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Kulinarisch Unterwegs / 14. Juni 2016

Deftig und bodenständig: So lecker ist die polnische Küche

Obwohl Polen mit 312.685 Quadratkilometern nicht viel kleiner ist als Deutschland (357.022 Quadratkilometer), leben dort noch nicht einmal halb so viele Menschen wie in der Bundesrepublik. Die etwas über 38 Millionen Polen wissen jedoch, wie man es sich gut gehen lässt: Die polnische Küche besticht durch ihre schlichte (aber keineswegs schlechte!) Hausmannskost.

Deftig und bodenständig: So lecker ist die polnische Küche
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Rustykalny i smaczny! (Rustikal und lecker!)

Herzhafte Speisen, die mit Lebensmitteln aus der Region zubereitet werden, haben in der polnischen Küche Tradition. Eintöpfe und Suppen, Teigtaschen und Klöße – Hauptsache, viel Geschmack! Unsere Nachbarn lieben es rustikal: Die polnische Küche hält vor allem für Fleischfreunde einige Spezialitäten bereit – auch Wild und Innereien dürfen nicht fehlen. Was in Frankreich die vielen Käsesorten sind, sind in Polen die unzähligen Wurstvariationen. Vor allem an der Ostseeküste wie in Pommern landet aber auch oft frischer Fisch auf dem Tisch: Hering, Dorsch oder Seelachs werden gegrillt, gebacken oder eingelegt – und zusammen mit Dillkartoffeln und in Butterbröseln geschwenktem Gemüse verzehrt.

Neben sauer eingelegten Gurken oder Pilzen spielen auch eingewecktes Obst sowie selbst gemachte Säfte und Schnäpse eine große Rolle. Der „Wutka“ (wie die klare Spirituose auf Polnisch ausgesprochen wird) gilt als das Nationalgetränk und wird meist pur getrunken. Das bekannteste Exportgut Polens ist der Żubrówka, ein Wodka, der aus Roggen hergestellt und mit Bisongras verfeinert wird.

Gut genährt durch den Tag: So essen die Polen

Schon morgens starten die Polen deftig in den Tag: Neben Rührei landen Würstchen, Käse und Wurst, schnittfester Quark, der ser biały, Tomaten oder Gurken auf dem Teller. Zu trinken gibt es wie in Deutschland Tee oder Kaffee. Bis zur Hauptmahlzeit des Tages behelfen sich die Polen mit einem süßen Gebäck, wie dem Hefeteilchen drożdżówka.

Am späten Mittag oder frühen Nachmittag wird dann warm gegessen. Die Polen lassen es sich nicht nehmen, drei Gänge aufzutischen: Als Vorspeise wird häufig eine Suppe, wie der barszcz (zu Deutsch Borschtsch), gereicht. Die klare Rote-Bete-Suppe, die meist mit den Maultaschenähnlichen pierogi serviert wird, gilt als polnisches Nationalgericht. Genauso darf auch der bigos in der polnischen Küche nicht fehlen: Der traditionelle Eintopf mit Sauerkraut, Fleisch, Wurst und Pilzen wird oft tagelang geschmort – bis er den richtigen Geschmack hat und den perfekten Hauptgang abgibt. Als Dessert rundet ein süßer Mohnkuchen (makowiec) oder pierogi mit fruchtig-süßer Füllung die Mahlzeit ab.

Gegen den Durst trinken die Polen mittags noch keinen wódka oder piwo (Bier) – zu dieser Zeit reicht man wie in der Ukraine kompot ein meist lauwarmes, verdünntes Erdbeer- oder Kirschmus. Auch Tee (herbata) passt wie in Großbritannien zu jeder Tageszeit: Am liebsten geben die Polen Zucker und Zitrone zum schwarzen Tee. Erst am Abend genehmigen sie sich ein paar Schlückchen feinster nationaler Brauerei- und Destillierprodukte. Dazu essen sie ähnliche Speisen wie bereits zum Frühstück.

Nationalgerichte aus der polnischen Küche    

Neben barszcz, bigos und pierogi finden sich in Polen noch viele weitere nationaltypische Speisen, die bodenständig und gleichzeitig raffiniert daherkommen. Dabei ist die polnische Küche von deutschen, ungarischen, russischen und jüdischen Einflüssen geprägt. Hier eine Übersicht über die wichtigsten Speisen:

Krakauer

Die kurze, dicke Räucherwurst hat längst grenzübergreifend Karriere gemacht. Deftig und lecker. Erfunden wurde die Wurst natürlich in Krakau, wo sie den Königen als ausgewiesene Delikatesse serviert wurde. Die „klassische“ Krakauer besteht etwa zu 80 Prozent aus magerem Schweinfleisch und zu rund 20 Prozent aus fettarmem Rinderbrät. Manchmal wird zusätzlich Speck untergemischt. Anschließend wird die Fleischmasse durch den Fleischwolf gedreht und mit Gewürzen wie Kümmel, Koriander und Pigment verfeinert.

