Filialdaten werden geladen.

Ihre Daten werden gesendet.
Nicht Ihre Filiale?
Ändern
Ihre Kaufland-Filiale

Ihre zuletzt gewählten Filialen
FamilienMomente / 03. April 2020

Der neue Familienalltag durch das Coronavirus

Das Coronavirus hat uns fest im Griff. Kontaktverbote, geschlossene Schulen und Kitas sowie Arbeiten aus dem Homeoffice wirbeln unseren Familienalltag gehörig durcheinander. Klar, dass auch Kinder die Veränderungen mitbekommen. Jennifer Günther, Elterncoach, gibt Ihnen Tipps, wie Sie den neuen Familienalltag meistern.

Eine Mutter umarmt ihr Kind

Familiensituation

Ein neuer Alltag geprägt von Unsicherheit

Elterncoach Jennifer Günther
Elterncoach Jennifer Günther

Gravierende Veränderungen machen gerade nahezu alle Menschen in Deutschland durch. Durch das Coronavirus sind wir noch stärker an das eigene Heim gebunden. Zum Beispiel arbeiten nun auch viele Menschen im Homeoffice, was Auswirkungen auf das Familienleben hat. Natürlich müssen Familien daher ihren Alltag neu strukturieren und organisieren.

Und nicht nur das: Gleichzeitig schwingt bei allem eine Unsicherheit mit. Denn keiner weiß, wie lange dieser Ausnahmezustand dauert und was er womöglich noch für Folgen hat. Elterncoach Jennifer Günther von milo Eltern- & Babykurse sieht ganz unterschiedliche Gefühle, die Familien nun durchleben: von absoluten Existenzängsten und nicht zu vereinbarenden Bedürfnissen bis hin zur absoluten Entspannungslage.

Und ganz wichtig – die vorhandenen Ängste und Probleme haben Auswirkungen auf die ganze Familie.

Gestaltung des neuen Alltags

Jede Familie sollte ihren Weg finden, mit diesem neuen besonderen Alltag umzugehen. In Familien, in denen es vorab keine klaren Regeln und Strukturen gab, macht es keinen Sinn, nun welche einzuführen. Denn es dauert womöglich viel länger, sich mit dem Einhalten der neuen Strukturen zu befassen, als einen funktionierenden Alltag mittels Routine entstehen zu lassen.

Es ist wichtig, dass Sie Ihren neuen Alltag vor allem authentisch umsetzen. Finden Sie als Familie heraus, was Sie jetzt genau brauchen und wie Sie dies umsetzen können. Bei manchen klappt das mit Regeln und Strukturen, bei anderen nicht. Schauen Sie, was zu Ihrer Familie und deren Wünsche passt. Obwohl wir alle in der gleichen Situation sind, kann man für diesen besonderen Alltag ganz unterschiedliche Ansätze wählen. Ich denke die Strategien liegen in jeder Familie selbst und man sollte als Familie gemeinsam überlegen, was zu einem passt und was glücklich macht. Denn die aktuelle Zeit zeigt uns sehr deutlich, dass die Familie das wirklich Wichtigste ist und wir unsere Familie schützen sollten. Jennifer Günthers Tipp

Wie gelingt die Beschäftigung der Kinder in dieser Zeit?

Haushalt, Arbeit und Kinderbetreuung. Auf Eltern kommt derzeit viel zu, was sie alles auf engstem Raum und parallel erledigen müssen. Natürlich kann man da nicht immer überall zur Stelle sein. Gerade Kinder verlangen nun viel Aufmerksamkeit – schließlich wollen sie mit Mama und Papa auch spielen, wenn alle zu Hause sind. Gerade für Alleinerziehende ist das eine zusätzliche Belastung. Fernseher, PC und Co. sollten auch nicht von morgens bis abends laufen – achten Sie auf einen bedachten Umgang mit den Medien.

Gönnen Sie sich Auszeiten

Binden Sie in den neuen Alltag ausreichend Auszeiten für sich selbst als Eltern ein. Nehmen Sie sich Zeit, auch das zu tun, was Ihnen selbst guttut.

