
Sattelgurte: Wichtiges Reitzubehör
1. Sattelgurte: Die verschiedenen Arten
Sattelgurte stellen sicher, dass der Sattel fest auf dem Rücken des Pferdes sitzt und dabei höchstmöglichen Komfort bietet. Grundsätzlich können sie in drei unterschiedliche Ausführungen eingeteilt werden, die zudem aus verschiedenen Materialien gefertigt sein können.
Es gilt demnach folgende Varianten zu unterscheiden:
- Langgurte (90 bis 150 Zentimeter Länge): Beim Vielseitigkeits- und Springreiten kommen bevorzugt Langgurte zum Einsatz. Da die Sattelstrupfe und Sattelblätter bei den dazugehörigen Sätteln sehr kurz ausfallen, müssen die Gurte länger sein, um eine Verbindung schaffen zu können.
- Weidetränken: Weidetränken bestechen in der Regel durch ihr großes Fassungsvolumen. Sie können nach Belieben auf der Weide platziert werden, eine komplizierte Installation ist hierbei nicht vonnöten.
- Longiergurte: Wenn Sie mit Ihrem Pferd longieren oder Bodenarbeit machen, sind Longiergurte die richtige Wahl. Sie verfügen über unterschiedliche Ringe, an denen die Longe fixiert werden kann.
- Kurzgurte (40 bis 90 Zentimeter Länge): Kurzgurte kommen beim Dressurreiten zum Einsatz. Oftmals werden sie auch als sogenannte Dressurgurte angeboten.
Wichtig: Auf beiden Seiten sollten sich die Schnallen in gleicher Höhe oberhalb des Ellenbogens des Pferdes befinden. So lassen sich Schmerzen vermeiden und das Tier kann sich ohne Einschränkungen bewegen.
Abgesehen von der Länge lassen sich Sattelgurte auch hinsichtlich der Form unterscheiden. Die einzelnen Varianten sind dabei auf den jeweiligen Körperbau des Tieres abgestimmt:
- Gerade Gurte sind die klassischen Modelle, die ausschließlich bei Pferden mit idealer Gurtlage zum Einsatz kommen. Bei diesen verrutscht der Gurt nicht, sondern bleibt auch bei Bewegungen des Tieres zuverlässig an der Stelle.
- Asymmetrische Gurte sind für Pferde geeignet, bei denen der klassische Sattelgurt keinen optimalen Halt bietet, da sich die Gurtlage zu nah am Ellbogen befindet. Aus diesem Grund weisen asymmetrische Gurte Aussparungen im Ellbogenbereich auf. Das Brustbein des Pferdes ist dabei frei, was zu einer guten Bewegungsfreiheit führt.
- Anatomische Gurte sorgen ebenfalls für mehr Bewegungsfreiheit im Vergleich zu geraden Varianten. Vor allem im Ellbogenbereich kommt es bei dieser Form zu keinen Druckstellen. Anatomische Gurte eignen sich für Pferde, deren Gurtlage weit genug vom Ellbogen entfernt ist.
- Mondgurte sind die ideale Wahl für Pferde mit weitem Rippenbogen. Diese Gurte passen sich dem Körper des Pferdes perfekt an und können dadurch nicht verrutschen.
Vergleich zwischen geradem Sattelgurt, anatomischem Sattelgurt sowie Mondgurt (von links nach rechts)
2. Unterschiedliche Materialien für Sattelgurte
Sattelgurte bestehen in der Regel aus Nylon oder Leder. Beide Materialien zeichnen sich dabei durch unterschiedliche Eigenschaften aus:
- Nylon ist sehr pflegeleicht und besticht durch eine lange Lebensdauer. Durch das Schwitzen des Pferdes entstehen bei diesem Material jedoch schnell unangenehme Druckstellen.
- Sattelgurte aus Leder sind robust, aber verhältnismäßig pflegeintensiv. Eine regelmäßige Reinigung sowie Behandlung mit Lederfett sind demnach unerlässlich. Für Pferde ist dieses Material besonders bequem und verträglich.
