
NAS Ratgeber
Wenn Sie mit unterschiedlichen Geräten wie einem Tablet, Netbook und Desktop-PC Zugriff auf dieselben Daten haben möchten, sind online Cloud-Dienste eine Möglichkeit: Der Vorteil bei dieser Lösung ist, dass die Dateien online zentral gespeichert und somit ortsunabhängig bearbeitet werden können.
Eine ähnliche Lösung erreichen Sie mit einem Speichergerät, das Sie mit Ihrem lokalen Heimnetzwerk verbinden können. Hierbei haben Sie im Unterschied zu externen Cloud-Diensten selbst die vollständige Kontrolle über Sicherheitseinstellungen und die Rechteverwaltung für die einzelnen Nutzer. Welche weiteren Vorteile ein sogenanntes NAS bietet, wie es funktioniert und was Sie darüber wissen sollten, erfahren Sie in diesem Ratgeber.
1. Was ist ein NAS?
Die Abkürzung NAS steht für mit dem Netzwerk verbundene Speichergeräte („Network Attached Storages“). Im Unterschied zu direkt mit dem Computer verbundenen Festplatten („Direct Attached Storages“) kann bei einem NAS jeder Nutzer im Netzwerk auf zentral gespeicherte Daten zugreifen. Dies ist zwar indirekt auch bei lokal gespeicherten Daten auf einem Computer möglich, wenn dieser mit einem Netzwerk verbunden ist. Die Einrichtung zu diesem Zweck ist jedoch mit erheblichem Aufwand verbunden. Neben Geräten mit Ethernet-Anschluss gibt es Modelle, die drahtlos verbunden werden können.
Kabelgebundene Netzwerke zeichnen sich im Gegensatz zu drahtlosen Varianten durch eine stabilere Verbindung, höhere Bandbreiten sowie schnelleren Datentransfer aus.
Beispiel: Ein Laptop und ein Tablet sind drahtlos mit dem Netzwerkrouter verbunden (blaue Linien). Das NAS verfügt über eine Kabelverbindung mit dem Router (rote Linie), sodass Zugriff auf die zentral abgelegten Daten über das Netzwerk besteht.
Die Voraussetzungen für den Zugriff auf ein NAS sind, dass die Nutzer
- mit dem Netzwerk verbunden sind
- über entsprechende Zugriffsrechte verfügen.
Ein NAS ist eine eigenständige Computereinheit und weist in der Regel Programme auf, die die Rechteverwaltung und den sicheren Datentransfer im Netzwerk gewährleisten.
1.1 Vorteile von Netzwerkspeichergeräten
Ein großer Vorteil gegenüber vollwertigen Computern besteht im geringen Stromverbrauch von Netzwerkspeichergeräten: Im Vergleich zu einem Computer wird nur etwa ein Zehntel der Leistung für den Betrieb benötigt. Die sogenannte „Wake On LAN“-Funktion sorgt bei vielen Geräten dafür, dass das NAS nur dann aktiviert wird, sobald das Gerät über das Netzwerk angesprochen wird. Bei Nichtgebrauch schaltet der Betrieb auf Standby um.
Viele NAS-Varianten können mit mehreren Festplatten versehen werden, sodass ein großes Speichervolumen zur Verfügung steht.
Vorteile eines NAS:
- Geringer Stromverbrauch
- Zentrale Datenverwaltung
- Medieninhalte über Smartdevices abspielbar
- Zusätzliches Speichervolumen im Netzwerk
1.2 Verwendungsbeispiele
Ein NAS ermöglicht Ihnen sowohl beruflich als auch privat den komfortablen Umgang mit Dateien und vereinfacht deren Verwaltung. Die folgende Übersicht vermittelt Ihnen einen Eindruck, wie vielfältig ein NAS genutzt werden kann:
- Media-Server: Moderne Fernseher und HiFi-Anlagen können mit dem NAS verbunden werden und als Media-Server dienen. So können Sie beispielsweise Filme und Videos direkt über Ihren Fernseher streamen oder auf allen Netzwerkgeräten überall in Ihren vier Wänden Musik abspielen.
- Netzwerk-Drucker: Viele Netzwerkspeichergeräte können über einen USB-Anschluss oder über WLAN mit einem Drucker verbunden werden, sodass alle verbundenen Geräte Druckaufträge versenden können.
- Backup-Systeme: Auf vielen NAS-Geräten kann Software zur Datensicherung und -wiederherstellung installiert werden. Auf diese Weise stellen Sie sicher, dass der Datenbestand Ihres Computers regelmäßig extern gespeichert und das System im Notfall wiederhergestellt werden kann.
2. Wichtige Komponenten und Funktionen
Neben der Speicherkapazität eines NAS sind weitere Eigenschaften wie beispielsweise die Taktfrequenz des Prozessors und die Größe des Arbeitsspeichers wichtig.