Das kann natürlich bei jeder Person etwas anderes sein, ein Spaziergang, Yoga, Meditation oder einfach mal ein Telefonat mit der besten Freundin. Das hilft Ihnen auch in der Isolation in Kontakt zu bleiben, sich auszutauschen, aber auch sich zu bestärken, denn dann sehen Sie, dass es anderen genauso geht wie Ihnen. Jennifer Günthers Tipp

Umgang mit Coronavirus

Altersgerechte Einbindung der Kinder

Sie sollten nicht vergessen, dass selbst die Kleinsten schon mitbekommen, das sich Dinge nun verändern oder bereits verändert haben. Daher ist es umso wichtiger, dass Sie die Kinder entsprechend ihrem Alter bei der Thematisierung der aktuellen Geschehnisse mit einbinden.  

Ratschläge für das Gespräch mit den Kindern

  • Gespräch suchen und Gespräche anbieten
  • Aufklärungsvideos anschauen, zum Beispiel bei jüngeren Kindern die Corona-Aufklärung in Form einer Heldengeschichte erzählen
  • Veränderungen aber auch Vorteile hervorheben zum Beispiel der Kindergarten/Schule hat jetzt etwas länger geschlossen und die Mama spielt jetzt Lehrerin
  • Die gemeinsame Zeit aktiv nutzen und das Kind in den Alltag einbinden
  • Rituale und Strukturen können Kindern ebenfalls Sicherheit vermitteln
  • Tagespläne erstellen

Die Erklärgeschichte steht Ihnen auch als Download zur Verfügung:

familienmomente-erklaerungsstory-corona-kindergerecht.pdf (0.5 MB)
Abbildung der Frage „Was ist Corona?“
Abbildung eines Coronavirus-Erregers mit kurzem Erklärtext
Abbildung einer Weltkarte mit den Gebieten die vom Coronavirus betroffen sind
Abbildung eines niesenden Menschen, der einen anderen durch Tröpcheninfektion inifiziert
Abbildung der einzelnen Symptome die der Coronavirus hervorbringt
Abbildung einer Familie in einem Haus
Abbildung von zwei Ärten mit einer Schutzmaske

Isolation und Zukunftssorgen

Natürlich bekommen die Kinder auch mit, dass wir geliebte Menschen nun weniger sehen und die Routine durch die Zeit im Kindergarten nicht mehr haben oder dass vielleicht auch bei den Eltern die Stimmung angespannter ist. Auch, wenn jüngere Kinder nicht verbalisieren können, was das für sie bedeutet, haben diese Dinge dennoch Einfluss auf sie und ihren Alltag.

Ein klärendes Gespräch mit den Eltern wird erschwert, weil Kinder in sehr jungen Jahren nicht zukunftsorientiert denken können. Wie sollen Sie auch – denn selbst wir Erwachsene wissen gerade nicht, wie es weitergehen wird. Dennoch ist es wichtig, auch wenn es schwerfällt, Ihren Kindern so wenig Einblicke in Ihre persönliche Zukunftssorgen zu geben, wie möglich.

Versuchen Sie auch bei diesen Themen, mit Ihren Kindern spielerisch darüber zu sprechen. Vielleicht macht es Sinn, gemeinsam Pläne zu schmieden, was denn alles gemacht wird, wenn man die Oma das nächste Mal wiedersieht. Oder eine Liste anzulegen, mit Dingen auf die man sich freut, wenn endlich wieder der Kindergarten oder das Sporttraining beginnt. Jennifer Günthers Tipp

Digitales Kontakthalten

Dank der digitalen Möglichkeiten unserer heutigen Zeit können Sie Ihren Kindern natürlich das Kontakthalten mit Verwandten und Freunden etwas erleichtern. Auch wenn es nur ein kleiner Trost ist. Aber Kommunikationsprogramme und Apps wie WhatsApp, Skype und FaceTime ermöglichen es, zumindest mit den Großeltern oder der Sandkasten-Freundin zu sprechen und sie zu sehen. Vielleicht ist es auch für Ihre Familie eine Alternative.