Semmelbrösel

Die Polen lieben Semmelbrösel! Als „polnische Butter“ bezeichnet man deshalb auch in Butter kross gebratene Semmelbrösel, die über gekochten Blumenkohl und Kartoffelknödel gegeben werden.

Bigos

Das polnische Nationalgericht! Herzhaft und köstlich! Bigos ist ein Schmorgericht, in dem Sauerkraut, Weißkohl, getrocknete Pilze, Schweinefleisch und Speck die Hauptrollen spielen. Es heißt: Je länger der Bigos auf dem Herd steht, je mehr der Weißkohl von den deftigen Zutaten durchzogen wird, umso mehr wird der Krauttopf zur Gaumenfreude. Lust auf das köstliche Schmorgericht bekommen? Dann haben wir hier das Rezept für dich.

Flaki Wołowe

Die gute alte Kuttelsuppe war in Polen bereits im 17. Jahrhundert ein echter Hit und wurde als Imbiss auf der Straße verkauft. Die Kutteln (also in Streifen geschnittener Pansen vom Rind) werden mit Lorbeerblättern, Zwiebeln, Lauch und Möhren in Rinderbrühe zu einer deftigen Suppe geköchelt.

Kasza Gryczana

Die polnische Buchweizengrütze wird gebraten oder geröstet. Sie ist eine typische Beilage zu Schweine- und Rinderbraten und kommt in Polen häufig auf den Tisch.

Kopytka

Aus dem polnischen übersetzt heißt Kopytka „kleine Hufe“. Gemeint sind damit längliche, kleine Kartoffelklöße. Die Mini-Klöße sind eine beliebte Beilage und ein traditionelles Teigprodukt aus Polen. Zu einem eigenständigen Gericht mausern sie sich, wenn man ihnen Speck und glasierte Zwiebeln untermischt.

Żurek

Sauer macht lustig: Żurek ist eine saure Mehlsuppe, die mit wenigen Zutaten auskommen kann – aber nicht muss. Typischerweise gehören Kartoffeln und Gemüse oder getrocknete Pilze hinein. Die Suppe fand früher bei der armen Bevölkerung sehr viel Anklang, heute ist sie ein Oster-Gericht. Bei besonderen Anlässen wird sie zünftig in einem ausgehöhlten Brotlaib serviert.

Piroggen

Variationen von Piroggen gibt es in Polen wie Sand am Meer. Die schmackhaften Teigtaschen haben manchmal Süßes im Bauch (zum Beispiel gezuckerte Kirschen), oft jedoch sind sie mit Fleisch, Sauerkraut und Pilzen gefüllt. Ein weiterer Klassiker sind Pierogi ruskie: Mit Kartoffeln und Quark gefüllte Teigtaschen. Ein leckeres Rezept für herzhafte polnische Pierogi findest du hier.

Baigel

Ach, wer hätte das gedacht? Der Bagel - das Brötchen mit dem Loch - ist nicht etwa eine Erfindung aus Amerika. Nein, Polen kann es sich auf die Fahnen schreiben, den Bajgel erfunden zu haben. Die Legende geht so: Als 1683 Wien von den Türken belagert wurde, kam der polnische Reiterfürst Jan Sobieski den Österreichern zu Hilfe und verscheuchte die Belagerer. Um ihm zu danken, backte ein jüdischer Bäcker aus Wien, der das Rezept aus seiner Heimat Krakau kannte, ein rundes Brot. Er gab seinem Gebäck die Form eines Steigbügels. Tatsächlich wurde das Krakauer Rezept aber schon 1610 erwähnt.

Zubrowka

Wie schon erwähnt, mögen die Polen viel Fleisch und deftige Gerichte. Damit sich die herzhafte Küche leichter anfühlt, gibt’s nach dem Essen oft ein Gläschen Zubrowka. Ein polnischer Wodka aus Roggen und duftendem Mariengras (auch Bisongras genannt), das dem 40%-Wässerchen sein Waldmeisteraroma verleiht. Schon William Somerset Maugham schwärmte, dass „der Wodka einen Geschmack wie frisches Heu hat, wie Frühlingsblumen, Thymian und Lavendel, ungewöhnlich fein und weich. Trinkt man diesen Wodka, so überkommt einen das Gefühl der Glückseligkeit, wie beim Musikhören im Mondlicht…“

Heidelbeersuppe

Hier kommt zur Abwechslung mal was Leichtes auf den Tisch: Eine erfrischende kalte Suppe aus Heidelbeeren, Buttermilch und Vanille, die 20 Minuten vor dem Servieren ruhig noch mal in das Gefrierfach darf, um besonders cool auf dem Tisch zu laden. Ein herrliches Gericht für die warmen Sommermonate!Die biała kiełbasa beispielsweise erinnert an die typisch bayerische Weißwurst. Die Variante aus Polen wird jedoch mit Knoblauch und Majoran verfeinert und nicht aus Rind- oder Kalbfleisch, sondern aus Schweinefleisch hergestellt. Statt mit süßem Senf isst man die polnische Weißwurst mit chrzan (Meerrettich).