
Ratgeber Sicherheits- und Arbeitsschuhe
Um die Füße bei der Arbeit vor Verletzungen zu bewahren, sind Sicherheits- und Arbeitsschuhe mit speziellen Schutzvorrichtungen ausgestattet. Weitere Informationen finden Sie in diesem Ratgeber.
1. Unterschied zwischen Berufs-, Sicherheits- und Schutzschuhen
Wenn bei der Arbeit die Gefahr von Fußverletzungen besteht, ist das Tragen von speziellem Schuhwerk vonnöten. Je nach Sicherheitsanforderungen lassen sich diese in unterschiedlichen Schutzstufen differenzieren. Generell unterscheidet man zwischen Berufs-, Sicherheits- und Schutzschuhen.
Arbeitsschuhe für die Küche
- Berufsschuhe (nach DIN EN 347 bzw. 20347) gehören bei bestimmten Berufen zur typischen Arbeitskleidung, wie zum Beispiel in Kliniken oder Großküchen und erfüllen einen Mindestschutz. Sie verfügen beispielsweise über antistatische, durchtrittsichere, wasserdichte und profilierte Sohlen, haben aber keine Zehenschutzkappe.
- Schutzschuhe (nach DIN EN 346 bzw. 20346) sind mit einer Zehenkappe für hohe Belastungen ausgestattet, deren Schutzwirkung mit einer Energie von 100 Joule bei 10 Kilonewton geprüft wird.
- Sicherheitsschuhe (nach DIN EN 345 bzw. 20345) sind mit einer Zehenschutzkappe für hohe Belastungen ausgestattet. Deren Schutzwirkung wird mit einer Energie von 200 Joule bei einer Druckkraft von 15 Kilonewton< geprüft. Außerdem können Sicherheitsschuhe über weitere Eigenschaften wie Benzinresistenz, Wasserdichtigkeit und Wärme- beziehungsweise Kälteisolierung verfügen.
2. Schutzklassen
Sicherheitsschuhe sind je nach Ausstattung in verschiedene Schutzklassen eingeteilt. Bestimmte Kürzel geben die jeweiligen Klassen und weitere Eigenschaften an.
| Kürzel | Bedeutung |
|---|---|
| SB | Grundanforderungen: Zehenschutzkappe mit 200 Joule Energieaufnahme (kann im Fersenbereich offen sein) |
| S1 | Mit Zehenschutzkappe, geschlossener Fersenbereich, antistatisch und Energieaufnahme im Fersenbereich (nur für trockene Bereiche) |
| S1P | Wie S1, zusätzlich Durchtrittsicherheit (nur für trockene Bereiche) |
| S2 | Wie S1, zusätzlich bedingte Wasserdichtigkeit |
| S3 | Wie S2, zusätzlich Durchtrittsicherheit |
| S4 | Wie S2, aber als wasserdichter Stiefel |
| S5 | Wie S4, zusätzlich Durchtrittsicherheit |
Zusatzangaben:
| Kürzel | Bedeutung |
|---|---|
| A | antistatische Schuhe |
| C | leitfähige Schuhe |
| E | Energieaufnahme im Fersenbereich |
| P | Durchtrittsicherheit |
| M | Schutz des Mittelfußknochens |
| CR | Schnittfester Schaft |
| CI | Kälteisolierung |
| HI | Wärmeisolierung |
| FO | Öl- und benzinresistente Sohle |
| HRO | Hitzebeständigkeit gegenüber Kontaktwärme |
| WR | Beständigkeit des gesamten Schuhs gegen Wasserdurchtritt und Wasseraufnahme |
| WRU | Beständigkeit des Schuhoberteils gegen Wasserdurchtritt und Wasseraufnahme |
3. Wann Sie Sicherheitsschuhe tragen müssen
Sicherheitsschuhe Klasse S1
In vielen Berufszweigen ist das Tragen von Sicherheits- oder Arbeitsschuhen Pflicht: Dazu gehören vor allem die Industrie, das Baugewerbe, die Feuerwehr und der Rettungsdienst, aber auch Berufe wie Metzger oder Koch. Die Schuhe schützen vor Fußverletzungen zum Beispiel durch Anstoßen, Einklemmen, fallende Gegenstände oder durch das Treten auf spitze oder scharfe Gegenstände. Ob ein erhöhtes Risiko für Fußverletzungen besteht, entscheidet jeweils die betriebliche Gefährdungsbeurteilung. Entscheidend sind dabei vier verschiedene Gefährdungsarten:
- Mechanisch
- Elektrisch
- Chemisch
- Thermisch
Ob Sie in Ihrem Beruf spezielle Schuhe tragen müssen, erfahren Sie von Ihrem Arbeitgeber. Dieser ist laut §5 des Arbeitsschutzgesetzes verpflichtet, die Gefährdung des Arbeitnehmers zu ermitteln und ihm die erforderliche Sicherheitsausrüstung zur Verfügung zu stellen.
