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FamilienMomente / 25. Juni 2020

Blähungen beim Baby: Was hilft wirklich?

Blähungen können beim Baby auftreten, wenn es zu viel Luft schluckt. Mit unseren Tipps und Tricks lernen Sie nicht nur Methoden kennen, um Blähungen zu vermeiden. Wir verraten Ihnen auch tolle Hinweise und Hausmittel, um bei Blähungen Abhilfe zu schaffen.

Vater nimmt Baby in den Fliegergriff

Ursachen

So entstehen Blähungen

Blähungen können bei Babys häufiger auftreten – gerade in den ersten Lebensmonaten. Im Bauch sammelt sich aus verschiedenen Gründen zu viel Luft, die ihr kleiner Körper nicht schnell genug abbauen kann. Zudem ist es möglich, dass sich die Luft staut, wenn beim Bäuerchen oder Pupsen keine oder nicht genügend Luft entwichen ist. Die Ursachen für Blähungen sind vielfältig.

Luftaufnahme beim Weinen, Trinken und Atmen

In den häufigsten Fällen gelangt die Luft beim Trinken – vor allem aus dem Fläschchen – in den Körper des Kindes. Aber auch wenn es atmet oder weint kann es zu viel Luft mit aufnehmen – und schon kämpft es mit einem Blähbauch und den damit verbundenen Schmerzen.

Noch nicht ausgereiftes Verdauungssystem

So lange ist Ihr kleiner Sonnenschein noch nicht auf der Welt, dementsprechend steht seinem Körper einiges an Wachstum und Entwicklung bevor. Davon betroffen ist auch sein Verdauungssystem, denn dieses ist so kurz nach der Geburt noch nicht vollständig ausgereift. Der kleine Körper produziert in dieser Anfangszeit meist noch nicht genügend Verdauungsenzyme und auch die Darmflora ist noch nicht stabil. Dadurch kann der Körper noch nicht mit der vielen Luft umgehen, was zu leichten Schmerzen führt.

Kuhmilch verträgt nicht jeder

Verzichten Sie in der Anfangszeit auf jeden Fall auf Kuhmilch! Manche Kinder reagieren darauf allergisch, was zu Blähungen oder allgemeinen Bauchschmerzen führen kann. Generell sollten Babys frühestens ab dem sechsten Monat Kuhmilch im Babybrei bekommen, jedoch nie als Milchersatz im Fläschchen.


Abhilfe

Was hilft, wenn Ihr Baby Blähungen hat?

Infografik: Hebammentipps gegen Blähungen beim Baby

Wenn Ihr Nachwuchs weint und sich windet, weil sein Bäuchlein schmerzt, gibt es einige Tricks und Tipps, um Ihrem Kind Gutes zu tun.

Bäuerchen machen

Damit das Aufstoßen gelingt, ist es wichtig, nach jeder Mahlzeit ein „Bäuerchen“ zu provozieren. Das richtige Vorgehen ist dabei sehr wichtig – wählen können Sie zwischen drei Varianten:

  • Klassische Schulterlage: Legen Sie Ihr Kind an Ihre Schulter. Sein Kopf sollte sich über der Schulter befinden. Die Armbeuge kann den Po abstützen. Fahren Sie sanft mit Ihrer Hand am Rücken auf und ab. Alternativ können Sie auch mit der freien Hand leicht auf den Rücken des Babys klopfen, damit die Luft entweicht.
  • Fliegergriff: Legen Sie Ihr Baby auf Ihren Unterarm. Sein Köpfchen liegt in Ihrer Hand und wird dadurch abgestützt. So können Sie Ihr Baby herumtragen, bis sich die Spannung löst.
  • Auf dem Schoß: Auch sitzend gelingt ein Bäuerchen sehr gut. Setzen Sie Ihr Baby auf Ihren Schoß, sodass sein Rücken zu Ihrem Bauch zeigt. Greifen Sie mit einem Arm einmal unter die Arme und um das Baby herum und beugen Sie seinen Oberkörper leicht nach vorne. Mit der anderen Hand können Sie nun auf den Rücken klopfen oder streicheln.
  • Beine strecken und beugen: Das Kind liegt auf dem Rücken. Nun beugen Sie seine Beine, die Knie zeigen in Richtung Bauchnabel, und strecken Sie diese wieder. Auch „Fahrradfahren“ mit den Kinderbeinchen kann helfen, die Luft entweichen zu lassen.
Blähungen beim Baby sind keine Seltenheit und in der Regel auch nicht schlimm. Wichtig ist, dass Sie Ihrem Kind helfen, die Luft im Körper wieder auszustoßen. Das bekannteste Mittel dafür ist das Bäuerchenmachen. Dies kann durch verschiedene Haltungen unterstützt werden und braucht manchmal etwas Zeit. Auch Wärme und Tragen helfen dem Baby, sich zu entspannen und die Luft aus dem Körper zu bringen.
  Hebamme Judith Fuchs
Vater massiert Bäuchlein von Baby

