
Alles über Schließzylinder
Bei den meisten Haus- und Wohnungstüren kommen Schließzylinder zum Einsatz: In diese werden die Schlüssel eingeführt, um das Schloss zu öffnen. Doch was unterscheidet den Zylinder von dem eigentlichen Schloss? Wie genau arbeiten Schließzylinder und welche Aspekte sollte man bei der Wahl beachten? In unserem Ratgeber erfahren Sie alles über diese Themen.
1. Einsatz und Aufbau von Schließzylindern
Schließzylinder werden in Türen eingebaut. Dazu bieten die integrierten Schlösser eine Aussparung, in die man die Zylinder einsetzt. Der äußere Aufbau eines Schließzylinders sieht dabei wie folgt aus:

- Beweglicher Zylinderkern
- Schlüsselkanal mit Schlüsselloch
- Zylindergehäuse
- Schließbart
- Gewindebohrung für Fixierschraube
Über das Schlüsselloch führen Sie den Schlüssel in den dafür vorgesehenen Kanal ein und drehen ihn anschließend. Dadurch bewegen Sie den Zylinderkern sowie den Schließbart, der die Falle beziehungsweise den Riegel des Schlosses betätigt. Die Gewindebohrung dient der Fixierung des Zylinders im Schloss. Dazu wird eine sogenannte Stulpschraube eingesetzt.
Die Falle bezeichnet den „Türschnapper“, der automatisch einrastet, wenn Sie eine Tür schließen. Der Riegel dient hingegen dem Abschließen, sodass eine Tür durch Herunterdrücken der Klinke nicht mehr geöffnet werden kann.
2. Funktionsweise
Schließzylinder sind im Inneren mit gefederten Stiften ausgestattet. Diese ragen in den Zylinderkern und verhindern auf diese Weise, dass das Schloss ohne zugehörigen Schlüssel gedreht werden kann. Um eine Drehung zu ermöglichen, müssen die Stifte unterschiedlich tief eingedrückt werden. Die Einkerbungen, Einschnitte und Bohrungen im Schlüsselbart sorgen dafür, dass jede Feder exakt um den benötigten Bereich verschoben wird. Dies gibt den Zylinderkern frei und erlaubt das Auf- und Zuschließen des Schlosses.
Innerer Aufbau eines Schließzylinders
Beachten Sie bei Ihrer Wahl, dass Schließzylinder unterschiedliche Längen aufweisen. Dabei können sich sowohl die Gesamtlänge, die in der Regel als Baulänge bezeichnet wird, als auch die Längen der einzelnen Seiten unterscheiden. Um die exakten Werte zu bestimmen, sollten Sie den Zylinder daher ausbauen und abmessen.
3. Zylinderarten
Schließzylinder sind in unterschiedlichen Ausführungen erhältlich, die auf den jeweiligen Einsatzzweck beziehungsweise die Gegebenheiten von Türen und Schlössern hin angepasst sind. Wir stellen Ihnen die gängigsten Arten genauer vor.
Grundform
Hierbei wird zumeist zwischen drei Formen unterschieden:
- Profilzylinder
- Ovalzylinder
- Rundzylinder
Der Profilzylinder ist die gängigste Art. Er zeichnet sich durch eine relativ ovale Front aus, wobei der obere Bereich breiter gehalten ist als der untere.
Im Gegensatz dazu ist die Front eines Ovalzylinders gleichbleibend breit gestaltet.
Ein Rundzylinder ist hingegen kreisförmig gehalten. Dabei ist er meist deutlich breiter als Profil- und Ovalzylinder. Rundzylinder sind als Einzel- und Doppelzylinder erhältlich. Letztere bestehen aus zwei Hälften, die beide einzeln von einer Seite eingebaut und in der Mitte zusammengeführt werden. Dabei ist es auch möglich, zwei Zylinder mit abweichender Stiftcodierung zusammen zu nutzen.
