
Ratgeber Schraubendreher
Schraubendreher gehören zur Grundausstattung jedes Heim- und Handwerkers. Dank der großen Auswahl an unterschiedlichen Formen und Größen finden Sie für jede Schraube das richtige Werkzeug.
1. Einsatz von Schraubendrehern
Schraubendreher, die man auch als Schraubenzieher bezeichnet, werden zum Lösen und Anziehen von Schrauben verwendet. Ihr Aufbau ist relativ simpel: Sie bestehen aus einem Griff, dem Schraubenzieherschaft (auch als Klinge bezeichnet) und dem Profil beziehungsweise der Klingenspitze.
Das Profil kann dabei zahlreiche Formen aufweisen, die zu verschiedenen Schraubenarten passen. Daher ist es ratsam, sich eine Grundausstattung mit mehreren Profilen in unterschiedlichen Größen anzuschaffen. Verwenden Sie einen Schraubenzieher, der nicht richtig passt, erschweren Sie sich die Arbeit. Zudem könnte der CamOut-Effekt auftreten:
Pozidriv-Schraubendreher beim Einsatz
Die Wahl des richtigen Schraubendrehers ist maßgeblich für das Arbeitsergebnis. Verwenden Sie beispielsweise das falsche Profil oder die falsche Profilgröße, kann der sogenannte CamOut-Effekt auftreten. Dabei drückt sich die Klinge des Schraubenziehers bei der Drehung aus der Schraube, wodurch der Antrieb (das Profil der Schraube) sowie Ihr Werkzeug beschädigt werden können. Einige Profile beugen dem aufgrund ihrer Form vor. Zudem weisen diverse Schraubendreher beziehungsweise Klingenspitzen eine spezielle Beschichtung auf, die dem CamOut ebenfalls entgegenwirken.
Damit Sie alle geplanten Arbeiten mit Ihren neuen Schraubendrehern durchführen können, sollten Sie auf eine hohe Qualität achten. Die folgenden Merkmale gilt es dabei besonders zu berücksichtigen:
- Klingenmaterial: Dieses sollte hochwertig und langlebig sein. Varianten mit Chrom-Vanadium-Molybdän-Stahl gelten als besonders hart und haltbar. Darüber hinaus sind einige Modelle mit einer Diamantbeschichtung versehen, die den Schraubenzieher noch robuster macht.
- Magnetische Spitze: Häufig ist es schwierig, die Schrauben bei der Arbeit festzuhalten. Deshalb sind Schraubendreher mit magnetischer Spitze erhältlich, an denen die Schrauben von selbst haften.
- Griff: Auch die Wahl des Griffs kann entscheidend sein. Dies gilt vor allem dann, wenn Sie häufig oder für längere Zeit am Stück mit dem Schraubenzieher arbeiten. Ergonomisch geformte Modelle liegen besonders gut in der Hand und ermöglich ein ermüdungsfreies Arbeiten. Zusätzlich kann der Griff aus Kunststoff mit mehreren Komponenten geformt sein, was beispielsweise das Abrutschen der Hand verhindert.
2. Profile und Klingenarten
In diesem Abschnitt stellen wir Ihnen fünf der gängigsten Schraubendreher-Profile sowie deren Eigenschaften im Detail vor.
Schlitz

Dieses Profil gehört zu den ältesten Schraubenkopfantrieben und weist einen geraden Schlitz auf. Schlitzschraubendreher sind in zwei unterschiedlichen Ausführungen – als Flach- und Längsschlitz – erhältlich. Die Kraftübertragung ist bei dieser Variante relativ schlecht ausbalanciert, da zum Großteil nur zwei diagonal zueinander liegende Punkte beansprucht werden. Dementsprechend kommt es häufig zum CamOut-Effekt und Klingenspitze oder Schraubenkopf werden beschädigt.
Schraubenzieher mit Kreuzschlitz-Profil sind in mehreren Varianten erhältlich. Bei diesen unterscheidet sich beispielsweise die Anordnung der Schlitze, die in unterschiedlichen Winkeln zueinander versetzt liegen können. Zu den zwei am häufigsten verwendeten Kreuzschrauben gehören solche mit Phillips- und Pozidriv-Schraubenkopfantrieb. Diese ähneln sich stark, weisen aber entscheidende Unterschiede auf:
Phillips (PH)

Das Phillips-Profil ist relativ simpel gehalten und besteht aus einem einfachen Kreuz, dessen Einkerbungen um 90 Grad versetzt sind. Zur Spitze hin verjüngen sich die Vertiefungen. Durch die daraus resultierenden vier Seiten findet eine verbesserte Kraftübertragung von Schraubendreher auf Schraubenkopf statt als beim Schlitz-Profil.
Pozidriv (PZ)

Pozidriv-Schraubenzieher ähneln den Phillips-Varianten, weisen jedoch ein zusätzliches, weniger stark ausgeprägtes zweites Kreuz auf, das um 45 Grad versetzt ist. Außerdem verjüngt sich das Profil zur Spitze hin nicht. Durch diesen Aufbau wird die Kraft beim Einsatz des Pozidriv-Profils noch besser auf die Schraube übertragen als beim PH-Profil.
Beachten Sie bei der Wahl eines Kreuzschlitz-Schraubendrehers, dass sowohl Phillips- als auch Pozidriv-Profile in den jeweils anderen Schraubenkopfantrieb passen. Dennoch sollten Sie stets das vorgesehene Profil nutzen, um Ihr Werkzeug nicht zu beschädigen.
Torx (TX)