Info: Seltener eingesetzt werden Sattelgurte aus Neopren, die sehr weich ausfallen und demnach gut für empfindliche Pferde geeignet sind. Auch die Reinigung gestaltet sich bei diesen Varianten einfach. Für Pferde, die zu Scheuerstellen neigen, sind außerdem Varianten mit Lammfellpolsterung empfehlenswert.
3. Sattelgurt richtig anlegen
Es ist wichtig, den Sattelgurt richtig anzulegen, um Hautirritationen zu vermeiden und Fehlhaltungen des Pferdes vorzubeugen. Wir zeigen Ihnen, worauf es ankommt:
- Stellen Sie sicher, dass sich der Gurt an der schmalsten Stelle des Pferdebauches befindet.
- Zwischen Vorderbein und Sattelgurt sollte etwa eine flache Hand passen.
- Am Anfang darf der Gurt nur locker angezogen werden.
- Erst nachdem Sie das Pferd einige Runden geführt haben, können Sie den Sattelgurt vorsichtig (nicht mit Gewalt!) festziehen.> Info: Nach einigen Minuten reiten kann ein erneutes Nachziehen notwendig sein, da der Bauchumfang des Pferdes bei Bewegung abnimmt.
- Zwischen Bauch und Sattelgurt sollten zwei nebeneinanderliegende Finger passen. Der Gurt darf keinesfalls zu eng sitzen.
Der richtige Sitz des Sattelgurtes ist essenziell, um Druckstellen sowie Fehlhaltungen zu vermeiden.
Vorsicht bei Pferden mit Gurtzwang: Pferde, die beim Anlegen des Gurtes verspannt oder gar aggressiv reagieren, sollten besonders vorsichtig an den Sattelgurt gewöhnt werden. Die Gründe für Gurtzwang sind vielfältig: Von Fehlern des Reiters über die falsche Ausrüstung bis hin zu gesundheitlichen Problemen gibt es viele Möglichkeiten. Wenn gesundheitliche Einschränkungen ausgeschlossen wurden, gilt es, die negativen Erfahrungen des Pferdes mit dem Sattelgurt in positive umzuwandeln, was viel Übung und Zeit erfordert.Neben der passenden Ausrüstung ist eine ruhige und entspannte Vorgehensweise des Reiters beim Gurten essenziell. Wenn sich das Tier verspannt, sollten Sie unbedingt das Gurten abbrechen und warten, bis es wieder eine entspannte Haltung annimmt. Auf diese Weise lernt das Pferd, dass es bei Entspannung belohnt wird. Im Laufe der Zeit sollten Sie in kleinen Schritten zum Ziel kommen. Viele Pferdehalter wenden auch Übungen der sogenannten Tellington TTouch® Trainingsmethode an.
- Ich bin auf der Suche nach einem Sattelgurt, der nicht scheuert. Welcher ist der richtige für mich?
Wichtig ist, dass der Sattelgurt nicht zu weit vorne liegt, sodass keine Druckstellen entstehen. Lammfellpolsterungen schützen ebenfalls und sind vor allem für sehr empfindliche Pferde die richtige Wahl. Der Reinigungsaufwand hält sich hierbei ebenfalls in Grenzen.
- Wo liegt der Sattelgurt richtig?
Der Sattelgurt sollte stets an der schmalsten Stelle des Pferdebauches aufliegen. Zwischen Vorderbein und Sattelgurt muss etwa eine Hand passen.
- Mein Sattelgurt ist zu kurz. Was kann ich tun?
In diesem Fall ist es wichtig, auf einen passenden Sattelgurt umzusteigen. Zu kurze Ausführungen werden für gewöhnlich zu fest angezogen und liegen zu nah am Vorderbein des Tiers. Beides führt zu einer eingeschränkten Bewegungsfreiheit und Scheuerstellen. Langfristige Folgen sind Muskelverspannungen sowie eine erschwerte Atmung. Welcher Gurt der richtige für Ihr Pferd ist, hängt vorranging von der Anatomie des Tieres ab.In unserem Ratgeber erfahren Sie, welche Sattelgurte es gibt und welche Sie wählen sollten.