Eine besondere Form bilden elektrisch betriebene Schaltzylinder. Diese verfügen über einen Motor, der das Schloss öffnet und schließt. Anstelle eines Schlüsselkanals weisen diese Zylinder einen Drehknauf auf. Zur Betätigung wird entweder ein Code über ein Bedienfeld eingegeben oder eine Chipkarte an den Zylinderknauf gehalten.
Zwei unterschiedliche Schließzylinder: links ein Profilzylinder, rechts ein Rundzylinder
Länge und Schlüsselkanal
Neben der Grundform kann sich auch die Länge der Zylinder unterscheiden. Je nach Ausführung bieten sie einen oder zwei Schlüsselkanäle.
- Doppelzylinder: Doppelzylinder setzt man in Türen ein, die sowohl von innen als auch außen auf- beziehungsweise abschließbar sein sollen. Sie verfügen auf beiden Seiten über einen Schlüsselkanal.
- Kurzzylinder: Ihre Form entspricht grundlegend der von Doppelzylindern, sie sind jedoch kürzer und finden bei schmalen Türblättern Verwendung. Aufgrund Ihrer Bauform beinhalten Kurzzylinder weniger Federn und bieten dadurch auch einen geringeren Schutz.
- Halbzylinder: Halbzylinder sind die kürzeste Variante. Sie haben lediglich einen Schlüsselkanal, eignen sich deshalb für eine Tür, die auf einer Seite einen festen, nicht drehbaren Knauf bietet und daher von dieser Seite mit einem Schlüssel geöffnet werden muss.
- Knaufzylinder: Ein Knaufzylinder ist eine spezielle Form des Doppelzylinders. Dabei ist eine Seite mit einem Schlüsselkanal ausgestattet, während die zweite Seite einen Drehknauf zum Öffnen und Schließen aufweist.
Doppelzylinder können normalerweise nicht gedreht werden, wenn von der anderen Seite bereits ein gedrehter Schlüssel im Schlüsselkanal steckt. Modelle mit einer sogenannten Not- und Gefahrenfunktion (auch als Gefahreneinrichtung bezeichnet) ermöglichen es jedoch, den Zylinder auch in diesem Fall zu öffnen.
Vergleich von Halbzylinder (links oben) und Kurzzylinder (mittig) sowie der zugehörigen Schlüssel.
4. Sicherheit von Schließzylindern und Schlüsseln
Sowohl die Schließzylinder an sich als auch die zugehörigen Schlüssel können mit besonderen Sicherheitsmerkmalen ausgestattet sein, die ein unbefugtes Öffnen der Tür erschweren. Achten Sie daher beim Kauf auf die folgenden Punkte:
Schutzmerkmale des Zylinders
- Aufbohrschutz: Schließzylinder, die mit einem mechanischen Aufbohrschutz versehen sind, werden mit Elementen aus Hartmetall ausgestattet. Diese erschweren es, den Zylinder aufzubohren. Die damit einhergehende zeitliche Verzögerung kann Einbrecher abschrecken und zur Flucht bewegen.
- Kernziehschutz: Ein Ziehschutz wird zumeist in Form einer Schutzrosette angebracht. Diese verhindert, dass der Zylinderkern mit Spezialwerkzeug aus dem Gehäuse herausgezogen und die Tür auf diese Weise geöffnet werden kann.
- Aufsperrsicherheit: Die Aufsperrsicherheit gibt Aufschluss darüber, wie schwierig es ist, ein Schloss mithilfe von Sperrwerkzeug – wie beispielsweise einem Dietrich – gewaltfrei zu öffnen.
Schutzrosette mit Kernziehschutz
Schutzmerkmale des Schlüssels
- Codekarte: Eine Codekarte enthält Informationen, die zur Anfertigung eines Ersatzschlüssels benötigt werden. Dabei sind die hergestellten Schlüssel qualitativ besonders hochwertig, da es sich nicht lediglich um Kopien, sondern stets um original hergestellte Nachschlüssel handelt.
