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Nachhaltig gefragt / 04. Dezember 2020

Was bedeutet Bio?

Bio – kennt doch jeder, oder? Eine Bezeichnung, die zum Trend wurde und deren Bedeutung dabei für viele immer weiter verschwimmt. Dabei gibt es keinen Unterschied zwischen Bio- und Ökoprodukten, sie sind Synonyme, denn beide bezeichnen Produkte aus ökologischem Anbau. Nachhaltigkeits-Expertin Anna Schunck erklärt, wie Sie erkennen, ob in einem Produkt wirklich Öko drin ist, wenn Öko draufsteht und warum Bio-Siegel Sinn machen.

Frisch ausgegrabene Kartoffeln auf dem Feld
© PhotoAlto Agency RF Collections / Gettyimages

Über Anna Schunck

Nachhaltigkeits-Influencerin

Porträt Anna Schunck
© Michi Schunck

Anna Schunck, geboren 1981, ist freie Journalistin, Moderatorin, Menschenfreundin und Expertin für Nachhaltigkeit. Sie hat eine Tochter und lebt abwechselnd in Berlin und Brandenburg. Seit 2016 berichtet sie in ihrem Online-Magazin „Viertel \ Vor” mit Spaß und Stil über verschiedene Aspekte von Klima- und Ressourcenschutz.

Nebenbei betreibt sie diverse Podiumsdiskussionen über Fair Fashion, Zero Waste, Verkehrswende, Minimalismus sowie verschiedene Podcasts. Außerdem berät Anna verschiedene Marken, Unternehmen sowie Medien. Des Weiteren konzipiert und bearbeitet sie Text- sowie Bewegtbildinhalte und schreibt unabhängig für diverse Magazine wie stern.de, Brigitte, Emotion, Couch und Grazia.


Interview

Die Definition: Was macht ein Lebensmittel zum Bio-Lebensmittel?

Anna Schunck: Im Supermarkt vor allem das Siegel: Ohne Zertifikat kein Bio. Im Gegensatz zu Bereichen wie Naturkosmetik oder Strom ist der Begriff Bio in Bezug auf Lebensmittel gesetzlich geschützt. Ein Bio-Siegel bekommen nur Naturprodukte, bei denen keine künstlichen Elemente in die Wertschöpfungskette mit eingeflossen sind. Das heißt, die Produkte werden ohne Gentechnik hergestellt, weitestgehend natürlicher Dünger verwendet und auf chemische Pflanzenschutzmittel verzichtet.

Der gesamte Anbau muss bio- oder ökologisch sein. In der Landwirtschaft haben beide Bezeichnungen die gleiche Bedeutung. Für Bio-Tiere muss auch das Futter entsprechend erzeugt werden. Außerdem bekommen sie keine Medikamente und mehr Platz beziehungsweise Auslauf als konventionelle Nutztiere.

Die Zertifizierung: Welche Bio-Siegel gibt es?

Anna Schunck: Seit 1991 sind die Begriffe „Bio“ und „Öko“ durch die so genannte EG-Öko-Verordnung auf Europa-Ebene verbindlich festgelegt. Seitdem gibt es das rechteckige, hellgrüne EU-Bio-Siegel mit dem weißen Blatt in der Mitte. Gleichbedeutend ist in Deutschland mittlerweile das staatliche Bio-Siegel. Dieses hellgrüne sechseckige Zeichen mit dem schwarzen Schriftzug „Bio“ steht für die Kriterien der EG-Öko-Verordnung, definiert Mindestkriterien und ist damit so etwas wie die Basis-Version unter den Bio-Siegeln. Härtere Kriterien setzen die Zertifizierungen der ökologischen Anbauverbände Ecoland, Gäa, Bioland und Naturland an. Die strengsten Standards hat Demeter.

Die Details: Worin unterscheiden sich die Siegel?

Anna Schunck: Hauptsächlich im Tierwohl. Insbesondere bei dem Thema Nutztierhaltung lassen die ökologischen Anbauverbände ihren Produzenten weniger Spielraum. So schreiben beispielsweise alle vor, dass immer der gesamte Landwirtschaftsbetrieb ökologisch arbeiten muss und die Fleisch- oder Milchproduktion nicht abgekoppelt werden dürfen. Außerdem erlauben deutsche Bioverbände wesentlich weniger Tiere je Hektar als das EU-Bio-Siegel. Konventionelle Futtermittel dürfen gar nicht oder nur in einem sehr begrenzten Rahmen zugefüttert werden.

Das Demeter-Siegel verbietet außerdem Kühen die Hörner abzusägen und schreibt als einziger Zertifizierer die sogenannte Mutterkuhhaltung für Milchkühe vor, bei der Kälber nach der Geburt nicht von den anderen Tieren getrennt werden. Im Detail können alle Richtlinien auf den jeweiligen Internetseiten der Verbände nachgelesen werden.

