
Ratgeber Brettspiele
Brettspiele sind fester Bestandteil unserer Kultur und bieten nicht nur Spaß, sondern dienen darüber hinaus der kognitiven Entwicklung. Dabei ist das Spielen nicht nur Kindern vorbehalten: Auch Jugendliche, Erwachsene und ältere Menschen können Ihre geistigen Fähigkeiten mithilfe von Brettspielen erhalten und stärken. In diesem Ratgeber stellen wir Ihnen neben klassischen Spielen ausgewählte moderne Varianten vor und verraten Ihnen, woran Sie ein gutes Brettspiel erkennen.
1. Was sind Brettspiele?
Brettspiele bilden eine Unterkategorie der Gesellschaftsspiele. Im Gegensatz zu Karten- und Würfelspielen kommt bei Brettspielen ein Spielbrett oder Spielplan zum Einsatz. Dieser ist meist maßgeblich entscheidend für den Spielverlauf. Das Spielbrett kann entweder fest oder variabel sein und aus mehreren Teilen bestehen. Auf dem Brett werden meistens verschiedene Figuren oder Steine bewegt.
In Deutschland hat sich eine große Spielerszene entwickelt. Mit rund 350 neuen Spielen pro Jahr erscheinen hierzulande die meisten Brettspiele weltweit. Eine besondere Form des Brettspiels sind die sogenannten Autorenspiele. Bei diesen ist der Erfinder beziehungsweise Autor namentlich bekannt. Einige Spieleautoren befassen sich hauptberuflich mit der Entwicklung neuer Spielkonzepte und sind überaus erfolgreich. Dies spiegelt sich beispielsweise in den Verkaufszahlen der jeweiligen Spiele sowie den dazu erscheinenden Erweiterungen wider.
2. Klassische Brettspiele
Klassische Brettspiele haben eine lange Tradition. Die bekanntesten Varianten werden zum Teil weltweit – oft mit verschiedenen Regelvariationen – gespielt. Zu den beliebtesten klassischen Brettspielen zählen insbesondere:
- Schach
- Dame
- Mühle
- Backgammon
Häufig werden mehrere dieser Spiele zusammen in einer Spielesammlung angeboten. Um Ihnen die Klassiker näherzubringen, haben wir deren Grundregeln für Sie zusammengefasst.
2.1 Schach
Aufbau und Grundregeln des Schachspiels

- Zwei Spieler
- 8 x 8 Felder großes Spielfeld
- Pro Spieler 16 Schachfiguren: König, Dame, 2 Türme, 2 Springer (auch: Pferde), 2 Läufer, 8 Bauern
- Jede Figurenart hat ein anderes Bewegungsmuster
- Es wird abwechselnd in Zügen gespielt
- Ziel: Den gegnerischen König festsetzen, sodass er sich nicht mehr bewegen kann, ohne im nächsten Zug geworfen zu werden („schachmatt“)
2.2 Dame
Aufbau und Grundregeln des Damespiels

- Zwei Spieler
- 8 x 8 Felder großes Spielfeld (Variante „Dame 100“: 10 x 10)
- Pro Spieler 12 Spielsteine (Variante „Dame 100“: 20)
- Alle Steine stehen auf den dunklen Feldern
- Es wird in diagonalen Zügen bzw. Sprüngen gespielt
- Ziel: Alle gegnerischen Steine durch Überspringen aus dem Spiel entfernen bzw. so blockieren, dass kein weiterer Zug des Gegners möglich ist
2.3 Mühle
Aufbau und Grundregeln des Mühlespiels

- Zwei Spieler
- Spielfeld aus 3 ineinander liegenden Quadraten, Quadrate an Seitenlinien verbunden
- Pro Person 9 Spielsteine
- Eck- und Verbindungspunkte können mit Spielsteinen besetzt werden, auf den Linien wird gezogen
- Ziel: Durch das Bilden von Mühlen (3 Steine einer Person auf einer Linie) die gegnerischen Steine entfernen bis der Gegner nur noch 2 Steine besitzt oder kein weiterer Zug möglich ist
2.4 Backgammon
Aufbau und Grundregeln des Backgammon

