Filialdaten werden geladen.

Ihre Daten werden gesendet.
Nicht Ihre Filiale?
Ändern
Ihre Kaufland-Filiale

Ihre zuletzt gewählten Filialen
FamilienMomente / 05. August 2020

22 Still-Mythen – was ist wahr und was nicht?

Mama und Baby haben sich nach der Geburt gut erholt und langsam kehrt so etwas wie Alltag in die kleine Familie ein. Und auch, wenn das Stillen immer besser klappt, schwingt häufig noch ein bisschen Unsicherheit bei den Mamas mit. Vor allem bei zwar gut gemeinten, aber doch sehr vagen Ratschlägen ist es gut, diese auch mal zu hinterfragen. Unsere Hebamme Judith begibt sich mit Ihnen auf Faktencheck.

Hebamme Judith Fuchs

Hebamme Judith Fuchs klärt über Still-Mythen auf  

Die Muttermilch ist ein echtes Wunder der Natur und damit das Beste für Ihr Baby. Sie ist in ihrer Zusammensetzung perfekt auf die besonderen Ernährungsbedürfnisse Ihres Babys abgestimmt und liefert genau die richtige Menge an Energie und Nährstoffen. Deshalb empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) auch, Babys bis zum sechsten Monat voll zu stillen.

Die folgenden, klassischen Still-Mythen hat unsere Hebamme Judith Fuchs einmal unter die Lupe genommen.

1. Erst durch den Milcheinschuss ist Milch in der Brust vorhanden.

Das ist falsch! Bereits während der Schwangerschaft bildet sich die Erstmilch, auch Kolostrum genannt. Sie sieht dicker und gelblicher aus als reife Milch. Und auch die Zusammensetzung ist anders, da sie speziell auf die Bedürfnisse Ihres neugeborenen Babys abgestimmt ist.

2. Stillen tut weh. Wunde Brustwarzen sind normal.

Das ist falsch! Viele Mütter verspüren zwar ein leichtes Ziehen beim Ansaugen, das ist aber meist nur in den ersten Tagen und auch dann nur innerhalb der ersten Sekunden zu fühlen. Später kann es aber durch die ersten Zähnchen etwas schmerzhafter werden.

Wenn Sie dauerhaft Schmerzen beim Stillen haben oder unter wunden Brustwarzen leiden, sprechen Sie mit Ihrer Hebamme oder Stillberaterin darüber. Sie hat bestimmt ein paar gute Tipps und Tricks für Sie parat.

3. Stillen fördert die Bindung von Mutter und Kind.

Das stimmt! Stillen bildet die Grundlage der ersten Kommunikation und Verständigung von Mutter und Kind. Durch die regelmäßige körperliche Nähe kann die Mutter-Kind-Bindung gestärkt werden.

4. Zwischen dem Stillen müssen mindestens zwei Stunden Essenspause für das Kind liegen.

Das ist falsch! Ihr kleiner Sonnenschein kann die Muttermilch innerhalb von 60 bis 90 Minuten verdauen. Für Babys zwischen einem und sechs Monaten gibt es keine Norm dafür, wie oft Sie Ihr Kind am Tag stillen sollten. Manche Babys möchten nur acht Mal am Tag an die Brust, andere dagegen 13 Mal. Machen Sie das einfach von den Bedürfnissen Ihres Babys abhängig.

5. Durch Sport verändert sich der Geschmack der Milch.

Das ist falsch! Sportliche Betätigung hat keine Auswirkung auf den Geschmack der Milch. Jede stillende Mama darf gerne Sport treiben, wenn Sie das möchte. Wichtig ist, dass Sie vorab die Rückbildung abgeschlossen haben. Während der Stillzeit sollten Sie nur darauf achten, es erstmal langsam angehen zu lassen, damit sich Ihr Körper wieder an die sportliche Betätigung gewöhnt.