Das Geschummel: Gibt es auch Täuschung und Fälschung?

Anna Schunck: Gerade weil die Begriffe gesetzlich geschützt sind gibt es konventionelle Anbieter, die versuchen vom Wortlaut her möglichst nah an Bio oder Öko heranzukommen – oder zumindest eine ähnliche Assoziation zu erzeugen. Während die Bio-Eigenmarken der Supermärkte, auch in günstigen Discounter-Ketten, mit dem EU-Bio-Siegel ausgezeichnet sind, fallen Bezeichnungen wie „naturnah“ oder „vegan“ in Bezug auf ökologische Herstellung ganz klar unter Schwindel, selbst wenn sie wie Siegel aufgemacht sind.

Auch das QS-Zeichen oder das Öko-Test-Logo sagen nichts über biologische oder umweltfreundliche Herstellung aus. Verwirrend? Das empfinden viele so. Umweltverbände wie der BUND fordern deshalb eine einzige Kennzeichnung, die auf den ersten Blick eindeutig, leicht verständlich und wissenschaftlich fundiert über Klima- und Umweltfreundlichkeit sowie Tierschutz aufklärt.

Die Folgen: Bei welchen Produkten ist es besonders wichtig auf Bio-Siegel zu achten?

Anna Schunck: Im eigenen Interesse vor allem bei Obst und Gemüse. Das ist „in bio“ viel gesünder, weil es mehr Vitamine enthält und ohne synthetische Dünger und Pflanzenschutzmittel mehr eigene Abwehrstoffe und Antioxidantien bilden muss, die uns beim Essen zugutekommen.

Generell sollten wir bei allem, was wir ungeschält oder roh zu uns nehmen wollen, bedenken, dass die konventionelle Version gespritzt ist. Pestizide dringen fast immer in das ganze Produkt ein. Genauso verhält es sich mit Antibiotika, die Nutztieren verabreicht werden.

Darüber hinaus sind Bio-Lebensmittel auch immer aktiver Umwelt- und Klimaschutz. Je mehr Bio wir kaufen, desto mehr wird gebraucht und umso stärker wird die Agrarwende, also die Umstellung von konventionell auf ökologisch, unter tragbaren Bedingungen für Landwirte vorangetrieben. Das ist nötig, weil die Intensivlandwirtschaft vor massiven Problemen steht, die noch zunehmen werden.

Monokulturen, überdüngte Böden, Resistenzen und schwindende Artenvielfalt sind die Folgen auf unseren Feldern, die das einfach Weiterwirtschaften auf mittlere Sicht unmöglich machen werden. Pestizide lassen Insekten sterben und verschmutzen das Grundwasser. Dass deren Einsatz deutlich reduziert werden muss, fordern nicht nur „die Ökos“, sondern auch die Wissenschaft und das Umweltbundesamt.

Der nächste Schritt: Ist Bio auch immer gleich fair?

Anna Schunck: Nein. Zwar geht mit den strengen Richtlinien der Bio-Siegel ein ethischer Umgang mit der Umwelt und auch eine artgerechtere Nutztierhaltung einher. Darüber, wie es den Menschen entlang der Lieferketten geht, sagt die Zertifizierung aber nicht verbindlich etwas aus.

Wer ganz sichergehen will, dass bei der Herstellung keine Arbeiter ausgebeutet werden, sollte zusätzlich auf „Fairtrade“ achten – insbesondere wenn es um Produkte geht, die wie Kaffee oder Kakao für Schokolade in Ländern mit schlechteren Arbeitsrechten angebaut und geerntet werden.


Das machen wir

Bio-Eigenmarke und enge Zusammenarbeit mit heimischen Landwirten

Kaufland hat über 1.800 Bio-Artikel im Sortiment. Von der Eigenmarke K-Bio über viele Markenartikel bis hin zu mehr als 200 Produkten nach dem strengen Demeter-Standard. Wir bieten unseren Kunden ganz bewusst Bio-Produkte in verschiedenen Preissegmenten. Denn jeder Mensch hat das Recht auf ökologische und gesunde Ernährung.

In jeder Warengruppe bieten wir mindestens eine Bio-Alternative zum konventionellen Produkt an. Im Regal werden die Bio-Produkte neben dem konventionellen Pendant platziert, um zum Kauf der ökologischen Alternative zu animieren. Bei unseren Eigenmarkenprodukten erfüllen wir strenge Vorgaben und machen sie bis zum Rohstoff rückverfolgbar.

Wir stärken heimische Bio-Landwirte und bauen langfristige und partnerschaftliche Beziehungen mit ihnen auf. Darunter auch mit vielen Landwirten, die nach der biodynamischen Demeter-Landwirtschaft arbeiten.