- Zwei Spieler
- Spielbrett mit 24 Dreiecken
- Pro Person 15 Spielsteine, werden in vorgegebenem Aufbau auf dem Feld verteilt
- Mithilfe von Würfeln werden die eigenen Steine versetzt
- Gegnerische Steine können blockiert oder geworfen werden
- Ziel: Die eigenen Spielsteine durch Erreichen des Zielpunkts (Herauswürfeln) vom Spielbrett entfernen
3. Moderne Brettspiele
Neben den oben genannten Klassikern wurden im Laufe der Zeit viele neue Brettspiele entwickelt. Diese unterscheiden sich je nach Genre teilweise stark in Aufbau, Regeln sowie Spielverlauf. So gibt es beispielsweise Strategiespiele, bei denen man die eigenen Spielzüge vorausplanen kann. Teilweise sind die Züge und Strategien des Gegners dabei offen ersichtlich. Bei anderen Brettspielen muss man hingegen abschätzen, wie der Gegner seine Züge plant und ist daher auch auf sein Glück angewiesen. Darüber hinaus gibt es auch reine Glücksspiele, die beispielsweise nur durch das Ziehen von Karten oder durch Würfeln entschieden werden.
Zu diesen neuzeitlichen Brettspielen, von denen einige bereits als „moderne Klassiker“ bezeichnet werden können, zählen beispielsweise:
Darüber hinaus gibt es zu vielen dieser Spiele eine oder mehrere Ergänzungen. Diese beeinflussen beispielsweise den Spielverlauf oder erlauben es, mit mehr Personen als beim Basisspiel zu spielen.
Die Spiele Carcassonne und Die Siedler von Catan wurden als „Spiel des Jahres“ (Carcassonne 2001, Die Siedler von Catan 1995) ausgezeichnet. Beide wurden bislang in einer Millionenauflage verkauft und gehören somit zu den beliebtesten Brettspielen. In den folgenden Kapiteln stellen wir sie Ihnen exemplarisch vor.
Sowohl für Carcassonne als auch für Die Siedler von Catan sind diverse Erweiterungen erschienen. Diese beeinflussen den Spielverlauf sowie die mögliche Spieleranzahl.
3.1 Carcassonne
Spielinformationen:
- Autor: Klaus-Jürgen Wrede
- Spieleranzahl: 2 bis 5 (mit Erweiterungen mehr)
- Altersempfehlung: ab 10 Jahren
- Spieldauer: ca. 30 Minuten
- Verlag: Hans im Glück
- Auszeichnungen: Spiel des Jahres 2001
Bei Carcassonne handelt es sich um ein Spiel mit variablem Spielbrett, das bei jeder Partie neu und in abweichender Form aufgebaut wird. Dabei entsteht eine Landschaft, die aus unterschiedlichen Städten, Klöstern sowie Wiesen und Straßen besteht. Der Aufbau unterliegt jedes Mal der Taktik der Spieler, da das Spielfeld während des Spiels aufgebaut und erweitert wird.
Ziel des Spiels ist es, möglichst viele Punkte zu erzielen. Der wechselnde Aufbau des Spielbretts sowie die diversen Erweiterungen, die sowohl einzeln als auch als Set erhältlich sind, machen den besonderen Reiz von Carcassonne aus.
3.2 Die Siedler von Catan
Spielinformationen:
- Autor: Klaus Teuber
- Spieleranzahl: 3 bis 4 (mit Erweiterungen mehr)
- Altersempfehlung: ab 10 Jahren
- Spieldauer: ca. 75 Minuten
- Verlag: Kosmos
- Auszeichnungen: Spiel des Jahres 1995
Auch bei Die Siedler von Catan ist der Spielplan variabel und gestaltet sich immer neu. Allerdings wird das Spielbrett vor Beginn der ersten Runde verdeckt und dem Zufall nach aufgebaut. Somit ist das taktische Element beim Aufbau des Brettspiels dem Zufallsprinzip untergeordnet. Während des Spiels werden Dörfer, Städte und Straßen gebaut.
Die richtige Mischung aus Taktik (Wo baue ich was?) und Kommunikation (Wer tauscht was zu welchen Konditionen?) führt zum Erzielen möglichst vieler Siegpunkte und letztendlich zum Sieg. Auch für Die Siedler von Catan sind diverse Erweiterungen erschienen, die separat erhältlich sind.
4. Kritikerpreise
Der Spiel des Jahres e.V. vergibt jährlich drei unterschiedliche Kritikerpreise an deutschsprachige Karten- und Brettspiele:
- Spiel des Jahres
- Kennerspiel des Jahres
- Kinderspiel des Jahres
Dies sind die Auszeichnungen „Spiel des Jahres“, „Kennerspiel des Jahres“ und „Kinderspiel des Jahres“.
Mehr zu den jeweiligen Preisen haben wir im Folgenden für Sie zusammengefasst.
4.1 Spiel des Jahres
Dieser Preis wird seit 1979 von einer Jury des Spiel des Jahres e.V. vergeben. Dabei werden zunächst drei Spiele des aktuellen Jahrgangs auf eine Nominierungsliste gesetzt, von der der Preisträger ausgewählt wird. Bei der Wahl werden die folgenden Kriterien bewertet:
- Spielidee
- Spielregeln
- Layout
- Funktionalität des Spiels und des Spielmaterials
Neben dem „Spiel des Jahres“ wählt der Verein jedes Jahr weitere Karten- und Brettspiele aus, die auf eine Empfehlungsliste gesetzt werden. Diese Spiele werden von den Juroren generell empfohlen. Darüber hinaus wurde in den Jahren 1989 bis 2000 der „Sonderpreis Kinderspiel“ vergeben.
4.2 Kennerspiel des Jahres
Seit 2011 vergibt der Verein darüber hinaus den Kritikerpreis „Kennerspiel des Jahres“. Während beim Spiel des Jahres insbesondere Familienspiele berücksichtigt werden, richtet sich das Kennerspiel an erfahrenere Spieler, die besonderen Wert auf Komplexität legen und Spiele bevorzugen, die hohe Konzentration erfordern. Auch beim Kennerspiel wird zunächst eine Nominierungsliste mit drei Spielen veröffentlicht, aus denen später der Preisträger gewählt wird.
4.3 Kinderspiel des Jahres
Aus dem Sonderpreis Kinderspiel hat sich 2001 die Auszeichnung „Kinderspiel des Jahres“ entwickelt. Bei der Nominierung sowie der Vergabe wird ebenfalls wie bei den beiden anderen Preisen verfahren.
Im Folgenden stellen wir Ihnen die drei Preisträger aus dem Jahr 2016 vor.
4.4 Preisträger 2016
Im Jahr 2016 wurden diese drei Spiele für die beliebten Kritikerpreise ausgewählt:

Spiel des Jahres 2016: Codenames
- Autor: Vlaada Chvatil
- Spieleranzahl: 2 bis 8
- Altersempfehlung: ab 10 Jahren
- Spieldauer: ca. 15 Minuten
- Verlag: Heidelberger Spieleverlag

Kennerspiel des Jahres 2016: Isle of Skye
- Autor: Alexander Pfister, Andreas Pelikan
- Spieleranzahl: 2 bis 5
- Altersempfehlung: ab 8 Jahren
- Spieldauer: ca. 60 Minuten
- Verlag: Lookout Spiele

Kinderspiel des Jahres 2016: Stone Age Junior
- Autor: Marco Teubner
- Spieleranzahl: 2 bis 4
- Altersempfehlung: ab 5 Jahren
- Spieldauer: ca. 15 Minuten
- Verlag: Hans im Glück
5. FAQ
Ab welchem Alter können Brettspiele gespielt werden?
Brettspiele gibt es in unterschiedlichen Ausführungen. Einige Hersteller haben sich auf die Entwicklung von Brettspielen für kleine Kinder spezialisiert. Diese sind bereits ab einem Alter von circa einem Jahr zu empfehlen. Brettspiele für kleine Kinder finden Sie beispielsweise im Angebot der Marke HABA.
Was fördern Brettspiele bei Kindern?
Brettspiele machen nicht nur Spaß, sondern sind auch für die kindliche Entwicklung wichtig. Sie fördern beispielsweise die Hand-Augen-Koordination und die Konzentration. Darüber hinaus erlernen Kinder den Umgang mit Regeln. Außerdem werden die Kommunikation und der soziale Umgang beim Spielen gestärkt.
Was unterscheidet Brettspiele von anderen Gesellschaftsspielen?
Brettspiele bilden eine Unterkategorie der Gesellschaftsspiele und grenzen sich zu Würfel- und Kartenspielen ab. Der Unterschied liegt dabei im Spielbrett beziehungsweise Spielplan, der die Geschehnisse sowie den Spielablauf als zentrales Spielelement maßgeblich beeinflusst.





