6. Die stillende Mutter muss für zwei essen.

Das ist falsch! Der Bedarf einer stillenden Mutter liegt bei etwa 200 bis 600 Kilokalorien mehr als sonst. Und selbst wenn eine frisch gebackene Mama in ihrem neuen Babyalltag nicht dazu kommt, ausreichend zu essen, so werden zunächst ihre Fettreserven abgebaut. Eine gut etablierte Milchbildung bleibt dabei auf dem gleichen Stand. Wichtig für Stillende ist also nicht, dass sie mehr als sonst essen, sondern, dass sie darauf achten, ausgewogene und gesunde Nahrung aufzunehmen.

7. Die Brustgröße ist verantwortlich für die Milchmenge.

Das ist falsch! Diese Aussage gehört zu den klassischen Mythen und Märchen. Die Größe der Brust hat rein gar nichts damit zu tun, wie viel Milch sie produzieren kann. Die Milchmenge zu Beginn der Stillzeit hängt von unterschiedlichen Faktoren wie der Stimulation der Brust, der hormonellen Situation und der Speicherkapazität ab. Mit der Zeit reguliert sich die Menge der Milch aber und wird durch das Prinzip von Angebot und Nachfrage bestimmt.

8. Muttermilch ist Superfood.

Das stimmt! Muttermilch bietet dem Säugling die beste Ernährung. Es hat sich tatsächlich herausgestellt, dass Kinder, die gestillt wurden, seltener unter Infektionen der Atemwege, des Magen-Darmtraktes und der Harnwege leiden. Außerdem soll die Muttermilch vor Übergewicht und chronischen Krankheiten schützen. Die Milch enthält eine Vielzahl an wichtigen Inhaltsstoffen – sie ist einzigartig und mit keinem anderen Nahrungsmittel vergleichbar. Ein echtes Superfood!

9. Es kann sein, dass Mütter nicht genügend Milch über den ganzen Tag haben.

Das ist eher falsch! Solange das Kind regelmäßig die Brust bekommt, wird in den meisten Fällen auch genügend Milch produziert.

10. Jede Frau kann stillen.

Nicht ganz! Rund 98,5 Prozent der Frauen können stillen. Gesundheitliche Probleme der Mutter oder auch anatomische Besonderheiten können dazu führen, dass nicht gestillt werden kann. Das ist aber sehr selten.

11. Das Baby muss immer an beiden Seiten trinken.

Das ist falsch! Manche Babys trinken immer an beiden Seiten, andere wiederum immer nur an einer. Wieder andere trinken mal eine und mal beide Seiten. Und manche Kinder trinken mehrmals an beiden Seiten. Solange Ihr Kind gesund und altersgemäß entwickelt ist, ist alles erlaubt!

12. Stillen führt zu Hängebrüsten.

Das ist falsch! Das Brustdrüsengewebe wächst unabhängig vom Stillwunsch bereits in der Schwangerschaft und verändert hierdurch die Brust. Neben der Schwangerschaft haben Alter und Bindegewebestruktur den größten Einfluss auf das Aussehen des Busens. Es kann einige Monate bis hin zu zwei Jahren dauern, bis sich nach der Schwangerschaft und Stillzeit das Drüsengewebe zurückbildet und wieder mehr Fett in der Brust eingelagert wird.

13. Stillen ist ein Verhütungsmittel.

Das ist falsch! Die Frage nach Sexualität und Verhütung nach der Geburt wird oft von großer Unsicherheit begleitet. Es heißt zwar, je häufiger und je intensiver gestillt wird, desto eher wird der Eisprung unterdrückt. Einen wirklich zuverlässigen Schutz bietet das aber nicht, da meist nicht alle nötigen Umstände wirklich vorhanden sind. Zum einen darf bei der Mutter nach der Geburt noch keine Regelblutung aufgetreten sein. Zum anderen muss das Baby seit der Entbindung ohne Unterbrechung – auch nachts – voll gestillt werden. Und zu guter Letzt darf der Nachwuchs noch nicht älter als sechs Monate sein. Dementsprechend sollten Sie nicht auf das Stillen als Verhütungsmethode setzen.

