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FamilienMomente / 05. Januar 2021

Wissenswertes über den Kaiserschnitt

Was ist ein Kaiserschnitt? Wann muss er zwingend, wann kann er auf Wunsch der Eltern durchgeführt werden? Hier finden Sie alle Informationen rund um die Operation und ihre möglichen Risiken für Mutter und Kind.

Schwangere Frau sitzt mit Kliniktasche auf dem Bett

Wissenswertes

Alles über die Operation

In Deutschland kommt circa ein Drittel der Kinder per Kaiserschnitt zur Welt. Während die Operation früher nur in medizinisch notwendigen Situationen durchgeführt wurde, ist sie mittlerweile ein routinemäßiger Eingriff, der sogar auf Wunsch planbar ist.

Was ist ein Kaiserschnitt?

Ein Kaiserschnitt ist eine Bauchoperation, bei der durch einen Schnitt in Bauchdecke und Gebärmutter ein Kind auf die Welt gebracht wird. Es wird zwischen drei verschiedenen Kaiserschnitten unterschieden:

  • Primäre Sectio: Hierbei handelt es sich um einen geplanten Kaiserschnitt. Dieser ist medizinisch begründet und wird vor dem Einsetzen der Wehen durchgeführt. Dazu wird geraten, wenn die Gesundheit von Mutter und Kind gefährdet ist und eine natürliche Geburt ein erhöhtes Risiko darstellt.
  • Sekundäre Sectio: Hat die natürliche Geburt bereits begonnen und treten Komplikationen auf, kann es zu einem Kaiserschnitt kommen. Dieser wird vorgenommen, wenn während der Geburt die Gesundheit von Mutter und Kind unvorhersehbar gefährdet wird. 
  • Kaiserschnitt auf Wunsch: Ein Kaiserschnitt auf Wunsch erfolgt in der Regel aufgrund persönlicher Gründe der Mutter. Hier können beispielsweise Angst vor Verletzungen bei einer vaginalen Geburt und schlechte Geburtserfahrung eine Rolle spielen. Einige Frauen haben den Wunsch, den Termin zu planen. Die WHO weist jedoch darauf hin, dass ein Kaiserschnitt ohne medizinische Gründe mehr Nach- als Vorteile hat und nur im Notfall durchgeführt werden sollte.

Medizinische Gründe für einen Kaiserschnitt

Hier wird zwischen absoluten und relativen Gründe unterschieden:
 
  • Eine absolute Indikation liegt vor, wenn eine Geburt ohne Gefährdung der Gesundheit nicht möglich ist. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn ein Kind quer liegt, die Mutter Beckenfehlbildungen aufweist oder die Gebärmutter droht, einzureißen. Außerdem spricht man von einer absoluten Indikation, wenn der Mutterkuchen sich vorzeitig ablöst oder falsch liegt, ein Missverhältnis zwischen Größe des Kindskopfes und dem Becken der Mutter vorliegt oder Schwangerschaftsbluthochdruck zu Krampfanfällen führt.
  • Von einer relativen Indikation spricht man hingegen, wenn das Gewicht über 4500 Gramm liegt, eine Mehrlingsschwangerschaft vorliegt, die Herztöne des Kindes auffällig sind, das Kind in Beckenendlage liegt, es zu einem Geburtsstillstand oder zu einem verlängerten Geburtsverlauf kommt. Weitere mögliche Gründe sind eine vorhergehende Operation, eine übermäßige Erschöpfung der Mutter oder auch ein vorhergehender Kaiserschnitt. Denn dies kann einen weiteren notwendig machen. 

Ablauf  

Das passiert bei einer Kaiserschnitt-Operation

Da der Kaiserschnitt mittlerweile Routine ist, ist auch der Ablauf sehr klar. Zudem ist diese Operation die einzige, bei der Angehörige dabei sein dürfen.

Vorbereitungen auf den Kaiserschnitt

Um eine Patientin auf einen Kaiserschnitt vorzubereiten, wird sie mit leicht gespreizten Beinen auf den Rücken gelegt und mit sterilen Tüchern abgedeckt. Einzig der Bereich, an dem der Bauch aufgeschnitten wird, bleibt frei, wird desinfiziert und von Haaren befreit. Weiterhin wird ein Tuch zwischen den Kopf der Patientin und der eigentlichen Operation gespannt, damit sie den Eingriff nicht sehen kann.