Torx-Schraubenzieher weisen ein sternförmiges Profil mit sechs abgerundeten Ecken auf. Aufgrund der Form bietet es eine sehr gute Kraftübertragung und erlaubt es zudem, sehr hohe Drehmomente auszuüben. Darüber hinaus kann eine Beschädigung durch den CamOut-Effekt ausgeschlossen werden, sofern das Profil in der richtigen Größe gewählt wird.
Innensechskant (Inbus)

Das Innensechskant-Profil, das auch als Inbus bekannt ist, kommt häufig beim Möbelbau zum Einsatz. Ähnlich wie beim TX-Profil ist das Auftreten des CamOut-Effekts hierbei nahezu unmöglich.
Neben Standardprofilen erhalten Sie Schraubendreher in vielen weiteren Ausführungen. Einige davon gelten als sogenannte Sicherheitsprofile: Diese sind zum Teil nur schwierig zu erwerben oder lediglich über den Fachhandel zu beziehen. Die Verwendung entsprechender Schrauben soll es Unbefugten erschweren, diese zu lösen.
3. Spezielle Ausführungen
Zusätzlich zu Schraubendrehern mit unterschiedlichen Antrieben finden Sie zudem eine große Auswahl an Modellen für besondere Einsatzzwecke:
Bei der Verwendung eines Schlagschraubenziehers wird während der Drehung automatisch ein Schlag ausgeführt. Dies sorgt für eine erhöhte Kraftübertragung beziehungsweise für ein gesteigertes Drehmoment, sodass auch festsitzende Schrauben gelöst werden können. Zudem beugt der Schlag dem CamOut-Effekt und somit der Beschädigung von Schraubenköpfen vor.
Diese Modelle ermöglichen es Ihnen, ein festgelegtes Drehmoment einzustellen, wodurch garantiert wird, dass Sie Schrauben mit der gewünschten Kraft anziehen können und sie dementsprechend nicht zu fest beziehungsweise zu locker sitzen.
Elektroschraubendreher müssen besondere Anforderungen für die Arbeit im Bereich von spannungsführenden Leitungen erfüllen. Da der VDE (Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik) derartige Spezialschraubenzieher prüft und zertifiziert, werden sie zum Teil als VDE-Schraubendreher bezeichnet. Zu den geforderten Eigenschaften für diese Werkzeuge zählt unter anderem eine Isolierung der Klinge. Achten Sie beim Kauf solchen Werkzeugs stets auf eine entsprechende Zertifizierung. Bedenken Sie zudem, dass Arbeiten an Elektroleitungen nur durch geschultes Fachpersonal unter Einhaltung der dafür geltenden Richtlinien durchgeführt werden dürfen.
Universal- beziehungsweise Teleskopschraubendreher sind als Allrounder zu bezeichnen: Sie weisen anstelle einer Klingenspitze eine Bitaufnahme auf. Daher können sie ähnlich wie Akkuschrauber mit unterschiedlichen Bits und den entsprechenden Profilen ausgestattet werden. Somit sind Sie in der Lage, mit einem Teleskopschraubendreher diverse Schraubenarten und -größen zu verarbeiten.
4. FAQ
Welche Arten von Schraubendrehern gibt es?
Schraubendreher können sich in vielerlei Hinsicht voneinander unterscheiden: Neben unterschiedlichen Profilen beziehungsweise Klingen wie Schlitz, Kreuz, Torx und weniger gängigen Ausführungen gibt es auch diverse Größen. Für Arbeiten im Feinmechanik-Bereich erhalten Sie besonders kleine Ausführungen, für den Einsatz in der Umgebung spannungsführender Leitungen dagegen speziell isolierte Varianten. Zudem können Griffe und Klingen aus verschiedenen Materialien bestehen.
Wann wurde der Schraubendreher erfunden?
Die ersten Schraubendreher wurden bereits im 17. Jahrhundert genutzt. Allerdings war ihr Einsatz zu dieser Zeit noch nicht sehr populär – insbesondere deshalb, weil Schrauben damals noch manuell hergestellt werden mussten. Im Zuge der industriellen Revolution erfolgte jedoch die maschinelle Produktion von Schrauben, sodass Schraubendreher seit dem 19. Jahrhundert stark an Bedeutung gewonnen haben. Auch heutzutage werden manuelle Schraubenzieher noch häufig eingesetzt.
Was sind VDE-Schraubendreher?
Als VDE-Schraubendreher werden meist sogenannte Elektroschraubendreher bezeichnet. Ihr besonderes Merkmal ist die spezielle Isolierung, die ihren Einsatz in der Nähe von spannungsführenden Leitungen ermöglicht. Der VDE ist ein technisch-wissenschaftlicher Verband, der solche Schraubenzieher prüft und entsprechend zertifiziert. Beachten Sie jedoch, dass diese speziellen Arbeiten nur durch geschultes Fachpersonal unter Einhaltung der dafür geltenden Richtlinien durchgeführt werden dürfen.
Welche Schraubendreher braucht man im Werkzeugkoffer?
Dies ist davon abhängig, für welchen Zweck Sie die Werkzeuge benötigen. Für gelegentliche Heimwerkerarbeiten reicht eine Grundausrüstung der gängigsten Profile: Zu diesen zählen Schlitz, Kreuz (Phillips und Pozidriv) sowie Torx. Dabei sollten Sie jede Art in unterschiedlichen Größen besitzen, da nur bei vollkommener Übereinstimmung von Schraubenkopf und Klingenprofil eine Beschädigung der Schraube und des Werkzeugs vermieden werden kann.




