14. Wenn eine Frau erneut schwanger wird, darf sie nicht mehr stillen.

Das ist falsch! Auch wenn Sie erneut schwanger werden und parallel noch ein älteres Kind stillen, ist das weiterhin möglich. In der Schwangerschaft kann sich allerdings der Geschmack der Milch verändern, was manchmal dazu führt, dass das ältere Geschwisterkind nicht mehr trinken möchte.

Auch wenn das zweite Kind dann auf der Welt ist, können Sie beide Kinder stillen. Das ist das sogenannte Tandemstillen. Die Muttermilch ist übrigens immer an die Bedürfnisse des jüngsten Kindes angepasst.

15. Stillende dürfen keine blähenden Lebensmittel essen.

Das ist falsch! Experten sind sich einig, dass blähende Stoffe nicht in die Muttermilch übergehen. Sicher ist jedoch, dass Aromen wie Knoblauch oder Spargelgeschmack in der Milch nachweisbar sind.

16. Stillen führt zu Haarausfall.

Das ist falsch! Während der Schwangerschaft ist alles auf Erhalt angelegt. Der normale Haarausfall geht dadurch zurück. Circa drei Monate nach der Geburt ändert sich dies aufgrund der Beendigung der Schwangerschaft wieder. Das geschieht unabhängig vom Stillen. Dadurch wirkt es dann, als ob Sie unter Haarausfall leiden. Dabei hat sich Ihr Hormonhaushalt nun nur wieder auf das Level von vor der Schwangerschaft eingestellt, das bedingt auch den Haarausfall.

17. Wenn es draußen sehr heiß ist, reicht Milch allein nicht aus. Still-Babys sollten zusätzlich Tee oder Wasser bekommen.

Das ist falsch! Auch an heißen Sommertagen ist Muttermilch für Ihr Baby der perfekte Durstlöscher – denn sie besteht zu 85 Prozent aus Wasser.

18. Mit Brustimplantaten kann man nicht stillen.

Nicht ganz! Nur circa zwei Prozent der Frauen mit Brustimplantaten klagen über eine Einschränkung oder einen Verlust der Sensibilität in der Brustwarze, was das Stillen erschweren oder unmöglich machen kann. Grundsätzlich sind Brustimplantate nicht schädlich für das Baby und auch für das Stillen stellen sie kein Hindernis dar.

19. Nächtliches Stillen führt zu Karies beim Kind.

Das ist falsch! Im Gegensatz zum Flaschennuckeln führt nächtliches Stillen nicht zu Karies. Auch der Laktosegehalt der Muttermilch ist kein Risikofaktor dafür.

20. Stillende dürfen keine Zitrusfrüchte essen.

Nicht ganz! Früher gab es sehr strikte Einschränkungen für stillende Mütter. Heute wird empfohlen, sich ausgewogen zu ernähren und auszuprobieren, was das Baby verträgt und was nicht. Zitrusfrüchte und Früchte mit hohem Vitamin-C-Anteil können durchaus zu einem geröteten Babypopo führen, aber eventuell auch nicht. Hier gilt: Probieren Sie es gern aus und passen Sie Ihr Essverhalten entsprechend der Reaktion Ihres kleinen Sonnenscheins an.

21. Mütter müssen selbst viel Milch trinken, um Milch zu produzieren.

Das ist falsch! Früher dachte man, stillende Mütter müssten viel Milch trinken, um ausreichend Milch zu bilden. Die Wahrheit ist, dass Milch uns mit Kalzium und wichtigen Nährstoffen versorgt. Diese Versorgung kann aber auch durch eine ausgewogene Ernährung erreicht werden.

22. Wenn Stillende eine Brustentzündung haben, müssen sie abstillen.

Das ist falsch! Im Gegenteil, häufiges Stillen hilft bei der schnellen Heilung. Abstillen würde für einen Milchstau sorgen und alles noch schmerzhafter machen. Auch dem Kind wird nicht geschadet, wenn es trotz Entzündung weiter gestillt wird.