Behalten Sie dabei Ihre Kinder unbedingt im Blick. Schauen Sie, ob es Ihrem Kind wirklich hilft, digital in Kontakt zu bleiben oder ob die Traurigkeit dadurch eher noch verstärkt wird. Ist Zweiteres der Fall sollten Sie in Zukunft dann eher davon absehen. Jennifer Günthers Tipp

Gemeinsame Arbeitszeit

Lernalltag und Homeoffice

Der neue Alltag bedeutet auch, dass Arbeits- und Schulaufgaben nun zu Hause erledigt werden müssen. Für viele Eltern ein Spagat – müssen Sie doch Ihre eigene Arbeitszeit genauso im Blick behalten, wie das Lernen beziehungsweise die Hausaufgaben Ihrer Kinder. Zwar gibt es online eine ganze Menge gut gemeinter Tipps, wie das gelingt und auch die Schule gibt Ratschläge, aber diese funktionieren nicht in jeder Familie.

Orientieren Sie sich an Ihrer eigenen Familie und schauen Sie, was Ihnen als Familie guttut. Es ist wichtig, sich selbst – als Eltern – und das Wohlergehen der Kinder nicht außer Acht zu lassen. Das heißt, für die einen ist es sinnvoll, dass ein strukturierter Arbeitsablauf und Routinen vorhanden sind. Für andere ist unter Umständen mehr Spielraum sinnvoll. So kann man zum Beispiel auch freie Tage einbauen und das Familienleben in den Mittelpunkt stellen. Sie haben die Lerninhalte bekommen, nicht aber einen Stundenplan, daher sollten Sie – zum Beispiel auch gemeinsam mit Ihrem Kind – entscheiden, wie und was gelernt wird.

Vielleicht macht es auch Sinn, Fächer oder Themenbereiche im Block abzubilden und nicht aufgeteilt auf einen Stundenplan wie in der Schule. Finden Sie mit Ihrer Familie Ihren Weg in dieser Zeit. Auch trotz des Lernalltags ist es wichtig, dass die emotionalen Erlebnisse im Mittelpunkt stehen sollten – denn das kann auf Ihr Kind langfristige Auswirkungen haben.“ Jennifer Günthers Tipp

Spielregeln fürs Homeoffice

Homeoffice mit Kindern ist häufig gar nicht so einfach umzusetzen – wer das bereits ausprobiert hat, kennt das bestimmt. Möglichkeiten, damit das Homeoffice dennoch klappt, gibt es so einige. Aber auch hier kann es natürlich von Familie zu Familie unterschiedlich sein, ob die Umsetzung funktioniert. Das Alter der Kinder sollte dabei auf jeden Fall berücksichtigt werden.

Kleine Hilfestellungen

  • Verabreden Sie Spielzeiten.
  • Nutzen Sie digitale Medien/Onlineangebote für die Kinder.
  • Wechseln Sie sich mit Ihrem Partner ab.
  • Denken Sie an die eigenen kleinen Auszeiten.

Auch Arbeitgeber sollten erkennen, dass die aktuelle Situation für Eltern eine absolute Belastungsprobe ist.

Es ist daher wichtig, dass Arbeitgeber den Eltern Mut zusprechen und sie darin bestärken, nicht alles  in dieser besonderen Situation schaffen zu müssen.   Jennifer Günthers Tipp

Rausgehen

Die frische Luft genießen – mit Abstand

Zum Glück gibt es in Deutschland bisher keine komplette Ausgangssperre. Frische Luft schnappen, draußen spielen und toben sind für Ihre Familie sehr wichtig, trägt es doch zum Wohlergehen Ihrer Kinder bei. Zudem ist Bewegung ein Grundbedürfnis Ihres Kindes und auch Kinderrecht. Planen Sie daher in Ihren Alltag unbedingt auch Zeit fürs Rausgehen ein. Fahren Sie mit Ihren Kindern zum Beispiel in den nächsten Wald, um sich dort so richtig auszutoben.