Weitere Hilfsmittel und Maßnahmen

Neben dem bekannten Bäuerchen gibt es weitere Möglichkeiten, um die Schmerzen des kleinen Lieblings zu lindern:

  • Bauchmassage: Reiben Sie mit sanften kreisenden Bewegungen vorsichtig über den Bauch Ihres Babys. Achten Sie darauf, im Uhrzeigersinn zu massieren. So kann die Verdauung gefördert werden. Öle unterstützen die Wirkung zusätzlich, vor allem welche mit verdauungsfördernden Wirkstoffen wie Kümmel, Anis oder Fenchel.
  • Schlafen: Schlafen ist sehr hilfreich: Das Baby kann sich beruhigen und entspannt zusätzlich.
  • Pucken:  Babys, die in ein Pucktuch gewickelt sind, haben meist weniger Bauchweh. Auch schlafen sie in der Wicklung schneller ein. Bei dieser Wickeltechnik fühlt sich das Kind wie in Mamas Bauch, ist dabei leicht bekleidet, wodurch es seinen eigenen Körper besser spürt und sich geborgen fühlt. Allerdings sollte man das Pucken gut dosieren und das Kind nicht die ganze Zeit in dem Wickeltuch belassen.
  • Gymnastik: Um die Luft zu lösen und für mehr Entspannung zu sorgen, bietet sich etwas Gymnastik an. Legen Sie Ihr Baby auf den Rücken, winkeln Sie seine Beine leicht an und schieben Sie sie vorsichtig Richtung Oberkörper. Diese Hockstellung erleichtert es Ihrem Nachwuchs, Luft abzulassen.
  •  Tragetuch oder Tragesystem: Sauerstoff und Mamas oder Papas Nähe können Ihrem kleinen Schatz ebenfalls helfen. Tragen Sie ihn beim Spazieren daher in einem Tuch oder in einem geeigneten Tragesystem nah an Ihrem Körper. So kann Ihr Baby zum einen Ihre Wärme und Nähe spüren, zum anderen hilft die Bewegung dabei, die Luft in seinem Körper zu lösen. Zusätzlich wirken Ihre Atmung und die Auf- und Ab-Bewegung Ihres Bauches wie eine kleine Bauchmassage bei Ihrem kleinen Schatz. Wird Ihnen das Tragen zu anstrengend, können Sie sich alternativ mit Ihrem Baby im Arm auf einen Gymnastikball setzen und sanft auf und ab wippen.
  • Wärme: Um Spannungen zu lösen, ist Wärme ebenso gut geeignet. Legen Sie Ihrem Schatz zum Beispiel ein warmes Kirsch- oder Traubenkernkissen auf den Bauch. Achten Sie unbedingt darauf, dass es nicht zu warm ist und der Haut Ihres Lieblings schadet. Sie können das Kissen beispielsweise in ein Handtuch wickeln. Manchmal hilft auch ein warmes Bad.

Füttern mit der Flasche

Tipps für die Flaschenfütterung

Flaschenbabys sind besonders häufig von Blähungen betroffen. Das liegt daran, dass der Sauger zum einen häufig weniger gut im Mund des Babys sitzt als die Brustwarze. Zum anderen kann das Baby an der Brust den Trinkfluss selbstständiger beeinflussen als am Fläschchen – hier fließt die Milch meist schneller, wodurch mehr Luft in den Körper gelangt. Daher empfehlen wir Ihnen, beim Füttern folgende Punkte zu beachten.

Babys nicht im Liegen füttern

Babys sollten beim Trinken aus der Flasche nie komplett liegen. Besser ist es, wenn das Baby in einer halb-aufrechten Position – am besten in der Armbeuge wie beim Stillen – gehalten wird. Das erleichtert ihm das Aufstoßen.