2.1 Festplatten
Sie können sich zwischen Geräten entscheiden, die mit oder ohne Festplatte ausgestattet sind. Geräte ohne Festplatten bieten den Vorteil, dass Sie selbst die Festplatten aussuchen können, die Ihren Ansprüchen gerecht werden. Abhängig von der Bauweise des NAS können Sie zwischen 2,5- oder 3,5-Zoll Festplatten wählen:
| 3,5 Zoll Schacht | 2,5 Zoll Schacht | |
|---|---|---|
| Festplatten-Typ: | Desktop-PC-Festplatten | Note- und Netbookfestplatten |
| Vorteil: | Schnellere Datenverarbeitung | Geringerer Stromverbrauch |
Der nutzbare Speicherplatz ist durch die maximale Speicherkapazität des NAS beschränkt: Sollte das Speichervolumen der eingebauten Festplatten diese überschreiten, kann das überschüssige Volumen nicht genutzt werden.
Wenn Sie eine Festplatte für Ihr NAS suchen, sollten Sie sich vorher unbedingt vergewissern, dass das Gerät kompatibel ist. Entsprechende Angaben finden Sie im Handbuch des Netzwerkspeichergerätes.
2.2 Prozessor und Arbeitsspeicher
Ein NAS benötigt für den Betrieb einen Prozessor und Arbeitsspeicher. Die benötigte Leistungsfähigkeit dieser Komponenten hängt dabei maßgeblich von der Art und Weise ab, wie Sie Ihr NAS hauptsächlich einsetzen:
- Einfache Datenverwaltung bedarf keiner High-End-Hardware
- Für das Streamen von Audio- oder Videoinhalten sollte das Gerät mit Dual Core-Prozessor und mindestens 4GB RAM Arbeitsspeicher gewählt werden.
Je mehr Informationen zur gleichen Zeit verarbeitet werden sollen, desto höhere Anforderungen werden an Prozessor und Arbeitsspeicher gestellt. So wird beispielsweise zum Kopieren von großen Datenmengen bei leistungsstarken Komponenten weniger Zeit benötigt. Beachten Sie jedoch, dass der Datendurchsatz oft durch die Übertragungsraten der Netzwerkschnittstelle beschränkt wird. Weiter gedrosselt werden Transferraten durch den gleichzeitigen Netzwerkzugriff durch mehrere Nutzer. Auch die Geschwindigkeiten der Festplatten beeinflusst die Schnelligkeit der Datenverarbeitung.
2.3 Anschlüsse
Bei der Zahl und Art der Anschlüsse sollten Sie vor allem auf eine USB-Schnittstelle Wert legen. So können Sie beispielsweise zusätzliche USB-Festplatten, Speichersticks oder einen Drucker mit dem NAS verbinden und den Netzwerknutzern zur Verfügung stellen. Beachten Sie hierbei, dass verschiedene USB-Standards unterschiedliche Geschwindigkeiten beim Datentransfer erreichen:
| USB 2.0 | USB 3.0 | USB 3.1 |
|---|---|---|
| 54 MB/s | 500 MB/s | 1,25 GB/s |
Ein weiterer wichtiger Anschluss ist die Ethernet-Schnittstelle, mit der das NAS in das Netzwerk eingebunden wird. Auch hier gibt es unterschiedliche Standards mit verschiedenen Transferraten:
| Ethernet | Fast Ethernet | Gigabit Ethernet |
|---|---|---|
| 10 Mbits/s | 100 Mbits/s | 1Gbits/s |
*Die Werte geben das technisch maximal mögliche Transfervolumen an, das bei der Verwendung im Alltag jedoch nicht erreicht wird.
In der Regel wird ein NAS in ein bestehendes Netzwerk eingebunden, indem es mit dem Router verbunden wird. Die Transferrate des Netzwerks wird von dem Gerät mit dem niedrigsten Durchsatz vorgegeben: Wenn Sie ein Speichergerät mit Gigabit Ethernet-Anschluss an einen Router anschließen, der lediglich Fast Ethernet unterstützt, steht Ihnen eine maximale Transferrate von 100 Mbits/s zur Verfügung.
2.4 Funktionen
Im Folgenden zeigen wir Ihnen die Funktionen, die ein NAS aufweisen sollte und welchen Nutzen Sie daraus ziehen können:
- FTP-Server: Sie können den Speicherplatz eines NAS als Webspeicher nutzen, sodass sich das Gerät als Online-Cloud einsetzen lässt.
- UPnP-AV Server: Ein NAS mit dieser Funktion kann Inhalte auf Fernsehern und anderen UPnP-kompatiblen Geräten („Universal Plug and Play") wiedergeben.
- Wake on LAN: Das NAS wird über die LAN-Schnittstelle nur dann aktiviert, wenn es benötigt wird und verbleibt andernfalls im Standby-Modus.
- Hot Swapping: Festplatten können im laufenden Betrieb des NAS ausgetauscht werden (wichtig für RAIDs).
