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Getränke / 30. Mai 2016

Alkoholfreier Wein: Berauschender Geschmack ohne Rausch

Schon die alten Ägypter kannten alkoholfreien Wein. Sie erhitzten Wein auf rund 80 Grad, ließen den Alkohol verdampfen – fertig war der rauschfreie Rebsaft. Schade nur, dass beim Erhitzen auch die typischen Wein-Aromen verloren gingen. Darum machte alkoholfreier Wein nach ägyptischer Art zwar keinen Kater, war aber auch alles andere als ein Genuss. Anders als vor 6.000 Jahren kann alkoholfreier Wein heute geschmacklich mit normalem Wein absolut mithalten. Der Charakter des originalen Ausgangsweins bleibt bei alkoholfreiem Wein erhalten. Grund dafür ist der „warme Alkoholentzug“, das heute gängige Herstellungsverfahren für Wein ohne Alkohol.

Alkoholfreier Wein: Berauschender Geschmack ohne Rausch
© robynmac – Fotolia.com

Der Trick mit dem Vakuum macht den Wein alkoholfrei

Dabei wird der Rebsaft schonend auf gerade einmal 27 Grad erwärmt. Der Trick: Der Entzug findet im Vakuum statt. Darum verfliegt der Alkohol schon knapp über Zimmertemperatur. Der typische Geschmack des Weins bleibt bei dieser schonenden Methode erhalten. Aromastoffe, die dennoch verloren gehen, werden aufgefangen und dem Getränk später wieder zugegeben. In Aussehen, Bouquet und Geschmack unterscheidet sich alkoholfreier Wein darum praktisch nicht mehr von normalem Wein.

Folglich hat alkoholfreier Wein entgegen mancher Vorurteile geschmacklich rein gar nichts mit Traubensaft gemein. Während Traubensaft schlicht aus frisch gepressten Trauben gewonnen wird, besteht alkoholfreier Wein aus komplett vergorenem Wein, dem der Alkohol entzogen wird – ein himmelweiter Unterschied.

Erfunden hat den schonenden Alkoholentzug ein Deutscher: Dr. Carl Jung aus Rüdesheim am Rhein, anno 1908. Mit keinem anderen Verfahren lässt sich Wein so schnell von Alkohol befreien. Und mit keiner anderen Methode, wie zum Beispiel dem Herausfiltern des Alkohols mittels einer feinen Membran, schmeckt alkoholfreier Wein auch nur annähernd so gut.

Riesling und Merlot fast „ohne Umdrehungen“

Mittlerweile gibt es von vielen Weiß-, Rot- und Roséweinen Varianten „ohne Umdrehungen“, darunter beliebte Sorten wie Cabernet Sauvignon, Merlot, Riesling, Grünen Veltiner und Chardonnay. Kein Wunder also, dass immer mehr Weinliebhaber gern einmal alkoholfreien Wein trinken, um einen klaren Kopf zu behalten.

Die Vorteile des alkoholfreien Rebsafts liegen auf der Hand: Autofahrer können sorglos einen Schoppen genießen, auch für Schwangere ist alkoholfreier Wein jederzeit erlaubt. Zudem enthält er alle gesundheitsfördernden Weinsubstanzen wie herzstärkende Tannine, aber deutlich weniger Kalorien als ein herkömmlicher Tropfen. Auch während einer Diät muss darum niemand auf das eine oder andere Glas verzichten.

Ganz frei von Alkohol ist allerdings auch alkoholfreier Wein nicht. Zwar wäre es problemlos möglich, den Alkoholgehalt komplett auf null zu reduzieren. Dennoch enthält das Getränk bis zu 0,5 Prozent. Das ist gesetzlich erlaubt und gut für Genießer. Denn ein bisschen hängt das typische Weinaroma eben doch am Alkohol – wie auch ein wenig Fett den Geschmack von Speisen intensiviert.

Mit seinem Restalkoholgehalt unter 0,5 Prozent steht alkoholfreier Wein übrigens auf einer Stufe mit Fruchtsäften, Kefir oder alkoholfreiem Bier. Auch diese Getränke enthalten in der Regel Spuren von Alkohol.

Das Lebensmittelgesetz schreibt lediglich vor, dass auf dem Etikett jeder Weinflasche der genaue Alkoholgehalt angegeben ist. Meist sind es bei alkoholfreiem Wein etwa 0,4 Prozent. Anders als bei herkömmlichem Wein findet sich hier auch ein Haltbarkeitsdatum. Wäre eigentlich gar nicht nötig: Rebsaft ohne Alkohol kann grundsätzlich genauso lange gelagert werden wie gewöhnlicher Flaschenwein, oft viele Jahre lang.