In Ruhe aufstoßen lassen

Wie auch nach dem Stillen ist es wichtig, dass das Baby genügend Zeit hat, aufzustoßen oder ein Bäuerchen zu machen. Geben Sie ihm hierfür die Zeit, die es braucht, manchmal dauert es einfach etwas länger. Versichern Sie sich, dass es auch wirklich aufgestoßen hat.

Optimale Neigung der Flasche

Es ist wichtig, dass die Flasche so gehalten wird, dass die Milch vollständig den Sauger füllt und dadurch keine Luft mehr in diesem Bereich der Flasche ist. So kann auch keine Luft vom Kind aufgenommen werden.

Luft beziehungsweise Schaum im Fläschchen vermeiden

Bei der Zubereitung des Fläschchens sollten Sie gleich darauf achten, dass sich darin möglichst wenig Luft befindet. Schütteln Sie das Fläschchen nicht, denn so vermengen sich Milch und Luft und werden gemeinsam dem Baby gefüttert. Schwenken Sie das Fläschchen stattdessen lieber. Bei der Verwendung von Milchpulver ist es daher ratsam, Flüssigkeit und Pulver vorsichtig mit einem Löffel miteinander zu vermischen.

Sie können das Fläschchen nach dem Mischen etwas stehen lassen, sodass sich die entstandenen Blasen wieder setzen. Wichtig ist auch, dass Sie Ihrem Baby das Fläschchen langsam geben. Die Nahrungsaufnahme über die Flasche sollte genauso lange dauern wie eine Stillmahlzeit, also mindestens zehn Minuten. Machen Sie zwischendurch immer wieder Pausen und halten Sie die Flasche nicht zu steil.

Und ein letzter Tipp: Wechseln Sie nicht ständig die Marke der Säuglingsnahrung, sondern bleiben Sie möglichst bei einem Hersteller.


Stillen

Tipps fürs Stillen

Auch wenn Stillen generell eher empfohlen wird und es heißt, dass gestillte Kinder weniger Blähungen bekommen, bleiben diese trotzdem nicht immer davon verschont. Mit folgenden einfachen Tipps lässt sich das verhindern.

Zeit und Ruhe

Nehmen Sie sich für das Stillen viel Zeit, schaffen Sie eine angenehme Atmosphäre und sorgen Sie für viel Ruhe. Legen Sie dann Ihr Baby Bauch an Bauch zu Ihrem, sodass es für Sie beide eine angenehme Position ist.

Richtig anlegen

Achten Sie darauf, dass Ihr Baby mit seinem Mund die Brustwarze komplett umschließt, so kann keine Luft beim Schlucken mit aufgenommen werden. Saugt Ihr Baby langsam, verringert sich der aufgenommene Luftanteil. Zudem ist es besser, wenn Ihr Baby länger an einer Brust liegt. Mit den ersten Schlucken wird viel Milchzucker aufgenommen, was zur Gasbildung im Darm beitragen kann. Erst nach und nach wird die Milch fettreicher, was für das Wachstum Ihres Babys besser ist. Achten Sie darauf, dass kein Schnalzen oder ähnliche Geräusche des Babys zu hören sind, wenn es an der Brust trinkt.

Ernährung der Mutter

Unterschiedliche Lebensmittel, welche die Mutter zu sich nimmt, können individuell Blähungen beim Kind hervorrufen. Das ist aber von Person zu Person verschieden. Meistens merkt man selbst, wovon der eigene Verdauungstrakt geplagt ist, und kann zukümftig auf das Lebensmittel verzichten. Aber prinzipiell gilt: Es muss kein Lebensmittel von vornherein vermieden werden! Probieren Sie aus, was Sie beide gut vertragen und was nicht.


Ein Fall für den Kinderarzt?

Bei welchen Symptomen sollten Sie mit dem Baby zum Arzt?

Schmerzen zeigt Ihr Nachwuchs durch Weinen und Schreien. Doch auch ein harter Bauch, das Krümmen seines kleinen Körpers, Erbrechen oder Appetitlosigkeit können auf Blähungen hinweisen. Nicht bei all diesen Symptomen müssen Sie Ihren Kinderarzt aufsuchen. Allerdings sollten Sie unbedingt medizinische Hilfe in Anspruch nehmen, wenn die Symptome nach jeder Mahlzeit auftreten, sich langfristig beim Stuhlgang Ihres Babys Auffälligkeiten zeigen wie Durchfall, Verstopfung oder Farbveränderungen oder wenn es sich dauerhaft weigert, zu trinken. Leidet Ihr Baby unter Fieber, ist dies ein weiterer Grund, den Arzt aufzusuchen.