4. Arbeitsschuhe für verschiedene Berufe
Schnittschutzstiefel Klasse S3
Je nach Branche ergeben sich unterschiedliche Anforderungen an die Sicherheitsschuhe: So benötigen Elektriker für ihre Arbeit isolierende Sohlen, Holzarbeiter hingegen sind auf einen Kettensägenschutz angewiesen. In der folgenden Tabelle erhalten Sie einen Überblick über die gängigsten Sicherheitsanforderungen in unterschiedlichen Berufen.
Arbeitsbereich & Sicherheitsanforderungen
- Großküche
- Ausreichend fester Sitz (inkl. Fersenhalt)
- Geschlossener Zehenbereich
- Rutschhemmende Sohle
- Schutzklasse SB oder S1
- Kliniken und Praxen
- Rutschhemmende und stoßabsorbierende Sohle
- Atmungsaktives Leder
- Schutzklasse SB
- Baustellen
- Durchtrittsichere Schuhsole
- Zehenschutz
- Beständig gegen Wasserdurchtritt
- Schutzklasse S3
- Lager- und Montagehallen
- Zehenschutzkappe
- Durchtrittsichere und rutschfeste Sohle
- S1P oder S2
- Elektriker
- Isolierende Sohlen
- Schutzklasse S3
Hinweis: Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die richtige Sicherheitsklasse nicht pauschal bestimmt werden kann, sondern immer von den tatsächlichen Anforderungen der Tätigkeit abhängig gemacht werden muss. Der Arbeitgeber muss deshalb eine genaue Prüfung des Arbeitsumfeldes auf entsprechende Gefahren vornehmen.
5. FAQ
Was bedeutet Durchtrittsicherheit?
Sicherheitsschuhe mit einer durchtrittsicheren Sohle haben eine Zwischensohle aus Metall, zum Beispiel Stahl. Dies verhindert, dass sich spitze oder scharfe Gegenstände wie Schrauben, Nägel oder Glasscherben durch die Sohle bohren können.
Wer muss die Kosten für Sicherheitsschuhe übernehmen?
Das Tragen von Sicherheitskleidung, wie zum Beispiel ein Schutzhelm, Arbeitshandschuhe oder auch Sicherheitsschuhe, kann in vielen Arbeitsbereichen durch Unfallverhütungsvorschriften der Berufsgenossenschaften obligatorisch sein. Solche Vorschriften verpflichten den Arbeitgeber gegenüber dem Arbeitnehmer dazu, die entsprechende Schutzkleidung bereitzustellen und die Kosten dafür zu übernehmen.
Wann müssen Sicherheitsschuhe ausgetauscht werden?
Schutzbekleidung muss gepflegt und in einem ordnungsgemäßen Zustand gehalten werden. Wenn Zehenkappen, Sohlen oder Nähte jedoch nicht mehr einwandfrei sind, müssen Sicherheitsschuhe sofort ausgetauscht werden. Die Berufsgenossenschaft empfiehlt, die Sicherheitsschuhe spätestens nach einem Jahr auszutauschen, da die Beanspruchung bei täglichem Tragen über viele Stunden entsprechend hoch ist.
Gibt es Konsequenzen beim Nichttragen von Arbeitsschuhen?
Das Arbeitsschutzgesetz besagt, dass sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer bei Nichteinhaltung entsprechende Strafen drohen. Arbeitnehmer riskieren durch eine Verweigerung die Kündigung. Im Falle eines Unfalls droht sogar der Verlust des gesetzlichen Versicherungsschutzes.

