Kindern das Abstandhalten beibringen

  • erklären
  • vormachen
  • Bilder zeigen, auf denen Abstand gehalten wird

Mit Überforderung umgehen

Was zu tun ist, wenn einem „die Decke auf den Kopf fällt“

Genauso wie es nicht allen Erwachsenen leichtfällt, mit dieser neuen Situation umzugehen, können auch Kinder von der aktuellen Situation überfordert sein.  

In dieser Ausnahmesituation ist es wirklich wichtig, die eigenen Kinder genau im Blick zu haben und ein Gespür für Veränderungen zu entwickeln. Bleiben Sie mit Ihren Kindern emotional und verbal in Kontakt, auch um die Geschwisterrivalität zu vermeiden.

Zeigen Sie Ihren Kindern, dass es auch okay ist, jetzt traurig zu sein. Es ist eine besondere Zeit, die viele Umstellungen mit sich bringt, dementsprechend gehört auch Traurigkeit dazu. Das gilt übrigens auch für Sie selbst. Geben Sie Ihren Kindern, aber auch sich selbst Zeit, damit klarzukommen.

Wir dürfen nicht vergessen, dass es uns alle doch sehr unvorbereitet getroffen hat. Und besonders spontane Ereignisse brauchen einfach Zeit, um verarbeitet und verstanden zu werden.

Der neue Alltag lässt sich gut mit den Phasen einer Trennung vergleichen:

  1. Phase: Verdrängungsphase – das glaube ich alles nicht
  2. Phase: Verzweiflung und Gefühlschaos
  3. Phase: Neuorientierung – ich akzeptiere das
  4. Phase: auf zu neuen Ufern

Nehmen Sie jede Phase an und achten Sie in dieser Zeit auf sich.

Tipps zur Deeskalation

Alle sind zu Hause, sitzen sehr eng aufeinander und müssen den Familienalltag und mehr unter einen Hut bringen. Klar, dass es dann auch einmal zu Streit und kleinen Auseinandersetzungen kommt.   

  • Bleiben Sie im Gespräch mit Ihren Familienmitgliedern.
  • Bewegen Sie sich in der Natur.
  • Nutzen Sie Online-Bewegungsangebote.
  • Holen Sie sich schöne Bastel- oder Spielideen.
  • Nutzen Sie Online-Beratungsangebote.

Zurück in die Normalität

Was passiert nach der Krisenzeit?

Irgendwann werden wir wieder in den normalen Alltag zurückkehren. Wie viel Sie von dem, was Sie in dieser besonderen Zeit eingeführt haben, mit in die „Normalität“ nehmen, ist Ihnen überlassen.

Was wird gewünscht und was kann man gemeinsam machen? Finden Sie es zusammen heraus. Denn die jetzige Situation ist geradezu ideal dafür, den intensiven Kontakt für eine bessere Kommunikation zu nutzen. Was Sie sich aber auf jeden Fall vornehmen sollten, ist, auch in dieser besonderen Zeit Erlebnisse zu schaffen, die in schöner Erinnerung bleiben. Jennifer Günthers Tipp

Unterstützungsangebote

Wichtige Telefonnummern

Sollten Sie selbst einmal nicht weiterwissen oder irgendeine Art von Unterstützung brauchen, so gibt es verschiedene Ansprechpartner, die Ihnen telefonisch helfen können. Das gilt übrigens nicht nur in Zeiten des Coronavirus, sondern immer:

  • Nummer gegen Kummer – Kinder- und Jugendtelefon – 116111
  • ENummer gegen Kummer – Elterntelefon – 08 00 / 1 11 05 50
  • Hilfetelefon – Schwangere in Not – 08 00 / 4 04 00 20
  • Hilfetelefon – Gewalt gegen Frauen – 8 00 / 0 11 60 16

Zudem gibt es den Kinderzuschlag für Familien mit kleinem Einkommen: https://con.arbeitsagentur.de/prod/kiz/ui/start. Durch Coronavirus wurde dieses Angebot um den Notfall-KiZ (Kinderzuschlag) erweitert, um Familien bei den organisatorischen und finanziellen Veränderungen zu unterstützen. Auch hierzu gibt es auf der Seite der Arbeitsagentur mehr Informationen.