Der Frau wird ein Blasenkatheter gelegt, da es nach solch einem Eingriff oft zu Problemen beim Wasserlassen kommen kann. Außerdem wird so verhindert, dass die Blase während der OP verletzt wird. Ein Katheter ermöglicht der Frau das Wasserlassen nach dem Kaiserschnitt, da sie erstmal nicht aufstehen kann, um auf die Toilette zu gehen.  

Narkose

In den meisten Fällen ist eine Vollnarkose nicht nötig, sondern es wird eine örtliche Betäubung, eine sogenannte Regionalanästhesie, durchgeführt. Hierbei unterscheidet man zwischen einer Spinalanästhesie, die bei Operationen am Unterbauch, Leiste, Damm und Beinen üblich ist, und einer Periduralanästhesie, abgekürzt PDA. Letzere ist die erste Wahl zur Linderung der Wehenschmerzen bei einer Entbindung. Bei der PDA werden die Nerven im Rückenmark betäubt.

Die örtlichen Verfahren werden vorgezogen, da sie für die Kinder ungefährlicher sind. Eine Vollnarkose wird besonders bei ungeplanten Kaiserschnitten angewandt. Sie wird soweit es geht vermieden, da das Narkosemittel in den kindlichen Blutkreislauf gelangen kann. Ist eine Narkose dennoch nötig, wird sie so kurz wie möglich gehalten und erst eingesetzt, wenn der Chirurg den Bauch der Mutter desinfiziert und steril abgedeckt hat.  

Operation

Beim Kaiserschnitt wird in der Regel der sogenannte Pfannenstil-Schnitt vorgenommen. Dieser ist etwa acht bis zwölf Zentimeter lang und verläuft quer am Unterbauch, einige Zentimeter über der Schambeinfuge. Um eine unschöne Narbe bestmöglich zu vermeiden, setzt der Arzt den Schnitt an der Bikinifalte an, da sie dort am wenigsten auffällt.

Nach dem Öffnen schiebt der Arzt die Harnblase zur Seite, sodass er freie Sicht auf die Gebärmutter erhält. Diese wird aufgeschnitten und das Kind rausgeholt. Die Nabelschnur wird durchtrennt, das Baby von einer Hebamme in ein warmes Handtuch gewickelt und an die Eltern übergeben. Der Arzt entnimmt den Mutterkuchen und vernäht die Gebärmutter sowie die Bauchwand.

Wie lange der operative Eingriff dauert, ist von Patientin zu Patientin verschieden. In der Regel ist der Eingriff nach 15 bis 30 Minuten beendet.  

Dauer des Krankenhausaufenthaltes

Die Naht des Kaiserschnitts verheilt innerhalb von acht bis vierzehn Tagen, der Krankenhausaufenthalt ist im Durchschnitt circa vier bis sieben Tage lang. Handelt es sich um einen Notkaiserschnitt, kann ein längerer Klinikaufenthalt notwendig sein.  


Risiken

Für Mutter und Kind

Wie bei anderen Operationen gibt es auch beim Kaiserschnitt Risiken für Mutter und Kind. Immerhin handelt es sich hierbei um einen großen medizinischen Eingriff.  

Risiken für die Mutter

Folgende Risiken können bei einem Kaiserschnitt für die Mutter entstehen:

  • Erhöhter Blutverlust tritt auf.
  • Eine Infektion durch Bakterien kann zu Fieber führen. Oft werden deswegen präventiv Antibiotika verabreicht.
  • Es enstehen Verletzungen am Gewebe, zum Beispiel an Darm, Blutgefäßen oder Blase.
  • In manchen Fällen verheilt die Schnittwunde nicht gut. Dadurch können in der Folge schmerzende und unschöne Narben entstehen.
  • Eine Narkose ist nie ohne Risiko und kann zu Komplikationen führen. Nicht immer wird sie gut vertragen, da die Mutter beispielsweise eine Allergie gegen Medikamente haben kann.
  • Wie bei jeder Operation ist das Thromboserisiko deutlich erhöht, da sich bei einer längeren Bettruhe Blutgerinnsel bilden können.  