2.5 RAID
Besonders wichtig ist die sogenannte RAID-Funktion („Redundant Array of Independent Disks“), die einen Zusammenschluss von mehreren Festplatten im Verbund bezeichnet. Die Vorteile bei einer solchen Verbindung von mehreren Speichermedien ist vor allem die sichere Speicherung Ihrer Daten. Je nach Modus fällt diese unterschiedlich aus:
| Modus | Anzahl der Festplatten | Funktion und Vorteil |
|---|---|---|
| RAID 1 | 2 | Auf jeder Festplatte werden dieselben Daten gespeichert, sodass der Speicherplatz halbiert wird. Beim Ausfall einer Platte werden die Daten vom anderen Medium gelesen. |
| RAID 5 | 3 | Die Kapazität einer der installierten Festplatten wird für die Datensicherung reserviert. Fallen zwei Speichermedien aus, sind die Daten jedoch verloren. |
| RAID 5+Spare | 4 | Hierbei werden zwei Festplatten für die Datensicherung eingesetzt. Fallen zwei der Medien aus, sind Ihre Daten jedoch nicht rekonstruierbar. |
| RAID 6 | 4 | Wie bei RAID 5+Spare werden zwei Festplatten für die Datensicherung reserviert. Der Vorteil ist, dass selbst beim Ausfall zweier Festplatten alle Daten gespeichert bleiben. Dies geht jedoch mit einer langsameren Datenverarbeitung als bei RAID 5+Spare einher. |
Darüber hinaus gibt es den RAID 0-Modus: Bei diesem Verfahren werden Anteile jeder Datei auf verschiedenen Festplatten gespeichert, sodass Daten schneller verarbeitet werden können. Beim Ausfall einer Festplatte sind jedoch alle Daten verloren. Für ein NAS ist dieser Modus nicht geeignet, da die Geschwindigkeit der Datenverarbeitung durch die Ethernet-Schnittstelle von vornherein beschränkt und die Erhöhung der Geschwindigkeit somit aufgehoben wird.
3. Empfehlenswerte Hersteller
Der Hersteller QNAP mit Hauptsitz in Taipeh bietet sowohl professionelle Unternehmenslösungen als auch NAS-Geräte für das Heimnetzwerk an. Auch die Produkte des Anbieters Synology zeichnen sich durch hohe Leistungsfähigkeit und Verarbeitung aus.
4. FAQ
Was ist ein RAID und welche Vorteile bietet es?
Ein RAID ist ein Zusammenschluss mehrerer Speichergeräte zu einem Medium. So können Sie dafür sorgen, dass Ihre gespeicherten Daten gesichert werden, um beim Ausfall einer Festplatte Datenverlust zu vermeiden. Je nachdem, für welchen RAID-Modus Sie sich entscheiden, kann der Zusammenschluss die Geschwindigkeit der Datenverarbeitung beeinflussen.
Welche Kriterien sind wichtig für ein möglichst schnelles Netzwerk?
Die Schnelligkeit der Datenverarbeitung hängt von Komponenten wie dem Prozessor und dem Arbeitsspeicher des NAS ab. Außerdem ist vor allem die Ethernet-Schnittstelle wichtig: Hier existieren unterschiedliche Standards , die sich durch verschiedene Datentransferraten unterscheiden. Die Komponente im Netzwerk, die den niedrigsten Standard aufweist, bestimmt die maximale Geschwindigkeit.
Was muss ich beachten, wenn ich eine Festplatte meines NAS austauschen möchte?
Stellen Sie zunächst fest, welche Festplatten-Baugröße Ihr NAS unterstützt: Hier kommen entweder 2,5- oder 3,5-Zoll-Geräte in Frage. Außerdem muss die Festplatte mit Ihrem Gerät technisch kompatibel sein. Die entsprechenden Angaben finden Sie in der Produktbeschreibung oder im Benutzerhandbuch des Netzwerkspeichergerätes. Wenn Ihr NAS das sogenannte Hot Swapping unterstützt, können Sie eine defekte Platte sogar während des Betriebs gegen ein neues Modell austauschen.
Wie kann ich einen Drucker mit meinem Netzwerk verbinden?
Falls Ihr Router einen USB-Anschluss aufweist, können Sie den Drucker mit diesem verbinden und durch die Installation für alle Nutzer des Netzwerkes bereitstellen. Eine andere Möglichkeit ist die USB-Verbindung des Druckers mit dem NAS. Das Netzwerkspeichergerät wird entweder über WLAN oder ein Kabel mit dem Router verbunden.
Können Programme auf dem NAS installiert werden?
Viele Geräte unterstützen die Installation von Sicherheitsprogrammen, die beispielsweise zur Systemwiederherstellung genutzt werden können. Entsprechende Hinweise finden Sie im Benutzerhandbuch oder in der Produktbeschreibung des Gerätes.





































