mit einem Gummihammer leicht an.
- An den Rändern werden Sie Ihre Fliesen in der Regel zuschneiden müssen. Hier kommt der Fliesenschneider zum Einsatz. Für runde Aussparungen, beispielsweise an Heizungsrohren, können Sie eine Fliesenlochzange oder eine Bohrmaschine mit Lochfräsenaufsatz verwenden.
Planen Sie bei der Berechnung Ihres Materialbedarfs zur errechneten Gesamtfläche immer noch zehn Prozent für Verschnitt und Bruch hinzu.
Bodenfliesen verfugen
Im Anschluss müssen Sie die Fugen mit Fugenmörtel ausfüllen. Warten Sie jedoch die empfohlene Trocknungszeit ab (mindestens 24 Stunden). Dann können Sie den Mörtel auf dem Boden verteilen und mit einem Fugengummi diagonal zum Fugenverlauf auf den Fliesen verteilen. Überschüssigen Fugenmörtel können Sie mit dem Gummiwischer abziehen. Tragen Sie dabei unbedingt Gummihandschuhe! Verbleibende Reste können mit einem feuchten Schwamm abgewischt werden. Zum Schluss müssen Sie noch die Fugen zwischen Bodenfliesen und Wand- beziehungsweise Sockelfliesen mit einer Dichtungsmasse wie Silikon abdichten.
4. FAQ
Gibt es Alternativen zu einem Fliesenschneider?
Sofern Sie sich keinen Fliesenschneider zulegen möchten, können Sie auf Alternativen zurückgreifen. Bei dünneren Fliesen kann beispielsweise ein Glasschneider verwendet werden. Dabei wird die Oberfläche der Fliese angeritzt und die Fliese anschließend gebrochen. Für eine gerade Kante sollte eine Führungsschiene auf der Fliese angebracht werden. Eine weitere Möglichkeit ist das Schneiden mit einem Winkelschleifer und einer Diamantscheibe. Diese Variante ist jedoch nicht ganz ungefährlich. Verwenden Sie einen Winkelschleifer nur für Auskerbungen und tragen Sie beim Schneiden immer Schutzbrille, -handschuhe und einen Gehörschutz. Winkelschleifer sollten Sie zudem nur für Stellen verwenden, die später verdeckt sein werden.
Wie kann ich mit einem Fliesenschneider Rundungen schneiden?
Für Steckdosen oder Rohre müssen in Fliesen häufig Rundungen geschnitten werden. Dafür benötigen Sie auf jeden Fall einen elektrischen Fliesenschneider mit Wasserkühlung und Diamantblatt, da mit einem manuellen Fliesenschneider ausschließlich gerade Schnitte möglich sind. Für kleinere Aussparungen bei Fliesen mit geringer Stärke kann auch eine Fliesenlochzange oder eine Bohrmaschine mit Lochfräsenaufsatz genügen.
Wie schneide ich Fliesen aus Feinsteinzeug?
Feinsteinzeugfliesen sind aufgrund ihrer Herstellung bei sehr hohen Temperaturen ausgesprochen hart und bruchfest. Für den Heimwerker stellen sie beim Schneiden daher eine Herausforderung dar. Doch auch für die Bearbeitung von Feinsteinzeug genügt herkömmliches Werkzeug. Grundsätzlich können die Fliesen mit einem manuellen Fliesenschneider gebrochen werden. Bei kleinen Ecken kann diese Vorgehensweise jedoch etwas problematisch werden, da Feinsteinzeug nicht nur hart, sondern auch spröde ist. Einfacher gelingt dies mit einem elektrischen Fliesenschneider mit Wasserkühlung und Diamantsägeblatt. Alternativ können Sie auch zu einem Winkelschleifer in Kombination mit einer Steintrennscheibe greifen. Diese Variante sollten Sie jedoch nur anwenden, wenn die Schnittstelle später nicht mehr gesehen wird, da hierbei keine exakten Schnitte erzielt werden können.




