Risiken für das Kind

Insgesamt sind die Risiken eines Kaiserschnitts für Kinder geringer als für Mütter. Einige wenige bringt er jedoch trotzdem mit sich:

  • Die vaginale Geburt sorgt durch Druck dafür, dass das Fruchtwasser vollständig aus der Lunge des Kindes gepresst wird. Bei einem Kaiserschnitt bleibt dies aus, wodurch Atemprobleme auftreten können, da sich möglicherweise noch Flüssigkeit in den Lungen befindet.
  • Schläfrigkeit und verzögerter Atmungsbeginn durch eine Vollnarkose der Mutter können beim Neugeborenen auftreten.
  • Kleine Schürf- und Schnittwunden entstehen in manchen Fällen.

Nach der Operation

Was muss nach dem Kaiserschnitt beachtet werden?

Als operativer Eingriff hat der Kaiserschnitt Auswirkungen auf das Leben nach der Operation. Um eine gute Heilung zu ermöglichen, müssen ein paar Dinge beachtet werden.

Schmerzen nach der Operation

Auch wenn der Einschnitt in der Regel innerhalb von zwei Wochen verheilt, kann das Gewebe um die Narbe noch länger empfindlich sein und bei Berührungen wehtun. Besonders direkt nach der Operation sind Bewegungen, die die Bauchdecke belasten, zum Beispiel Aufstehen, Husten oder Niesen, schmerzhaft.

Rückbildung

Sobald die Narbe vollständig verheilt ist und auch bei Berührungen keine Schmerzen mehr auftreten, kann mit der Rückbildung, zum Beispiel durch eine Massage von der Hebamme, begonnen werden. Diese trägt positiv zur Rückbildung der Gebärmutter bei, unterstützt die Darmtätigkeit, den Wochenfluss und entspannt die Mutter. Ab circa acht Wochen bis vier Monate nach der Geburt ist es außerdem an der Zeit, Rückbildungsgymnastik zu machen, um Bauch und Beckenboden zu kräftigen. Weitere Informationen zum Thema Rückbildung finden Sie hier.

Nachwehen

Unter Nachwehen versteht man ein krampfartiges Zusammenziehen der Gebärmutter. Auch nach einem Kaiserschnitt können Nachwehen auftreten. Sie unterstützen die Rückbildung, indem totes Gewebe abgestoßen und die Blutung aus der Gebärmutterschleimhaut gestillt wird. 

Stillen nach dem Kaiserschnitt

Stillen nach einem Kaiserschnitt hilft bei der seelischen Verarbeitung des Eingriffs, denn dabei werden Hormone ausgeschüttet, welche die Mutter-Kind-Bindung unterstützen. Es empfiehlt sich, Haltungen einzunehmen, bei denen die Bauchnaht nicht berührt oder unnötig gereizt wird. Stillen im seitlichen Liegen empfinden viele Frauen nach dem Kaiserschnitt als unangenehm, weil der Bauch zur Seite fällt. Mehr Informationen zum Thema Stillen finden Sie in unserem FamilienMoment.

Duschen und Baden

Sobald der Kreislauf wieder stabil ist, darf geduscht werden: Dies ist meistens ungefähr am dritten Tag nach dem Eingriff der Fall. Wichtig ist, dass die Bauchnaht nicht mit Seife, Duschgel oder ähnlichem in Berührung kommt. Baden hingegen ist erst erlaubt, wenn der Wochenfluss vorbei ist, da es bei Kontakt von Wunde und Wochenfluss zu einer Infektion kommen kann. Weitere Informationen zum Thema finden Sie in unserem FamilienMoment zur Hygiene nach der Geburt.

Pflege für die Narbe

Auch wenn der Schnitt an der Bikinifalte sitzt und so kein ästhetisches Problem darstellt, sollte die Narbe regelmäßig gepflegt werden. Es empfiehlt sich, sie großzügig mit Narbensalbe zu massieren, um die Schädigung des Gewebes so gering wie möglich zu halten und die Durchblutung anzuregen.