- Sicherungskarte: Im Gegensatz zur Codekarte gilt eine Sicherungskarte als Berechtigungsnachweis für die Bestellung von Nachschlüsseln. Ohne die Karte dürfen von entsprechend geschützten Schlüsseln keine Kopien gefertigt werden.
- Technischer Kopierschutz: Schlüssel mit dieser Eigenschaft sind besonders aufwendig gestaltet. Die technischen Ansprüche erschweren es, Abbilder eines vorliegenden Schlüssels mithilfe von Schlüsselkopiermaschinen zu erschaffen.
- Rechtlicher Kopierschutz: Dieses Kriterium bietet den höchsten Schutz: Die entsprechenden Schlüsselrohlinge dürfen nur vom Originalhersteller angefertigt und vertrieben werden. Daher können keine unberechtigten Schlüsselkopien hergestellt werden.
Wie kann ich einen Schließzylinder ausbauen beziehungsweise austauschen?
- Um einen Schließzylinder aus dem Schloss zu entfernen, gehen Sie am besten wie folgt vor:Entfernen Sie zunächst die Fixier- beziehungsweise Stulpschraube.
- Stecken Sie den passenden Schlüssel in den Zylinder. Drehen Sie den Schlüssel langsam, um den Schließbart in die richtige Position zu bringen.
- Üben Sie dabei leichten Druck auf den Zylinder aus. So überprüfen Sie die Lage des Schließbarts. Befindet er sich komplett im Zylindergehäuse, lässt sich der Schließzylinder entfernen.
- Achten Sie darauf, dass der Schlüssel nicht abbricht. Daher sollten Sie nach Möglichkeit nicht am Schlüssel selbst ziehen, sondern den Zylinder von hinten aus der Tür hinausschieben, während Sie den Schlüssel an der Vorderseite drehen.
- Anschließend können Sie den neuen Schließzylinder einsetzen und mit einer Schraube fixieren. Achten Sie dabei darauf, dass der Schließbart in der Ausgangsstellung nach innen (weg von der Türkante) zeigt. Andernfalls kann es beim Auf- und Zuschließen zu Problemen kommen.
5. FAQ
Wie entfernt man einen abgebrochenen Schlüssel aus dem Schließzylinder?
Sollte Ihnen ein Schlüssel im Schloss abbrechen, gibt es verschiedene Möglichkeiten, diesen selbst zu entfernen. Sofern die Tür geöffnet ist und Sie einen zweiten Schlüssel besitzen, drehen Sie den Schlüsselkanal in die Ausgangsstellung. Führen Sie den zweiten Schlüssel nun von der anderen Seite ein. Dies kann bewirken, dass der abgebrochene Schlüssel herausgeschoben wird. Funktioniert dies nicht, führen Sie den Zweitschlüssel nicht komplett ein. Üben Sie sodann einen leichten Schlag auf den Schlüssel aus, um den abgebrochenen Schlüssel herauszuschieben. Sobald der abgebrochene Schlüsselbart hervortritt, können Sie ihn mit einer Flachzange herausziehen.
Gehen Sie behutsam vor und achten Sie darauf, den Zylinder nicht zu beschädigen.
Was ist ein Schließzylinder mit Aufbohrschutz?
Ein Aufbohrschutz gehört zu den wichtigsten Sicherheitsmerkmalen von Schließzylindern. Durch den Einsatz von Hartmetall wird das Aufbohren des Schließzylinders verhindert oder erschwert. Auf diese Weise kommt es zu einer zeitlichen Verzögerung, die Einbrecher von ihrer Tat abbringen kann.
Was bedeutet der Begriff „Schließzylinder gleichschließend“?
Schließzylinder werden zum Teil in Sets angeboten, die aus mehreren Zylindern und Schlüsseln bestehen. Sofern das Set als gleichschließend bezeichnet wird, können Sie alle Schließzylinder mit dem gleichen Schlüssel öffnen beziehungsweise abschließen.
