Sex nach dem Kaiserschnitt

Sex nach einem Kaiserschnitt ist ein sehr individuelles Thema, von Frau zu Frau variiert die Haltung hierzu. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass es hierbei kein „normal“ gibt. Manche Paare haben eine Woche nach der Entbindung bereits wieder Sex, bei manchen dauert es bis zu einem Jahr. Der Durchschnitt liegt bei drei Monaten.

Müdigkeit und Erschöpfung sind im Wochenbett vollkommen normal, weswegen bei vielen Frauen die Libido in dieser Zeit oft nicht ausgeprägt ist. Ist Lust auf Sex da, ist es wichtig, dass die Narbe vollkommen verheilt ist, da diese sonst aufreißen könnte. Es ist außerdem unabdinglich, dass ein Kondom benutzt wird, um eine Infektion zu vermeiden. Lesen Sie mehr dazu in unserem FamilienMoment „Sex nach der Geburt”.


Vor- und Nachteile

Das spricht gegen und für einen Kaiserschnitt

In der folgenden Liste haben wir die Pro und Contras zum Kaiserschnitt nochmals aufgeflistet.

 

Vorteile

Nachteile

keine Verletzungen wie Dammrisse

 

Risiken für spätere Schwangerschaften: Durch das Öffnen der Gebärmutter können Risiken für spätere Schwangerschaften und Geburten entstehen, zum Beispiel das Reißen der Gebärmutter oder ein falsches Zusammenwachsen des Mutterkuchens und der Gebärmutter  

keine Dehnung der Vagina und somit keine Beeinträchtigung im sexuellen Lustempfinden

 

Stillprobleme: Mutter und Kind sind nach einem Kaiserschnitt oft länger oder häufiger getrennt. Dies kann den Stillbeginn beeinträchtigen, da der Milcheinschuss später kommt. Zusätzlich können Wundschmerzen auftreten, die das Stillen erschweren.

Planbarkeit des Geburtstermins

Fehlende Keimbesiedelung: Es wird diskutiert, dass sich ein Kaiserschnitt negativ auf die Gesundheit eines Kindes auswirken kann. Kinder, die per Kaiserschnitt geboren wurden, bekommen häufiger Erkrankungen, die mit dem Immunsystem zusammenhängen, wie beispielsweise Asthma, eine Infektion der Atemwege oder des Magen-Darm-Trakts sowie Gelenkentzündungen. Dies wird dadurch begründet, dass sich bei einem Kaiserschnitt die Bakterienflora des Geburtskanals nicht auf das Baby übertragen kann, wie es im Gegensatz dazu bei einer vaginalen Geburt der Fall ist.

Risiko für Komplikationen bei Kindern ist bei einem Kaiserschnitt geringer: Die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind Verletzungen am Kopf oder den Schultern bekommt oder unter Sauerstoffmangel leidet, ist geringer.

Seelische Folgen bei Müttern: Kommt ein Kaiserschnitt überraschend, kann bei einer Mutter das Gefühl eintreten, dass sie versagt oder eine normale Geburt nicht geschafft hat. Wehen bereiten Körper und Seele psychisch und hormonell auf eine Geburt vor, lösen Euphorie aus und lassen über Schmerzen hinwegsehen. Dieses fehlende Geburtserlebnis kann bei Müttern und auch Vätern zu einer tiefen Traurigkeit führen.

 

 

Bei einem Kaiserschnitt ist es wichtig, dass das Baby direkt nach der Geburt zu der Mutter kommt. Da ist es schön warm, es spürt den gewohnten Herzschlag der Mutter und die Hormonausschüttung wird angeregt, was für die Milchbildung und die Mutter-Kind-Beziehung wichtig ist. Wenn Frauen nach einigen Wochen immer noch ein Taubheitsgefühl in dem Bereich um die Kaiserschnittnarbe spüren, ist das ganz normal. Sie sollten auch nach einem Kaiserschnitt unbedingt Rückbildungsgymnastik durchführen! Schließlich wird der Beckenboden nicht nur durch eine vaginale Geburt belastet, sondern schon in der Schwangerschaft.
Hebamme Judith Fuchs